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Strom
Auf dem Weg zur Wasserstoff-Region

Planen Wasserstoffproduktion in Oegeln: Axel Behmann und Albrecht Graf von Wilamowitz-Moellendorf (von links) wollen den Gutshof Oegelner Fließ vom Landwirtschafts- zum Energiewirtschaftsbetrieb wandeln.
Planen Wasserstoffproduktion in Oegeln: Axel Behmann und Albrecht Graf von Wilamowitz-Moellendorf (von links) wollen den Gutshof Oegelner Fließ vom Landwirtschafts- zum Energiewirtschaftsbetrieb wandeln. © Foto: Jörn Tornow
Monika Rassek / 12.11.2019, 20:00 Uhr - Aktualisiert 12.11.2019, 20:24
Oegeln (MOZ) Bislang ein Landwirtschaftsbetrieb, setzt der Gutshof Oegelner Fließ künftig auf Energie und baut eine Wasserstofftankstelle.

Der Gutshof Oegelner Fließ will neue Wege gehen, nachhaltige Landwirtschaft zur nachhaltigen Energiewirtschaft wandeln, um eine kontinuierliche Stromversorgung aus regenerativen Energien zu gewährleisten. Erster Schritt ist die Einrichtung einer mobilen Wasserstofftankstelle. Profitieren sollen Gutshof, Landkreis und auch die Anwohner. Das Prinzip ist simpel: Wasser wird in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der gewonnene Wasserstoff eignet sich zum Betrieb von Brennstoffzellen und somit zur Stromerzeugung.

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Einrichtung einer mobilen Wasserstofftankstelle

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Mobile Tankstellen entstehen

Einziges Problem: Woher kommt sauberer Strom zur Wasserstoffgewinnung? "Auf dem Gutshof haben wir Zugang zu Energie aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen. Diese kombinieren wir, bauen und betreiben auf unserem Gelände eine Elektrolyseeinrichtung für die Gewinnung von Wasserstoff", erklärt Albrecht Graf von Wilamowitz-Moellendorf, der seit 2017 Miteigentümer des Gutes ist. Erklärtes Ziel sei es, mobile Tankstellen einzurichten, an denen Schulbusse, kommunale Fahrzeuge wie Müllwagen und die der Landwirtschaft betankt werden können.

"Darüber hinaus wäre es möglich, beispielsweise die dieselbetriebene Regionalbahn mit einer Brennstoffzelle auszustatten und mit Wasserstoff zu betreiben", ergänzt Axel Behmann, Geschäftsführer der Oegelner Fließ Dienstleistungsgesellschaft.

Beim Zuhören setzt sich der Eindruck fest, dass die Herren längst schon in der Umsetzungsphase angekommen sind, was sich als richtig erweist. "Die Landwirtschaft steht unter enormen Druck. Die Bedingungen werden härter. Versuchen Sie doch mal einen modernen Stall zu bauen. Das Baurecht erlaubt es einfach nicht", sagt Wilamowitz. Das Energiemodell könne so beispielsweise auch ein Weg für Landwirte werden, die es nicht mehr schaffen, sich mit ihrem Agrarbetrieb über Wasser zu halten. Des Weiteren befördere es die biologische Vielfalt und darüber hinaus vielleicht den Effekt einer neuen Landlust.Mit dem Landkreis gibt es bereits Gespräche. "Es besteht Interesse an dem Projekt und die Einstellung ist dazu ist positiv", teilt der Miteigentümer mit. Denn auch der Kreis muss seine Vorgaben erreichen: "Es erfordert Mut, neue Wege zu gehen. Doch nur von Klimazielen und CO2-Senkung reden, bringt nichts. Wir machen jetzt einfach mal den ersten Schritt zur Wasserstoff-Region."

Wenn alles nach Plan läuft und die Rahmenbedingungen stimmen, steht die erste Wasserstofftankstelle in drei Jahren. "Für die konstante Stromversorgung und die kontinuierliche Herstellung von Wasserstoff muss die Anlage mindestens 5000, besser 6000 Stunden im Jahr laufen. Dafür dient die Sektorenkoppelung aus Wind- und Sonnenenergie", so Wilamowitz. "Beispielsweise können mit einem jährlichen Ertrag von 500 Tonnen Wasserstoff etwa 100 bis 150 Busse betrieben werden."

Alternative Stromleitungen

Die Visionen von Axel Behmann und Albrecht Graf von Wilamowitz-Moellendorf reichen jedoch weit über eine mobile Wasserstofftankstelle hinaus: "Wir werden Kabel in den Ort legen, am bisherigen Netz vorbei, um beispielsweise die Straßenlaternen mit regenerativen Energien zu betreiben." Die Anschubfinanzierung soll vom Land kommen. "Auch in dieser Hinsicht ist die Zusammenarbeit mit dem Landkreis unabdingbar. Die Fördermöglichkeiten sind deutlich besser", erklärt der Gutsmiteigentümer. Die Kosten für das Projekt beziffert Wilamowitz vorsichtig mit fünf Millionen Euro plus X und zusätzliche Kosten für die Kabel. Er betont: "Später muss sich die Energiegewinnung selbst tragen und am Markt orientieren." Die Rahmenbedingungen sind klar. So sind Photovoltaikflächen künftig ausschließlich in Verbindung mit der Wasserstoffproduktion auszuweisen.

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