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"Highland Blast" macht Station in Eberswalde. Über eine Idee vom Küchentisch, Musik und Whisky plaudert Festivalleiterin Carla Feuerstein.

Fahrendes Festival
Die Schotten sind los

Ellen Werner / 13.11.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 13.11.2019, 09:28
Eberswalde (MOZ) Mit schottischer Musik zieht "Highland Blast" einmal im Jahr durch Deutschland – immer im November. Mit Festivalchefin Carla Feuerstein (30) sprach Ellen Werner noch vor Beginn der diesjährigen Tour.

Hier scheint die Sonne. Wo in Schottland sind Sie und wie ist das Wetter?

Bei uns in Glasgow regnet es natürlich und es ist kalt. Insgesamt stimmt das Klischee über das schottische Wetter schon: Sommers wie winters ist es sehr feucht.

Was hat Sie selbst nach Schottland und zu seiner Musik gebracht?

Ich lebe jetzt seit acht Jahren hier. Ursprünglich sollte es nur ein Auslandssemester in Stirling sein, ich habe englische Literatur studiert. Mir hat’s im Land sehr gut gefallen, an der Uni aber nicht. Ich blieb also, ging aber nach Glasgow und habe zwei Jahre Tontechnik studiert. Seitdem bin ich freiberuflich unterwegs, arbeite an verschiedenen Veranstaltungsorten, gehe mit Bands auf Tour und habe irgendwann auch angefangen, Touren zu organisieren.

So kam es auch zu Highland Blast?

Ja, die Idee kam uns – meinem Lebenspartner Sean, der damals zur Paul McKenna Band gehörte, mir und meinen Eltern, mit denen ich selbst Musik mache – am Küchentisch. Wir waren mit der Band auf Tour in Deutschland und saßen mit den Jungs bis spät nach Mitternacht zusammen, hatten auch schon ein oder zwei Whiskys drin. Die keltische Szene ist mit den irischen Shows ja relativ bekannt. Wir wussten, die Leute hier lieben auch die schottische Musik und Kultur und dachten, es wäre schön, wenn wir ein Festival direkt darauf zuschneiden könnten. Am nächsten Morgen haben wir gleich einen Businessplan geschrieben.

Zu schottischer Musik fällt den meisten sicherlich als Erstes der Dudelsack ein. Muss man den mögen, um einen Zugang zur Show zu finden?

Ich glaube, dass wir den ganz gekonnt einsetzen. Unsere Piperin – übrigens unser Nesthäkchen, Robyn Ada McKay ist erst Anfang 20 – eröffnet den Konzertabend zusammen mit unserer Tänzerin. Der Dudelsack taucht auch zwischendurch auf, aber auch wer ihn nicht mag, wird seinen Spaß haben. Natürlich haben wir die Great Highland Bagpipes dabei. Die sind tatsächlich sehr laut, schließlich wurden sie für den Einsatz im Freien entwickelt – um den Feind im Krieg einzuschüchtern. Man kann sie aber auch schön spielen.

Bei allen Überschneidungen mit der irischen Musik – was ist denn typisch schottisch?

Der Dudelsack ist auf jeden Fall ein großer Unterschied – in Irland gibt es andere Dudelsäcke. Auch der Stepptanz ist ein anderer, der schottische Stil ist etwas lockerer und er ist hier eher ein Solotanz, eine rhythmische Untermalung für die Musik, quasi noch ein Instrument. Dann gibt es natürlich den gälischen Gesang. Gälisch, die dritte Landessprache ist eine ganz alte Sprache, die vornehmlich in den Highlands und auf den Inseln gesungen wird. In dieser Sprache singt auch Kim Carnie – mit ihrer Band unsere Newcomerin. Auch im Dialekt Scots, der zweiten Landessprache, wird oft gesungen.

Das Publikum soll die Musik des traditionellen und des modernen Schottland entdecken können. Eine große Aufgabe für nur zwei Bands …

Wir haben immer eine Band, die, wie im Fall von Kim Carnie, eine relativ traditionelle Schiene fährt. Und dann haben wir diesmal Dallahan dabei, die sowieso einen Mix aus traditionellem Folk und aktueller Pop-Musik verkörpern. Die Band ist tief in der Szene Glasgows verwurzelt. Die Stadt ist ein Schmelztiegel mit vielen Einflüssen. Der Fiddler kommt zum Beispiel aus Italien. Man hört, dass es eine sehr weltoffene Musik ist.

Entdecken Sie die Bands in kleineren Clubs oder sind die Musiker schon bekannter?

Wir gehen schon auch auf Entdeckungstour oder beobachten Bands über mehrere Jahre, so wie Kim Carnie, die in der letzten Zeit sehr viel gemacht hat. Dallahan sind hingegen auch in Deutschland schon viel unterwegs gewesen, haben jetzt sogar ihr drittes Album "Smallworld" hier herausgebracht. Wir wollten sie schon seit Langem bei der Tour dabei haben. Dieses Jahr hatten sie endlich Zeit.

Was bringt eigentlich der Brexit für Sie und Ihre Tour?

Tja … Das ist das große Geheimnis. Wir wissen es nicht. Vor Kurzem dachten wir noch, wir würden die diesjährige November-Tour schon im Nach-Brexit-Deutschland machen. Beim ersten Referendum damals waren wir natürlich geplättet und haben uns gefragt, ob es sich überhaupt lohnt, weiterzumachen. Seither gab es aber schon mehrere Touren – wir machen einfach weiter. Ich persönlich habe im April meinen "settled status" bekommen, also die Zusage, dass meine Rechte nach dem Brexit hier die gleichen bleiben.

Für Highland Blast ist es jetzt die sechste Runde. Das Ganze scheint also recht erfolgreich zu sein. Wie groß ist das Publikum?

Über die ganze Tour mit insgesamt zehn Terminen werden bestimmt zwei- bis dreitausend Leute dabei sein. Die kleineren Häuser haben 150 Plätze, ins Haus Schwärzetal, einen der größeren Säle, können knapp 300 Leute kommen. Hier waren wir letztes Jahr zum ersten Mal. Es war ein sehr schöner Abend, der wohl auch den Leuten gefallen hat. Wir wurden erneut eingeladen.

Whisky spielt auch eine Rolle ...

… vielleicht, weil es hier in Schottland eben kalt und nass ist und der Whisky wärmt. Es gibt unglaublich viele Destillerien und die Schotten sind sehr stolz auf dieses Getränk, das in der Herstellung sehr aufwändig ist. Es war uns wichtig, das auch in der Show zu zeigen. Jeder Besucher bekommt einen Schluck zur Begrüßung.

Und wenn jemand Lust hat zu tanzen?

Gern! Im vorigen Jahr haben das einige gemacht. Es gibt zwar Stuhlreihen, aber rechts und links von der Bühne ist Platz zum Tanzen.

Gratiskarten zum Konzert

Highland Blast mit Kim Carnie, Dallahan, Megan Henderson und Robyn Ada McKay, Haus Schwärzetal, Sonntag, 19 Uhr (Anmeldung und Tickets für das separate Whisky-Tasting ab 18 Uhr: www.highlandblast.com)

Die MOZ verlost heute bis 12 Uhr zweimal zwei Freikarten unter der Telefonnummer 0137 8801446 (Telemedia interactive GmbH; pro Anruf 50 Cent aus dem Festnetz, Mobilfunk teurer). Die Namen der Gewinner werden in der morgigen Ausgabe veröffentlicht. Es gilt folgende Frage zu beantworten: In welcher Sprache singt Kim Carnie?

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