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Verein "Friedenstreck" in Brück gegründet
Mit Planwagen und Pferden nach Israel

Der Vorstand des neu gegründeten Vereins: Schriftführer Matthias Funke, Kassenwart Ronald Krause, erster Vorsitzender Helmut Kautz und der zweite Vorsitzende Friedbert Enders (v.li.).
Der Vorstand des neu gegründeten Vereins: Schriftführer Matthias Funke, Kassenwart Ronald Krause, erster Vorsitzender Helmut Kautz und der zweite Vorsitzende Friedbert Enders (v.li.). © Foto: B. Kraemer
Bärbel Kraemer / 13.11.2019, 07:43 Uhr
Brück 22 Frauen und Männer aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands haben sich am Tag des Mauerfalljubiläums in Brück ein großes Ziel gesetzt. "Wir wollen am 28. November 2025 mit unserem Friedenstreck in Jerusalem auf dem Bahnhof stehen", erklärt der Brücker Pfarrer Helmut Kautz. Ihre Intuition: Den Friedensgedanken weiter befördern, Friedensglocken verteilen, mit den Menschen das Brot brechen und Volksdiplomatie betreiben.

Damit die Vision Wirklichkeit werden kann, wurde der Verein "Friedenstreck" gegründet. Die Idee für das unmöglich erscheinende Vorhaben, mit Planwagen und Pferden nach Israel zu fahren, entstand 2018 während der Friedenstour der Titanen der Rennbahn von Brück ins russische Weliki Nowgorod.

"Jetzt wird ein neues Kapitel in der Geschichte des Friedenstrecks geschrieben", betont Kautz. Er erläutert, das anders als bisher, der Kaltblutzucht- und Sportverein aus Brück bei der Verwirklichung der Vision nicht dabei sein wird und statt derer, Pferdezüchter und Pferdefreunde aus ganz Deutschland Tiere vor die Wagen spannen  - vom Kaltblut über Hannoveraner bis hin zu Mulis.

Mit Pfarrer Helmut Kautz als erstem Vorsitzenden, Friedbert Enders als zweitem Vorsitzenden, Matthias Funke als Schriftführer und Ronald Krause als Kassenwart ist der Vorstand mit Männern besetzt, die über Treck Erfahrung verfügen und bereits bei der Touren von Brüssel nach Brück sowie von Brück nach Weliki Nowgorod dabei waren.

Die Reise nach Israel mit Pferdegespannen ist nur ein Teil der großen Vision, der sich der neu gegründete Verein verschrieben hat. Vorab soll eine Friedensglocke für die Erlöserkirche in Israel gegossen werden, die mitgeführt wird. "Die große Friedensglocke soll aus Kriegsbronze gegossen werden. Dafür suchen wir Kanonen, Granathülsen oder ähnliches aus Bronze. Wer helfen kann, bitte melden!

"Wir freuen uns über alle Mitstreiter, Unterstützer und Mitmacher! Seien Sie dabei!", so der Vereinsvorsitzende über das Vorhaben in Anlehnung an die Abrüstungsinitiative "Schwerter zu Pflugscharen". Die erste Granathülse haben die Enthusiasten bereits entgegengenommen. Wanderglockengießer Peter Glasbrenner, der bereits die Friedensglocke für Nowgorod und 2011 die neue Glocke für die Rottstocker Kirche gegossen hat, soll schon im kommenden Jahr in Brück die Glocke für die Erlöserkirche in Israel gießen. Dafür werden 75 Kilogramm Kriegsbronze gebraucht.

Die Frauen und Männer, die das fast unmöglich erscheinende Vorhaben verwirklichen wollen, treiben die verschiedensten Beweggründe. Bernd Schulze aus Gömnigk, der die Friedenstreck Idee auf der Tour nach Weliki Nowgorod hatte, erklärt: "Es geht darum, den Friedensgedanken weiter zu tragen. Jeder kann daran mitwirken."

Hans-Jürgen Siebold aus Borkheide sagt: "Wir haben das Glück, keinen Krieg erlebt zu haben. Aber wir haben die verdammte Pflicht und Schuldigkeit Schuld abzutragen." "Es ist ein starkes Zeichen. Ich bin von der Vision berührt und halte sie für möglich", so Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz.

Im Sommer 2020 soll die erste Sternfahrt quer durch Deutschland stattfinden. Weitere durch Deutschland und Europa sollen folgen. Ziel ist es, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, die Vision eines gemeinsamen, friedlichen und vereinten Europas zu vermitteln. "Das kann nur durch das gemeinsame Lösen vorhandener Probleme, dem Austauschen von Ideen, der gemeinsamen Nutzung von Ressourcen ohne Hass, Vorurteilen oder Unverständnis umgesetzt werden", so Kautz. Vom 31. Juli bis 21. August 2020 wird dieser erste "Dreiwochentreck" über 589 Kilometer von Hamburg nach Kloster Marienfliess in der Prignitz führen.

Bis zum Start des Trecks nach Israel 2025 sind noch viele Fragen offen. Es geht um Sicherheitsfragen, Reiserouten und Kosten. Egbert Läufer aus Volksdorf bei Hamburg, kürzlich mit Kautz in Israel, um sich mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut zu machen, glaubt fest an die Verwirklichung der Idee. Er betont, dass das Tierwohl im Vordergrund stehen wird und aus diesem Grund der Seeweg ausgeschlossen wurde. Bleibt der knapp 3.000 Kilometer lange Luftweg oder der 4.000 Kilometer lange Landweg - durch Syrien führend. Die Worte "wenn in Syrien Frieden wäre" hatten in dieser Folge doppelte Bedeutung am Gründungstag des Vereins.

Die Kosten für das ehrgeizige Vorhaben dürften im siebenstelligen Bereich liegen. Nicht einmal die Zahl kann die Friedensaktivisten abschrecken. Sie sagen: "Man muss naiv sein, es anzufangen und stur, um es zu Ende zu bringen." Die Idee des Friedenstrecks ist für sie nicht mehr nur eine Vision, sondern eine Mission.

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