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Schulprojekt
Manege statt Mathe

Körperspannung: Patrick Fregin hat in den zurückliegenden zwei Tagen in der Turnhalle mit 35 Kindern artistische Einlagen einstudiert. Für die Figuren ist Körperbeherrschung gefragt. Fregin sieht schnell, welches Kind welche Fähigkeiten mitbringt.
Körperspannung: Patrick Fregin hat in den zurückliegenden zwei Tagen in der Turnhalle mit 35 Kindern artistische Einlagen einstudiert. Für die Figuren ist Körperbeherrschung gefragt. Fregin sieht schnell, welches Kind welche Fähigkeiten mitbringt. © Foto: Brian Kehnscherper
Brian Kehnscherper / 13.11.2019, 19:30 Uhr
Lindow Patrick Fregin sieht schnell, welche Fähigkeiten ein Kind hat. Der 37-Jährige kommt aus einer Schaustellerfamilie, machte eine Lehre zum staatlich geprüften Artisten und tourt seit elf Jahren mit dem Projektcircus von Schule zu Schule. Wenn innerhalb einer Woche ein Zirkusprogramm einstudiert werden soll, müssen viele Zahnräder schnell ineinandergreifen.

Fregin steht in der Turnhalle der Drei-Seen-Grundschule in Lindow und gibt Anweisungen. Die Mädchen und Jungen verbiegen ihre Körper zu Brücken und stapeln sich zu menschlichen Pyramiden. Insgesamt 35 Kinder sind in der Artistikgruppe, die in der Halle übt. Im Zirkuszelt, das nebenan aufgestellt worden ist, trainieren die Schüler Seiltanz, Trapezeinlagen, Zauberei, Jonglage und Clownerie. Nur zwei Tage haben die Kinder zum Üben Zeit gehabt. Heute steht bereits die Generalprobe an, bevor sie am Abend sowie am Freitag insgesamt drei Vorführungen vor Publikum geben. "Das ist ein relativ straffes Programm, da braucht man klare Abläufe", sagt Fregin. Anfangs beurteilt er, welches Kind welche Voraussetzungen mitbringt und welche Rolle es in der Manege übernehmen kann. "Man sieht, wie sie sich bewegen, welches Körpergefühl sie haben." Fest steht, dass jeder mit eingebunden wird. "Die unsportlicheren Kinder haben oftmals Kraft. Sie können in der Pyramide unten stehen", so der Fachmann. Marta und Emma gehören zu den Kindern, die schon viel Begabung mitgebracht haben. Brücke, Handstand und Spagat haben die acht und neun Jahre alten Mädchen schon vorher zu Haus geübt. Bei der Arbeit mit den Grundschülern ist auch Fingerspitzengefühl gefragt. Auf die Schüchternen muss Fregin behutsam eingehen. Bei einigen Rabauken sei eher ein strengerer Ton nötig.

Zusammenhalt wird gestärkt

Aus Sicht von Schulleiterin Marina Makowiak hat das Projekt einen hohen pädagogischen Wert. Deshalb ist es bereits das dritte Mal, dass der Projektzirkus an ihrer Schule gastiert. Nicht nur, dass die Kinder sich konzentrieren und im Team zusammenarbeiten müssen. Sie übernehmen auch Verantwortung und entwickeln eine Bereitschaft, sich um das Gelingen der Show zu bemühen. "Um in so kurzer Zeit eine Vorführung hinzubekommen, üben viele Kinder auch zu Hause", so Makowiak. Zudem seien die Mädchen und Jungen stolz auf das, was sie lernen. Da alle Jahrgänge gemischt in den Gruppen vertreten sind, werde auch der Zusammenhalt gestärkt. "Die Jüngeren haben jemanden, zu dem sie aufblicken können, und die Älteren müssen Verantwortung übernehmen. Es ist eine ganz wertvolle Sache." Das sieht auch Fregin so. "Die Kinder lernen den Zusammenhalt. Allein kann man eine Figur nicht machen. Sie müssen sich aufeinander verlassen können und sich vertrauen", so der Artist.

Hilfe von Beruflicher Schule

Unterstützt wird das Projekt auch von zwölf Erzieher-Azubis der Beruflichen Schule Lindow, die im Rahmen ihrer Ausbildung beim Training assistieren. Makowiak ist zudem wichtig, dass das Ganze eine gewisse Nachhaltigkeit hat. Deshalb ist das Thema Zirkus bereits im Vorfeld in den Unterricht eingebunden worden. "Die Kinder haben zum Beispiel ausgerechnet, wie viel ein Elefant im Monat frisst. In den Sportstunden wurde zum Teil auch schon für das Projekt geübt", so die Schulleiterin. Die Kinder konnten zudem bei einem Malwettbewerb ein Logo für den Zirkus entwerfen. Die Viertklässlerin Mara Schiele konnte die Jury mit ihrem Entwurf überzeugen. Schulintern wurde das Projekt auf "Magische Momente" getauft. Und im Nachgang können die Kinder ihre Erlebnisse verarbeiten, indem sie ihre Zirkusgeschichte für einen Schreibwettbewerb festhalten. Der Förderverein der Schule hat dafür eigens Preise gestiftet.

Doch heute und morgen liegt der Fokus vollkommen auf den drei Vorführungen, die den Schülern bevorstehen. Damit sie und ihre Eltern eine nachhaltige Erinnerung daran behalten, wird die Show aufgezeichnet. Marina Makowiak rechnet damit, dass die Zirkus-AG der Schule nach dem Projekt einen großen Zulauf haben wird.

Infos zu den Vorstellungen

Die Kinder zeigen heute ab 17 Uhr, was sie in den vergangenen Tagen eingeprobt haben. Das Zirkuszelt steht vor der Turnhalle.

Zwei weitere Vorführungen stehen am morgigen Freitag um 10 sowie um 17 Uhr an.

Karten zum Preis von zehn Euro gibt es an der Zirkuskasse. Kinder zahlen drei Euro. Jedes beteiligte Kind darf zwei Gäste kostenlos mitbringen.⇥bk

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