Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

zur Ankündigung von Elon Musk
Märkisch Tesla

Ina Matthes
Ina Matthes © Foto: Gerrit Freitag
Meinung
Ina Matthes / 13.11.2019, 19:46 Uhr - Aktualisiert 14.11.2019, 08:46
Freienbrink (MOZ) Hammer! Tesla kommt! Das war das Gesprächsthema gestern in Brandenburg. Doch in die Euphorie über eine mögliche  Groß-Investition in einem mit Groß-Industrie nicht gesegnetem Land mischte sich schnell Skepsis. Tesla kommt, wirklich? Der Visionär Elon Musk ist bekannt für große Worte. Vor wenigen Tagen hatte er noch über die Besiedelung des Mars gesprochen. Seinem eigenen Unternehmen Tesla gab er im Frühjahr allerdings nur noch zehn Monate bis zur Pleite. Der Autobauer war arg ins Schlingern geraten, mal wieder. Die Börsenkurse fuhren Achterbahn. Tesla verbrennt zu viel Geld, ist zu klein und verkauft zu wenig Autos, kritisierten die Analysten.

Doch Tesla scheint sich gefangen zu haben. Der Kurs legte zu, das Quartalsergebnis war gut und Tesla steuerte in die Gewinnzone. Auch dank eines rigiden Sparkurses. Hat der Autobauer also die Kurve gekriegt? Mit Brandenburg – aus Musks Sicht wahrscheinlich eher das Umland von Berlin – scheint es der Amerikaner ernst zu meinen. Es spricht vieles dafür, sich jetzt im Heimatland des Autos anzusiedeln, in der Mitte von Europa. Unser Kontinent gilt als zweitgrößter Markt für E-Autos. In den USA zieht der Stromer nicht mehr so richtig. Und Musk muss aufpassen, von den Chinesen nicht ganz abgehängt zu werden.

Die Versprechungen des jüngsten deutschen Autogipfels, die Förderung für die E-Autos hochzufahren, setzt sicher noch einmal einen Anreiz. In Deutschland ist Tesla in diesem Jahr die meist verkaufte reine E-Auto-Marke. Dass Musk sich der Konkurrenz der deutschen Autobauer damit direkt vor die Nase setzt, dürfte für ihn eher Ansporn sein. Elon Musk liebt den Wettbewerb.

Und den will er nicht von Baden-Württemberg oder Niedersachsen  aus führen, sondern in Brandenburg. Für das Land ist das ein Lichtblick an einem trüben Novembertag. Endlich mal wieder Aussicht auf eine richtige Großansiedlung. Es zeigt, dass Wirtschaftsförderer und Politiker gute Arbeit geleistet haben. Und dass freie, bebaubare Flächen inzwischen eine nicht zu unterschätzende Ressource sind. Musks Ankündigung, die international Schlagzeilen machte, ist eine Werbung für das Land. Auch wenn in vielen englischsprachigen Nachrichten von Berlin die Rede war. Wenn Brandenburg vom Image von Berlin profitiert, ist das eine Win-Win-Situation. Kommt das Werk, haben beide Länder etwas davon. Zumal in Berlin die Arbeitslosigkeit immer noch höher liegt als in Brandenburg.

Eine Ansiedlung von Tesla dürfte Zuzug in den Speckgürtel bringen. Das bedeutet aber auch neue Herausforderungen. Die Infrastruktur rundum Berlin – besonders der Verkehr – ist schon jetzt vielerorts am Limit. Die Politik muss sich der Frage stellen: Was wird aus Ostbrandenburg. Werden die ländlichen Regionen weiter abgehängt oder können sie von Industrie rund um Berlin profitieren?

Die Lausitz hatte sich Hoffnungen auf Tesla gemacht und versucht, Elon Musk mit einer Taschenlampen-Show den Weg ins Revier zu leuchten. Hat nicht ganz geklappt. Aber fast.

leserbriefe@moz.de

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Werner Matzat 15.11.2019 - 12:20:51

Der Wahrheit wieder ein Stück näher - Mobilitätsexperte zu Deutschlandplänen von Tesla - „Elon Musk steht für Größenwahn“

Sehr geehrte Leser/Innen und Redakteure, eine kurze Zusammenfassung vom Mobilitätsexperten Wolfgang Lohbeck (13.11.2019) Das US-Unternehmen Tesla will seine Elektro-Autos in Brandenburg und Berlin entwickeln und bauen. Bei deutschen Politikern sorgt das für Freude. Für den Mobilitätsexperten Wolfgang Lohbeck ist dies indes ein Schritt in die falsche Richtung. Jubel in Berlin und Brandenburg: Elon Musk, Gründer des Elektroautokonzerns Tesla, will in Grünheide im Landkreis Oder-Spree eine „Gigafabrik“ für E-Autos und Batterien bauen. Das hat Musk am Dienstag-Abend überraschend verkündet. Es wäre die erste große Tesla-Fabrik in Europa – mit angeblich bis zu 10.000 Arbeitsplätzen. Andere erinnern an gefloppte Brandenburger Großprojekte wie den Cargolifter, die Chipfabrik oder den Lausitzring – und warnen davor, ausgerechnet einem Großsprecher wie Musk zu vertrauen, der waghalsige Pläne wie die Transportröhre Hyperloop und die Besiedlung des Mars verfolgt – und seine Aktionäre schon öfters mit wirren Äußerungen in Unruhe versetzt hat. - Für den interessierten und intelligenten Bürger ist die gesamte Analyse zur Tesla Ansiedlung, von Elon Musk, in Brandenburg unter dieser Quelle zu finden: https://www.deutschlandfunkkultur.de/mobilitaetsexperte-zu-deutschlandplaenen-von-tesla-elon.1008.de.html?dram:article_id=463378&utm_source=pocket-newtab --- Kritik übt er zudem an Tesla-Chef Musk. Dieser stehe nicht für die Zukunft der Mobilität. Stattdessen stehe er „für Größenwahn“, sagt Lohbeck. „Ich sehe Herrn Musk als eine problematische Persönlichkeit.“ Denn dieser stehe für eine „völlig falsche und fehlgeleitete Elektromobilität“. Sehr geehrte Leserinnen und Leser, nach Lesung dieses Artikels entpuppt sich die Bundesrepublik und ihre Landesregierungen doch derzeit tatsächlich weiterhin als der leistungswillige Helfershelfer für gescheiterte Großprojekte zum Nachteil der gesamten Bevölkerung und deren Lebensqualität und ist somit von zentraler Bedeutung. Ist die Wirtschaft stärker durchsetzungsfähig, weil sie mehr direkten Einfluss auf die Politik hat? Es stellt sich mir zwingend die Frage, gilt hier bei diesem "Märkisch Tesla Projekt" offenbar nicht auch nur die neoliberale Marktregel? Oder sollen auf diese Weise nur die Profite "nachhaltig", sprich "fett", bleiben auf Kosten der Beschäftigten? Wie ernst meint es die Merkel Regierung mit ihrer Klimapolitik wirklich, oder steht in Wahrheit die Bundesregierung auf der Bremse? Eigentlich alles berechtigte Fragen, werte Leser, oder etwa nicht?

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG