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9. November 1989
Rathenow: Europa-Matinee zum Mauerfall vor 30 Jahren

Amkelina Kegel erinnerte in ihrer Rede an die Ereignisse im Herbst 1989 in Rathenow.
Amkelina Kegel erinnerte in ihrer Rede an die Ereignisse im Herbst 1989 in Rathenow. © Foto: Simone Weber
Simone Weber / 14.11.2019, 11:50 Uhr
Rathenow "Zu meinem 40. Geburtstag, am 1. Oktober 1989 fassten wir im evangelischen Gemeindehaus Süd den Beschluss, dass sich in diesem Land etwas verändern müsste. 3.000 Frauen, Männer und Kinder waren zwei Tage vorher aus Prag in die Bundesrepublik ausgereist. Die DDR blutete aus und auch unsere Herzen. Wir wollten nicht mehr zuschauen", berichtete die Steckelsdorferin Irmhild Blackstein anlässlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls.

Ins Haveltorkino hatten die Freunde für Europa am 9. November zu einer besonderen Matinee eingeladen. Aus Anlass der Maueröffnung in Berlin wurde der Spielfilm "Bornholmer Straße" (2014) gezeigt, der die turbulenten Geschehnisse am Abend des 9. November 1989 darstellt, als Grenzkommandant Oberstleutnant Harald Jäger den Grenzübergang zu West-Berlin an der Bornholmer Straße öffnete.

Im Anschluss an den Film erinnerten sich Blackstein und ihre Freundinnen Amkelina Kegel und Christine Ermisch. "Am 15. Oktober versammelten sich zirka 38 mutige Leute in unserem Gemeindesaal. Amkelina verlas den Aufruf des Neuen Forums, den sie von Bärbel Bohley wenige Tage zuvor mitgebracht hatte. Eine Woche später kamen rund 250 zu unserem Friedensgebet", so Blackstein weiter. "Damit wollten wir ein friedliches Zeichen setzten. Alles geschah unter den Augen der Stasi. Aber wir hatten unsere Angst vor dem totalitären System verloren. Die Kraft dazu gab uns auch unsere christliche Erziehung."

"Am 10. August 1961 kam ich aus dem Urlaub zurück, in dem wir auch wieder unsere Familie aus dem Westen gesehen hatten. Durch den Mauerbau wenige Tage später wurden wir endgültig getrennt", erinnerte sich Amkelina Kegel etwas persönlicher. "Wir wollten 1989 eine Erneuerung unseres Landes: eine pluralistische Gesellschaft mit freier Meinungsäußerung und unabhängigen Gerichten."

Unter den Menschen, die sich im Herbst 1989 erstmals politisch engagierten, gab es auch unterschiedliche Meinungen. "Ich wollte nicht den so genannten dritten Weg. Ich wollte die Einheit", so Christine Ermisch. Damals als Betriebskrankenschwester in der Poliklinik beschäftigt, war ihr Sprechzimmer der Austauschplatz für Neuigkeiten und zur Verteilung selbst verfasster Aufrufe. "Diese turbulente Zeit war eine der aufregendsten in meinem Leben", so Ermisch weiter. "Nach der Maueröffnung kamen weniger zu den Demos. Wir freuen uns, dass wir die Einheit haben. Einen perfekten Staat gibt es nicht. Wir müssen – und können das Beste daraus machen, ihn auch verändern."

"Der Tag des Mauerfalls ist nicht nur ein wichtiger Tag für die Deutschen und ein Wendepunkt in ihrer Geschichte, sondern auch ein Tag von europäischer Tragweite", betonte Kino-Matinee-Mitorganisator Felix Doepner. "Mit der Entwicklung in vielen der früheren Ostblockstaaten fiel der Eiserne Vorhang, der Ost und West über 40 Jahre trennte, beendete die Teilung Europas und den Kalten Krieg. Damit wurde die Grundlage zur späteren EU-Erweiterung gelegt."

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