Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Versorgung
Frühere Kitaschließung: Kindeswohl im Vordergrund

Die Kita Zwergenland in der Peter-Göring-Straße: Sie war in diesem Jahr in zwei Phasen von verkürzten Öffnungszeiten betroffen.
Die Kita Zwergenland in der Peter-Göring-Straße: Sie war in diesem Jahr in zwei Phasen von verkürzten Öffnungszeiten betroffen. © Foto: Martin Stralau/MOZ
Martin Stralau / 14.11.2019, 22:15 Uhr
Strausberg (MOZ) Die Stadtverwaltung hat in einem Gespräch mit der MOZ Vorwürfe zurückgewiesen, sie hätte Eltern nicht bzw. nicht rechtzeitig über verkürzte Öffnungszeiten der Kita Zwergenland informiert. Die Kita musste in den Herbstferien anderthalb Wochen lang um 15.30 Uhr statt wie sonst um 17 Uhr (Montag bis Donnerstag) und 17.30 Uhr (Freitag) schließen, weil krankheits- und urlaubsbedingt Personal fehlte (MOZ berichtete). Der Stadtverordnete Thomas Urbach (CDU) hatte das Thema in einer Anfrage an die Stadtverordneten aufgegriffen, nachdem sich verärgerte Eltern an ihn gewandt hatten.

Aushang und Info am Telefon

"Es gab einen Aushang an der Kita, außerdem wurden die Eltern im Vorfeld telefonisch informiert und haben eine Bescheinigung für ihren Arbeitgeber bekommen, dass die verkürzten Öffnungszeiten erforderlich sind", sagt Annett Pallarz, Fachgruppenleiterin Kindertagesbetreuung. Es sei aber möglich, dass drei bis vier Eltern über diese Wege nicht erreicht wurden. Dass der Aushang erst einen Tag vor Inkrafttreten der veränderten Öffnungszeiten gemacht wurde, sei damit zu erklären, "dass es kurzfristig noch eine Krankmeldung gab". Irgendwann komme man eben an einen Punkt, an dem die Verantwortung für das Kindeswohl nicht mehr gegeben sei. "Als Träger der Kita verlassen wir uns da immer auf die Einschätzung der Kolleginnen vor Ort. Im Fall der Kita Zwergenland haben wir uns in Absprache mit dem Kitaausschuss am Bedarf der Eltern orientiert und für die verkürzte Öffnungszeit von 6 bis 15.30 Uhr entschieden, da vor allem morgens viele Kinder da sind", sagt Annett Pallarz.

Die verkürzte Öffnung ist eine der Maßnahmen des vor anderthalb Jahren erarbeiteten Notfallplans bei Personalausfall in städtischen Kitas. In den Einrichtungen versuche die Belegschaft aber permanent zu verhindern, dass der Plan in Kraft gesetzt werden muss, wenn erkannt wird, dass es eine Notsituation geben könnte. "Da machen die Kolleginnen dann über lange Zeiträume Mehrarbeit und verzichten auf Urlaube", nennt Annett Pallarz Beispiele. Außerdem seien alle Kitas bereit, sich gegenseitig mit Personal auszuhelfen. Auch Eltern, die ihre Kinder mal früher abholen oder ganz zu Hause lassen, würden helfen, kritische Situationen abzumildern, ebenso wie Großeltern, die ehrenamtlich in der Kita als Unterstützung helfen. Die Herbstferien mitgerechnet, habe es in der Kita Zwergenland in diesem Jahr zum zweiten Mal verkürzte Öffnungszeiten gegeben plus eine Woche Schließzeit für den Umzug. "Das war aber lange vorher bekannt", sagt Annett Pallarz. Auch die Kita Wirbelwind habe dieses Jahr in zwei Phasen mit verkürzten Öffnungszeiten arbeiten müssen. "Andere Kitas waren nicht betroffen."

Nach Kenntnis von Daniel Krebs, Kitaausschuss-Vorsitzender der Kita Wirbelwind, sei dort 2019 vier- und nicht zweimal der Notfallplan mit verkürzter Öffnung ausgelöst worden. Die Personalsituation in dieser Kita bezeichnet er als "ungenügend".  Als Vater, Vorsitzender des Kitaausschusses und Stadtverordneter mache er sich "berechtigte Sorgen" und wolle das Thema in der nächsten Stadtverordnetenversammlung auf die Agenda bringen, sagte er der MOZ.

Annett Pallarz hat festgestellt, dass viele Eltern verständnisvoll mit der Personalsituation in den Kitas umgehen. "Sie sehen unsere Bemühungen und gehen nicht davon aus, dass wir sie ärgern wollen." Zumal gerade die Erzieherinnen zum Wohle der Kinder und Eltern "immer zurückstecken". Drei Wochen Urlaub am Stück seien eine Seltenheit, denn im Vergleich mit anderen Städten habe Strausberg sehr wenige Schließzeiten. Gerade in diesen wären längere Urlaube möglich. "Viele der Erzieherinnen sind selbst Mütter, haben schulpflichtige Kinder. Gerade für sie ist es schade. Wir überlegen daher, die Schließzeiten auszuweiten."

Dass sich die Personalsituation über die Jahre verschärft habe, liege nicht daran, dass Stellen nicht besetzt seien, sagt Annett Pallarz. Das habe vor allem mit der deutlichen Verjüngung der Belegschaft durch viele Neueinstellungen zu tun. So hätten gerade Erzieherinnen, die frisch in der Kita sind, eine höhere Anfälligkeit für Infektionskrankheiten. "Sie müssen sich erst daran gewöhnen." Hinzu kommen zum Beispiel Beschäftigungsverbote in Schwangerschaften.

Struktur der städtischen Horte und Kitas

In den drei Horten und fünf Kitas in Trägerschaft der Stadt betreuen 157 Erzieherinnen 1250 Kinder im Alter von 0 bis zwölf Jahren. Einen Anspruch auf Rückerstattung von Elternbeiträgen gibt es bei verkürzten Öffnungszeiten nicht. Laut städtischer Betreuung­s-­sa­tzung bleibt die Höhe der Gebührenpflicht unberührt, "auch wenn aufgrund personeller Notsituationen, Streik, Havarien oder widriger Witterungsverhältnisse keine vollständige Betreuung erfolgen kann".⇥mst

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG