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Die Baumaßnahmen zur touristischen Nutzung der Greiffenberger Burg werden deutlich teurer. Die Stadt Angermünde erhöht ihre Eigenanteile.

Baukostenchaos
Sanierungskosten für Burgruine explodieren

Aus der Vogelperspektive: Die Burgruine Greiffenberg in der Gemarkung Günterberg wird gegenwärtig restauriert und soll touristisch als Ort der Geschichte und Kultur nutzbar gemacht werden.
Aus der Vogelperspektive: Die Burgruine Greiffenberg in der Gemarkung Günterberg wird gegenwärtig restauriert und soll touristisch als Ort der Geschichte und Kultur nutzbar gemacht werden. © Foto: Oliver Voigt
Daniela Windolff / 15.11.2019, 06:45 Uhr
Angermünde (MOZ) Konzerte, Theater, Führungen, Burg- und Mittelalterfeste vor der historischen Kulisse einer mittelalterlichen Burgruine, das könnte ein neuer touristischer Anziehungspunkt für Greiffenberg und Angermünde werden. Schon vor 15 Jahren hatte sich der ehrenamtliche Förderverein Denkmalpflege Günterberg auf den Weg gemacht, um das vergessene Kleinod aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, als Geschichtsdenkmal zu erhalten und touristisch zu nutzen. Nach vielen Kämpfen durch das Dornendickicht der Förder-Bürokratie wurden inzwischen mit der Stadt Angermünde im Bunde die ersten Schritte zum Ziel gemeistert.

Teure archäologische Grabungen

Bereits 2008 wurde das erste Konzept in Abstimmung mit der Denkmalpflege erstellt und in den Folgejahren die zugewucherte Burgruine gesichert und freigelegt, später die Zuwegung befahrbar gemacht und das Gelände unter archäologischer Begleitung terrassiert. 2018 erfolgte dazu der erste Spatenstich mit Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger. Nebengebäude für Sanitäranlagen und Technik sind im Bau.

Doch nun stellen sich neue, unerwartete Hürden in den Weg. Die Baukosten explodieren und übersteigen die geplanten und bereits bewilligten Mittel schmerzlich. Bisher ging man von insgesamt 893 000 Euro Gesamtkosten für diese Maßnahme aus. Auf dieser Grundlage wurden die Fördermittel in Höhe von 75 Prozent, also 662 000 Euro, bewilligt und die kommunalen Eigenmittel in Höhe von 231 000 Euro im Stadthaushalt bereitgestellt.

Doch im Laufe der Zeit sind durch die angespannte Lage im Bausektor die Preise für Bauleistungen und Material enorm gestiegen. "Im Ergebnis der Ausschreibung der Maurerarbeiten zeigt sich, dass die Kosten weit über dem zur Verfügung stehenden Budget liegen. Vor allem die archäologischen Bauforschungen sowie die Sanierung der Mauerteile und der Mauerkrone unter Berücksichtigung der Auflagen des Denkmalschutzes verteuern das Projekt erheblich", bestätigt die Angermünder Bauamtschefin Susanne Tahineh.

Eine Auflage des Denkmalschutzes ist zum Beispiel, die Reste der freigelegten Nordgebäude zu sanieren. Sie sollten ursprünglich aus Kostengründen nur verfüllt werden. Die Entdeckung eines historischen Kellers unter der geplanten Bühne macht es nun erforderlich, sie auf einem verzinkten Stahlträgerrost zu gründen, was ebenfalls ungeplante Mehrkosten verursacht. Und auch bei den noch auszuschreibenden Leistungen wie Metallbau, Tischlergewerk und Landschaftsgestaltung wird angesichts der konjunkturellen Preissteigerungen mit einer Verteuerung gerechnet, sodass die Kosten für die Gesamtmaßnahme um insgesamt 332 692 Euro auf nunmehr über 1,2 Millionen Euro steigen.

Zusätzliche Förderung beantragt

Doch auf halbem Wege aufgeben wollen weder die Stadt noch der engagierte Förderverein, der schon so viel Kraft und Herzblut in dieses Jahrhundertprojekt investiert hatte. Dafür seien die Bauarbeiten schon zu weit fortgeschritten und passe das Projekt vorzüglich in das Angermünder Konzept "Kultur in der Landschaft". Doch um die Mehrkosten finanzieren zu können, muss die Förderung aufgestockt werden. Die Stadt beantragte deshalb beim Regionalmanagement der LAG Uckermark zusätzliche Fördermittel von 249 510 Euro. Voraussetzung für zusätzliche Zuwendungen ist die finanzielle Beteiligung der Stadt. Deshalb beschlossen die Stadtverordneten einstimmig, ihren 25-prozentigen Eigenanteil dann ebenfalls um 83 173 Euro aufzustocken, um damit die Kapitallücke schließen zu können. Die LAG entscheidet Anfang Dezember darüber.

Geschichte

Direkt an der alten Handelsstraße zwischen Prenzlau und Angermünde entstand vermutlich zwischen 1230 und 1250 die nach dem Wappenbild der Pommernherzöge benannte Burg Greiffenberg. Durch die zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen um die Uckermark im Mittelalter wurde die Burg immer wieder erweitert und ausgebaut. 1446 wurde die Anlage an die Reichsadelsfamilie von Sparr übertragen. Nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg ließen die von Sparrs die Burg nicht wieder aufbauen. Im 19. Jahrhundert gelangte das Gelände in Besitz der Grafen Redern aus Görlsdorf. Sie errichteten zu Füßen der Burgruine ihre Gutsverwaltung. 1945 fiel die Burg in das Eigentum der Gemeinde Günterberg, heute ist sie Eigentum der Stadt Angermünde. (Quelle: Denkmalpflege Günterberg).

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