Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Geplante Ausbaumaßnahme
Diskussion um Rad- und Gehwege in der Friedrich-Engels-Allee

Diese Bäume in der Friedrich-Engels-Allee in Falkensee müssten einem Bürgersteig-Neubau weichen. Naturschützer haben bereits ihren Protest deutlich gemacht.
Diese Bäume in der Friedrich-Engels-Allee in Falkensee müssten einem Bürgersteig-Neubau weichen. Naturschützer haben bereits ihren Protest deutlich gemacht. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 15.11.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 20.11.2019, 11:20
Falkensee Im nächsten Jahr sollen in der Friedrich-Engels-Allee in Falkensee eine neue Straßenbeleuchtung, ein Gehweg und Möglichkeiten für eine sichere Nutzung der Straße für Radfahrer gebaut werden. Dank des Einsatzes zweier Männer, die für eine Informationsveranstaltung mit Verantwortlichen der Stadt eingetreten waren, fanden sich rund 100 Teilnehmer am Dienstag in die Stadthalle ein und diskutierten das Ausbauvorhaben.

Im Juli erhielt Anwohner Rainer Schölzke ein Schreiben des ausführenden Planungsbüros. Mit dem Brief erfuhr er, dass diese Baumaßnahme für 2020 anstehe und er bis Mitte August Zeit habe, seine Wünsche zum Bauprojekt anzugeben. Einigermaßen erstaunt wandte Schölzke sich zunächst an seinen Nachbar, Jean-Jacques Banau, denn ihm selbst war bisher nichts von einer geplanten Baumaßnahme vor seiner Tür zu Ohren gekommen. Doch auch Banau wusste nicht mehr, auch er hatte nur das Schreiben des Planungsbüros erhalten. Die Männer telefonierten und schrieben E-Mails, denn sie hatten einige Fragen zur Baumaßnahme.

So war Schölzke nicht mit der Fällung von 15 Bäumen einverstanden. Banau plagte indes eine ganz andere Sorge. Vor rund vier Jahren hatte er sich eine sogenannte regelrechte Auffahrt zu seinem Grundstück bauen lassen. 4.000 Euro hat diese ihn gekostet, erzählt Banau. Wenn nun Geh- und Radweg auf der Friedrich-Engels-Allee gebaut werden, muss er dann noch einmal für seine Einfahrt in die Tasche greifen?

Warum die Bürger nicht schon früher über die anstehenden Bauarbeiten informiert wurden, lässt sich im Nachgang kaum noch sagen. Bauamtsleiter Jens Grothe spricht von circa 160 Briefen, die am 20. Februar verschickt worden wären. Warum einzelne Anwohner die Schreiben nicht bekommen haben, sei nicht zu erklären, sagt Grothe weiter. In dem Schreiben des Planungsbüros waren die Anwohner aufgefordert worden, ihre Statements abzugeben. Grothe spricht von einer relativ kleinen Baumaßnahme. Man sei davon ausgegangen, das dies reiche.

Auf der Prioritätenliste zum Geh- und Radwegebau der Stadt Falkensee steht die Friedrich-Engels-Allee weit oben, auf Position zwei. Für die Baumaßnahme hatte es verschiedene Varianten gegeben. Die Stadtverordneten hatten sich für die erneuerte Ausgabe der Variante 0 entschieden. Bei allen Varianten bleibt die Fahrbahndecke unberührt. Mit der sogenannten "Variante 0 neu", ist ein 3 Meter breiter Gehweg auf der Südseite geplant und auf der Nordseite ein Angebotsstreifen für Radfahrende auf der Fahrbahn. Dazu kommt die Erneuerung der Straßenbeleuchtung. Da das Ausbaubeitragsrecht vor wenigen Monaten erst abgeschafft wurde, werden die Anlieger für Beleuchtung und den Bau des Gehweges nicht zur Kasse gebeten. Was die Überfahrten an den Grundstückszufahrten angeht, kommt es tatsächlich auf den Einzelfall an.

Was für die Zufahrt zum Grundstück bezahlt werden muss, hängt vom Ist-Zustand der Auffahrt ab, Wer wie Jean-Jacques Banau eine regelgerecht hergestellte Zufahrt sein Eigen nennt, bei dem wird auf 3 Meter Breite das Pflaster ausgetauscht. Kosten entstehen ihm dafür nicht. Müssen außerdem andere Arbeiten erledigt werden, beispielsweise am Unterbau, wird der Anlieger zur Kasse gebeten.

Was nun die Bäume angeht, die "Variante 0 neu" ist in der Tat die Möglichkeit, bei der die meisten Bäume stehen bleiben würden. In allen anderen Planungsmodellen würden sehr viel mehr Bäume fallen. Bereits in den letzten Wochen haben Baumschützer die betroffenen Bäume in der Allee gekennzeichnet und ihren Protest damit ausgedrückt. Ob die zwei dickeren Eichen zu retten sind, wird man erst sagen können, wenn die Wurzel und deren Verlauf im Rahmen der Baumaßnahme untersucht werden, sagt Baudezernent Thomas Zylla. Zylla erwähnt auch, dass es den Stadtverordneten bei der Auswahl der Variante wichtig war, möglichst wenig grün zu opfern.

In der anschließenden Diskussion wird deutlich, dass es viele Menschen gibt, die sich für den Erhalt der Bäume aussprechen und es gibt viele, denen das Stadtgrün weniger oder gar nicht wichtig ist. Im Grunde wird die gesamte vorgestellte "Variante 0 neu" von den Teilnehmern der Info-Veranstaltung in Frage gestellt. Mehrmals kommt die Kritik, die Stadt habe die Bürger hier nicht mitgenommen, plane, ohne das Gespräch mit ihnen zu suchen.

Es wird aber noch etwas deutlich. Die Wahrnehmung der Menschen ist zuweilen sehr verschieden. So stellen einige der Anwohner die erhobenen Zahlen zu Fußgängern und Radfahrern in Frage und schätzen deren Anzahl als deutlich geringer ein. Verbunden mit der Frage, ob es den Angebotssteifen für die Radfahrer braucht und sich Radelnde und Laufende nicht einen Weg teilen können, befürchten andere Unfälle zwischen Fußgängern und Radfahrern. Es werden Einschränkungen im Verkehrsfluss befürchtet, unter anderem auch, weil dann nur noch einseitig geparkt werde könnte. Und bereits jetzt, sagt eine Anwohnerin, gebe es auf der Allee zeitweise "unsägliche" Staus.

Andere Sorgen gehen in die quasi entgegengesetzte Richtung. Ob die breite Fahrbahn dann zur "Rennstrecke" werde, fragt ein Anwohner. Bedenken gibt es zur Frage des Standortes der Beleuchtung, dem Abfluss des Wassers und eine Anwohnerin möchte wissen, wohin sie im Winter mit dem Schnee soll. Wurde an Leerrohre für Medien gedacht? Zylla verspricht alle Bedenken, Anregungen und Statements in der Stadtverordnetenversammlung zu thematisieren. Vom Termin 2020 möchte er nicht abrücken.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG