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Eine Million Euro zu wenig
Realitätsferne Prognosen der Einwohnerzahl ärgern Bernd Lück

An dieser Stelle könnte auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik eine Marina entstehen. Die denkmalgeschützten Gebäude werden mit der Entstehung des neuen Ketziner Stadtteils für neue Nutzungen, wie beispielsweise eine Veranstaltungshalle, umgestaltet.
An dieser Stelle könnte auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik eine Marina entstehen. Die denkmalgeschützten Gebäude werden mit der Entstehung des neuen Ketziner Stadtteils für neue Nutzungen, wie beispielsweise eine Veranstaltungshalle, umgestaltet. © Foto: Wolfgang Balzer
Wolfgang Balzer / 15.11.2019, 15:00 Uhr
Ketzin/Havel Die aktuelle Prognose des Landes Brandenburg vom Oktober besagt, dass die Stadt Ketzin/Havel im Jahre 2030 statt derzeitig 6.621 nur noch rund 5.980 Einwohner haben wird. "Seit Jahren ärgere ich mich über die realitätsfernen Prognosen", reagierte Bürgermeister Bernd Lück (FDP) verärgert über die kürzlich veröffentlichten Zahlen. So hätte nach der Prognose von 2005 die Stadt heute fast 1.000 Einwohner weniger haben dürfen, als es tatsächlich sind und nach den amtlichen Voraussagen von 2017 wären es heute nur etwas mehr als 6.000.

Ärgerlich deshalb, weil vom Land nach diesen Prognosen, und zwar jeweils nach der zwei Jahre zurück prognostizierten Einwohnerzahl, die so genannten finanziellen Schlüsselzuweisungen zugeteilt werden. Im Durchschnitt der letzten Jahre waren das 45.000 Euro je 100 Einwohner. Lück dazu: "Seit Jahren weise ich den Landkreis und das Land auf diese unrealistische Situation hin." Nach vorsichtigen Schätzungen der Stadt wird Ketzin/Havel im Jahre 2030 mit den neuen Wohngebieten "Baumschulwiese" und "Zuckerfabrik" etwa 1.000 Einwohner mehr haben. Nach der aktuellen Prognose würde dagegen die Einwohnerzahl um rund 840 sinken. Eine Differenz von mehr als 1.800 Ketzinern.

So erfreulich der Einwohnerzuwachs erscheinen mag, stellt er die Stadt vor noch nicht vollständig absehbare infrastrukturelle Probleme. Beispielsweise sind die Kindertagesstätten und die Schulen schon heute ausgelastet, auch die Einrichtungen für Senioren lassen Wünsche offen. Dazu kommen die Verkehrsprobleme. Die Stadt hat begonnen, gegenzusteuern.

Alle diese Auswirkungen des Einwohnerzuwachses werden gegenwärtig in einem bereits in Erarbeitung befindlichen Stadtentwicklungskonzept ebenso berücksichtigt wie in dem in Vorbereitung befindlichen Bebauungsplan für den neuen Stadtteil "Zuckerfabrik". Nach Lücks Worten müssen die Problematiken Kitas, Schulen und Senioreneinrichtungen Gegenstand beider Dokumente sein. Einzelheiten seien später auch in einem städtebaulichen Vertrag mit dem Investor für das Gelände "Zuckerfabrik" festzulegen, versicherte er

Ein weiteres Ärgernis sind für den Bürgermeister die negativen finanziellen Folgen der im Jahre 2010 erfolgten Neueinstufung der Brandenburgischen Kommunen. Damals wurde der Stadt die Einstufung als Grundzentrum (heute Grundfunktionaler Schwerpunkt) aberkannt, obwohl Ketzin/Havel damals wie heute die Voraussetzungen, beispielsweise was Schulen, Kitas, ärztliche Versorgung, Apotheke und Versorgungseinrichtungen betrifft, erfüllt. Nach Berechnungen der Stadt sind dadurch seit 2010 rund eine Million Euro für die infrastrukturellen Belange, auch der sozialen, verloren gegangen.

Bisher hatten Städte wie Ketzin/Havel unter 10.000 Einwohner in der Regionalen Planungsgemeinschaft Berlin-Brandenburg kein Stimmrecht. Die Grenze wurde kürzlich auf 5.000 herabgesetzt, so dass künftig Ketzin/Havel eine Stimme hat (Potsdam beispielsweise drei). Lück wurde auf der konstituierenden Sitzung mit 49 von 55 Stimmen in den Vorstand gewählt. Nunmehr ist die Region mit Landrat Roger Lewandowski (CDU), Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme (CDU), Beetzsee Amtsdirektor Guido Müller (FDP) und Bürgermeister Bernd Lück mit vier Stimmen im achtköpfigen Vorstand der Planungsgemeinschaft Berlin-Brandenburg vertreten.

"Damit können wir auf den Inhalt des in Arbeit befindlichen neuen Regionalplanes besser Einfluss nehmen. Beispielsweise auf die Ausweisung von Windeignungsgebieten für Windenergieanlagen, Flächen für die Photovoltaik", sagte Lück. Ein anderes wichtiges Thema ist für Ketzin/Havel und andere Orte in vergleichbarer Situation die Einstufung wieder als Grundfunktionaler Schwerpunkt. Wie Lück informierte, habe er mit den Vertretern dieser Orte dafür gestimmt und durchsetzen können, dass die Regionale Planungsgemeinschaft die Voraussetzungen für diese Einstufung prüft, und das als Nummer eins auf der Prioritätenliste.

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