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Eltern, Großeltern, Bibliothekarinnen, Redakteure, Bürgermeister und Autoren lesen freiwillig für Angermünder Schüler vor.

Vorlesetag
Geschichten vom Anderssein und Mutmachen

Daniela Windolff / 16.11.2019, 06:30 Uhr
Angermünde (MOZ) Die kleine Nachteule Mila will endlich auch mal die Sonnentiere kennenlernen und begegnet bei ihrem Ausflug in den Tag nicht nur vielen Abenteuern, sondern auch der Schnecke, die so gern schnell sein und Fangen spielen möchte, dem Kohlweißling, der sich bunte Farben für die Flügel wünscht, um sich nicht mehr als Außenseiter zu fühlen, dem Fuchs, der durch die sich veränderte Umwelt vom Mond- zum Sonnentier wurde und sich irgendwie ganz fremd fühlt, und dem Maulwurf, der gar keinen Unterschied macht zwischen Tag und Nacht, hell und dunkel, schwarz und weiß, Tag- und Nachttieren und der sich wundert, warum die einen von den anderen nichts wissen und trotzdem Angst voreinander haben. Davon erzählt die Geschichte, die die Angermünder Schriftstellerin Kena Hüsers aus ihrem bisher einzigen Kinderbuch in der Angermünder Puschkinschule vorlas und ihre kleinen Zuhörer in den Bann zog.

Kena Hüsers ist nur eine von dutzenden Freiwilligen, die am bundesweiten Vorlesetag in Grundschulen und Kitas zu Gast waren, um Kindern den Zauber des Lesens und die Vielfalt der Bücher näherzubringen. Autoren der Uckermärkischen Literaturgesellschaft gehörten ebenso dazu, wie MOZ-Redakteure, Bibliothekarinnen, Großeltern und Eltern. Sie alle ließen Kinder in Sprache baden. Dafür hatten sie ihre eigenen Lieblingsgeschichten mitgebracht. Marlies Markgraf-Beise las zum Beispiel aus Falladas "Geschichten aus der Murkelei", die auch ihre Enkel gerne hören. "Ich lese unheimlich gern vor. Es gibt so viele wunderschöne Bücher für Kinder und ich komme jederzeit gern wieder", versichert die Vorsitzende der Uckermärkischen Literaturgesellschaft. Gabi Bäsler, selbst Oma, wählte Sachgeschichten vom menschlichen Körper aus. Die Vielfalt der Ohrenkost reichte von Geschichten über die Feuerwehr bis zu klassischen Märchen.

"Für unsere Schüler ist es eine neue Erfahrung, dass nicht Lehrer lesen, sondern dass Leute von außen mit unterschiedlichsten Erfahrungen in die Schule kommen, um mit ihnen Zeit zu verbringen, vorzulesen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Wir wollen unsere Schule öffnen", erklärt Cornelia Promehl, Schulleiterin der Angermünder Grundschule "Gustav Bruhn", die sich zum zweiten Mal am bundesweiten Vorlesetag beteiligt. "Lesen ist eine Schlüsselkompetenz und beim Vorlesen lernen die Kinder Sprachvorbilder kennen, erfahren, wie es sich anhört, wenn man gut lesen kann und können mit ihrer Fantasie auf Reisen gehen, ohne nur fertige Fernsehbilder zu konsumieren", erzählt die Pädagogin. Sie hätte gern in allen Klassen Vorleseangebote gemacht, doch dafür fanden sich leider nicht genug Freiwillige. "Vielleicht im nächsten Jahr", hofft Cornelia Promehl. So kamen nur die Kleinen der 1. und 2. Klassen in den Genuss einer gemütlichen Vorlesestunde auf Teppichen, Kuschelkissen oder im Stuhlkreis.

Mehr Freiwillige benötigt

Doch vorgelesen wurde nicht nur in Kitas und Schulen. Am Nachmittag las Angermündes Bürgermeister Frederik Bewer im Frauen- und Mädchentreff im Aha-Projekthaus, wo auch Kinder aus dem Hort am Mündesee den Vorlesetag erlebten. "Ich finde das eine ganz tolle Aktion. Kinder sind unsere Zukunft. Ihnen beim Vorlesen ganz persönlich Zeit und Zuwendung zu schenken, kann kein Fernseher oder Computer ersetzen. Und außerdem ist es für mich eine wundervolle Abwechslung zum Arbeitsalltag im Rathaus", schmunzelt Frederik Bewer. Er hat Mutproben-Geschichten aus dem Buch "Spring doch! Sagt die Hexe" mitgebracht. Da konnten die Kinder zum Abschluss tatsächlich kleine Mutproben bestehen. Und damit der Vorlesetag keine Eintagsfliege bleibt, wird am 21. November um 16 Uhr zur Lesestunde in die Stadtbibliothek eingeladen.

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