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976-Euro-Abenteuer
Ein Knopf gegen die Kälte

Roland Becker fährt S-Bahn. Und er schreibt darüber.
Roland Becker fährt S-Bahn. Und er schreibt darüber. © Foto: Sarah Wessel
Roland Becker / 16.11.2019, 10:00 Uhr
Hennigsdorf (HGA) Geht es auf den Winter zu, setzt in meinem Freundeskreis das Schimpfen ein. Dunkelheit, Nebel und Frost: Da sinkt die Laune. Ich wage dann kaum, mein Stimmchen zu einem "Ja, aber ..." zu erheben. Freue ich mich doch nach wie vor wie ein Kind auf den ersten Schnee. Naja, die vergangenen Winter hatten nicht viel damit am Hut, mir eine Freude zu machen. Und atlantische Tiefausläufer mit nasskaltem Wetter im Gepäck lassen auch mein Herz gefrieren.

Wenn ich bei drei, vier Grad über Null durch die Gegend laufen muss, sehne ich mich nach einem warmen Ort. Ein solcher könnte, in gewissen Grenzen, die S-Bahn sein. Funktionieren deren Heizungen, macht so eine kuschelig-warme Fahrt durchaus Freude. Besser gesagt, sie könnte Spaß machen. Wären da nicht die S-Bahn-Türen.

Egal, ob in Hennigsdorf oder in Oranienburg: Nach der Ankunft steht die Bahn eine Ewigkeit he­rum. Die ausgestiegenen Fahrgäste hinterlassen nur eine kühler und kälter werdende Erinnerung: offene S-Bahn-Türen. Und kein Zugführer kommt auf die Idee, auf den Knopf, der die Türen schließt, zu drücken. Wäre ich gut in Mathematik, würde ich ausrechnen, wie viel Wärme dadurch verpulvert wird, und das Ergebnis dieser Rechnung dem S-Bahn-Chef schicken. Ich bezweifele jedoch, dass der Herr Buchner gleich alles in Bewegung setzt, was ich für nötig hielte.

Da bleibt nur ein Weg: Selbst ist der Mann! Nach dem Einsteigen einfach zweimal auf den Schließknopf gedrückt (einmaliges Drücken funktioniert erstaunlicherweise nicht), und schon wird die kalte Luft ausgeschlossen. Doch kaum sitze ich, kitzelt schon wieder die Winterkälte an meinem Hals. Da ist doch schon wieder so ein abgehärteter Mitreisender eingestiegen, der offensichtlich gern in einem Tiefkühl-wagen sein Ziel erreicht.

Um nochmals auf die Mathematik zurückzukommen: Ich könnte eine Statistik erstellen, wie viele Fahrgäste nach dem Einsteigen die Tür einfach offen stehen lassen. Gefühlt sind es sehr viele. Allerdings habe ich lokale Unterschiede festgestellt. Die Hennigsdorfer scheinen wärmebedürftiger und rücksichtsvoller zu sein. Ich muss am Endbahnhof der S 25 wesentlich seltener aufstehen, um das zu erledigen, was andere vergaßen. In der Oranienburger S-Bahn habe ich das schon fast aufgegeben. Ich würde kaum zum Sitzen kommen. Sorry, liebe Oranienburger: Aber Sie sind in dieser Hinsicht schlechter erzogen. Die beste Lösung wäre noch immer eine Durchsage: "Liebe Fahrgäste, Vorsicht an den Türen! Ich schließe diese jetzt! Damit Sie mir nicht erfrieren!"

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