Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Erinnern
Neue Möglichkeiten zur Präsentation

Präsentation: Sammlungsleiterin Agnes Ohm zeigt Björn Lüttmann (l.), Carsten Schneider (r.) und Stiftungsdirektor Axel Drecoll (2.v.r.) Akten und Häftlingskleidung, die im Depot der Gedenkstätte Sachsenhausen lagern.
Präsentation: Sammlungsleiterin Agnes Ohm zeigt Björn Lüttmann (l.), Carsten Schneider (r.) und Stiftungsdirektor Axel Drecoll (2.v.r.) Akten und Häftlingskleidung, die im Depot der Gedenkstätte Sachsenhausen lagern. © Foto: Klaus D. Grote
Klaus D. Grote / 16.11.2019, 11:30 Uhr
Oranienburg (MOZ) Die Gedenkstätte Sachsenhausen erhält für ein Digitalisierungsprojekt des Archivs bis zu 1,2 Millionen Euro vom Bund. Das hat der Haushaltsausschuss des Bundestages am Donnerstag beschlossen. Damit wird der Weg frei zur Digitalisierung von insgesamt 100 000 Objekten, die im Archiv und im Depot der Gedenkstätte lagern.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Björn Lüttmann freute sich über die Entscheidung. Er werde sich nun dafür einsetzen, dass die notwendige Ko-Finanzierung des Landes in gleicher Höhe ebenfalls bewilligt werde. Lüttmann hatte sich zusammen mit seinem Erfurter Parteikollegen Carsten Schneider, dem Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, für die Förderung eingesetzt. Das Projekt zur Digitalisierung der Archivbestände soll zusammen mit den Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora umgesetzt werden. Lüttmann und Schneider hatten sich im August gemeinsam über das Projekt in Oranienburg informiert.

Brandenburgs Bevollmächtigter beim Bund, Thomas Krailinski, begrüßte den Beschluss des Haushaltsausschusses. "Wenn Zeitzeugen nicht mehr authentisch berichten können, müssen wir umso stärker die Archive modernisieren und digitalisieren und sie für immer mehr Menschen zugänglich machen", sagte Krailinski. Mit dem Digitalisierungsvorhaben könnten die drei Gedenkstätten Maßstäbe setzen und damit Vorbild für andere Einrichtungen werden. Zugleich müssten neue Wege bei der Besucherbetreuung gegangen und dabei die modernen, digitalen Möglichkeiten genutzt werden, forderte Krailinski.

Akten, Fotos, Tonaufnahmen, aber auch Artefakte wie Häftlingskleidung, von Häftlingen angefertigte Gegenstände und weitere Dinge aus den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück sollen digitalisiert werden. Damit kann auch eine Online-Präsentation für Forschung und Besucher ermöglicht werden. Dafür sollen auch 3-D-Scanns entstehen.

Erst seit 2006 werden Objekte der Gedenkstätte Sachsenhausen digital erfasst. Nur ein Zehntel sei überhaupt digitalisiert, sagt Sammlungsleiterin Agnes Ohm. Neben historischen Akten und Fotos werden die Sammlungen auch regelmäßig durch Nachlässe ergänzt. Zum Bestand gehören unter anderem 430 laufende Meter Akten, 30 000 Artefakte, 65 000 Fotos und Negative, 5 000 Foto- und Videoaufnahmen und 800 Interviews mit Zeitzeugen. Den Opfern könne durch die Digitalisierung ein Gesicht gegeben werden, sagte Stiftungsdirektor Axel Drecoll. Er wies aber auch darauf hin, dass es für viele weitere Bereiche der Gedenkstätte einen Förderbedarf gebe.

Erinnerungsort für KZ Oranienburg geplant

Am Ort des früheren KZ Oranienburg in der Berliner Straße, dem ersten Konzentrationslager in Preußen, soll ein neuer Gedenkort entstehen, der der Geschichte angemessen sei. Dafür setzen sich SPD, Linke und Grüne in der Stadtverordnetenversammlung ein.

Die dort angebrachte Gedenktafel reiche für die Erinnerung nicht aus, sagte der  Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete Björn Lüttmann (SPD). Die Gedenkstätte Sachsenhausen solle sich an einer Neugestaltung beteiligen. Doch dabei gehe es immer auch um Geld und Personal.

Die Neugestaltung soll im Zusammenhang mit dem Bau des Wohnheims für Polizeischüler erfolgen. An der Stelle der früheren Polizeiinspektion werden in einem ersten Abschnitt elf Millionen Euro investiert. In weiteren Bauabschnitten sollen noch 20 Millionen Euro verbaut werden.

Für die Gestaltung des Gedenkortes könnten vielleicht auch Förderungen des Landes und des Bundes beantragt werden, sagte Lüttmann. Wichtig sei, dass die Stadt dies auch wolle.

Björn Lüttmann zeigte sich enttäuscht, dass Michael Ney (CDU) zusammen mit Daniel Langhoff (FDP) und der AfD im Bauausschuss am Mittwochabend gegen die Neugestaltung stimmten.

Das KZ wurde am 21. März 1933, dem "Tag von Potsdam", an dem die konservativen Eliten Deutschlands Hitler huldigten, auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei eingerichtet. Die Nationalsozialisten inhaftierten dort vor allem ihre politischen und intellektuellen Gegner. Filmaufnahmen der Wochenschau über das KZ Oranienburg wurden in Kinos gezeigt.

Bis zur Auflösung im Juli 1934 waren im KZ Oranienburg insgesamt 3 000 Menschen inhaftiert. Das KZ Sachsenhausen wurde während der Olympischen Spiele in Berlin 1936 eröffnet.⇥kd

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG