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Vorsorge für Jahrhundert-Hochwasser
MLUL Brandenburg - Flächen für Wasser aus dem Havelländischen Hauptkanal

Überschwemmungsgebiete für ein mögliches Jahrhunderthochwasser am Großen Havelländischen Hauptkanal, hier ein Foto entstanden bei Nauen, werden derzeit festgelegt.
Überschwemmungsgebiete für ein mögliches Jahrhunderthochwasser am Großen Havelländischen Hauptkanal, hier ein Foto entstanden bei Nauen, werden derzeit festgelegt. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 17.11.2019, 11:00 Uhr - Aktualisiert 18.11.2019, 12:06
Nauen (BRAWO) In Nauen informierten Vertreter des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft (MLUL) und Vertreter des Landesamtes Umwelt (LFU) kürzlich über die geplante Festlegung von Überschwemmungsflächen des Großen Havelländischen Hauptkanals.

Das Land Brandenburg ist verpflichtet, solche Gebiete auszuweisen. Genau genommen hätte dies schon 2013 abgeschlossen sein sollen. Brandenburg ist hier aber nicht das einzige säumige Bundesland. Geplant wird für ein Ereignis, wie es, rein statistisch, alle hundert Jahre einmal eintritt. Das ist dann der erste Punkt, der viele Fragen aufwirft. Wie viel Regen ist damit gemeint? Was muss geschehen, damit man von einem Jahrhunderthochwasser ausgehen kann? 2017 war ein sehr regenreiches Jahr, das vielen noch in Erinnerung sein dürfte. Doch nach Aussage der Experten ist dies nichts gegen das, wofür man mit diesen Plänen gewappnet sein möchte. Es geht um Wassermengen, die der Brandenburger so nicht kennt.

Das klingt abstrakt und die Besitzer von Grundstücken, deren Grund und Boden in diesen Überschwemmungsgebieten liegt, wüssten es gern genauer. Doch hier können die Verantwortlichen vom MLUL und Landesamt Umwelt keine Regenmengen, keine konkreten Zahlen nennen. Eben weil es so selten ist, dass so viel Regen fällt, ein Ereignis, das nicht unbedingt in die durchschnittliche Lebensspanne eines Menschen fällt. Nun leben Menschen inzwischen länger und das Klima ändert sich spürbar. Durchaus möglich, dass sich die Frage noch selbst beantwortet.

Der zweite Punkt, der für Unruhe sorgt, ist die Festlegung besagter Überschwemmungsflächen. Denn hier geht es keinesfalls darum, das anfallende Wasser auf diese Flächen abzuleiten oder diese Flächen mittels Pumpen zu fluten. Es geht darum, wohin das Wasser natürlicherweise voraussichtlich laufen würde. Wasser suche sich seinen Weg, so heißt es. Und so haben die zuständigen Experten Daten gesammelt und damit einen Computer gefüttert, der am Ende zu einem Ergebnis kam. Das Wasser aus dem großen Havelländischen Hauptkanal würde in den Landkreisen Havelland und Ostprignitz-Ruppin für Probleme sorgen. Besonders betroffen wären die Gemeinden Nauen, Friesack, Nennhausen, Brieselang, Fehrbellin und Wustermark.

Grunddaten für die Berechnungen sind: Niederschlag, Wasserstand und Abfluss, die Höhen und Senken im Gelände, Deiche, Wehre, Rückhaltebecken und Durchlässe. Es handelt sich um ein insgesamt 75,5 Quadratkilometer umfassendes Areal zwischen Brieselang und der Bundesstraße 188 bei Landin.

Für Grundstücksbesitzer in den Überschwemmungsgebieten ergeben sich daraus Einschränkungen in der Nutzung der Grundstücke. So soll das Wasser ungehindert abfließen können und es soll nicht durch hier gelagerte Stoffe verunreinigt werden. Dies betrifft eine Vielzahl baulicher Maßnahmen, Grünland darf nicht in Ackerland umgewandelt werden. Es gilt ein Bestandschutz für vorhandene Anlagen. Auch wenn dies manch Grundstückseigentümer als starke Einschränkung empfindet, es besteht kein Anspruch auf Entschädigungen.

Die Karten der Überschwemmungsgebiete sind im Internet noch bis zum 29. November einsehbar. Auf den sehr detaillierten Karten können Grundstücksgrenzen und die einzelnen Flurstücke anhand ihrer Nummern zugeordnet werden. Weitere Informationen gibt es auch auf der Auskunftsplattform Wasser APW. Ferner informieren die Broschüren "Überschwemmungsgebiete im Land Brandenburg" und "Überschwemmungsgebiet des Großen Havelländischen Hauptkanals" über die Festlegung der Überschwemmungsgebiete. Bis zu zwei Wochen nach der Auslegungsfrist können Bürger schriftlich Stellungnahmen einreichen. Diese werden dann vom MLUL und LFU geprüft. Die Karten sind auf www.mlul.brandenburg.de/info/ueberschwemmungsgebiete zu finden.

Kontakt:

Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, Wolfgang Müller, Telefon: 0331/8667336, E-Mail: wolfgang.mueller@mlul.brandenburg.deLandesamt für Umwelt Brandenburg, Matthias Grafe, Telefon: 033201/442270, E-Mail: w16@lfu.brandenburg.de

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