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Konzert
Des alten Theodors ganz neue Lieder

Gehören zu den Besten: Die Singer-Songwriter Dietrich Brüggemann und Desiree Klaeukens von "Theodor Shitstorm".
Gehören zu den Besten: Die Singer-Songwriter Dietrich Brüggemann und Desiree Klaeukens von "Theodor Shitstorm". © Foto: Holger Rudolph
Holger Rudolph / 17.11.2019, 18:14 Uhr
Neuruppin Ach, Theodor" erwies sich am Freitagabend als Publikumsmagnet. 240 Besucher waren in die Neuruppiner Kulturkirche gekommen, um Theodor Fontanes neu vertonte Gedichte zu hören. Angekündigt war das durch Wencke Wollny, die in Neuruppin geborene Frontfrau von "Karl die Große", mit Hilfe der Stadt Neuruppin organisierte Konzert junger Singer-Songwriter, auch als krönender Abschluss des bundesweiten Vorlesetages.

Vielleicht wurde ein Teil des Publikums eher nicht durch die Neugier auf des Schriftstellers Lied gewordene Gedichte angezogen, sondern vor allem durch die jungen Musiker, die es sonst kaum einmal irgendwo an einem Abend gemeinsam zu erleben gibt. Das waren neben "Karl die Große" auch "Theodor Shitstorm", Francesco Wilkings und Moritz Krämers "Die Höchste Eisenbahn" und Max Prosa. Das Durchschnittsalter des Publikums lag diesmal deutlich unter dem der meisten anderen bisherigen Veranstaltungen im Jubeljahr "fontane.200". Vielleicht, weil es nur ein bisschen um den vor fast 200 Jahren geborenen Romancier, aber sehr viel um die jungen Bands ging.

Die Hörfunkjournalistin Marion Brasch, nicht zuletzt bekannt durch ihre Moderationen bei Radio Eins, führte durch den Abend und rezitierte auch das eine oder andere Fontane-Gedicht. Wie es zur Idee für diesen Abend gekommen ist, wollte Brasch von Frontfrau Wollny wissen. Ja, sie habe sich vor zwei Jahren mal einen Gedichtband von Fontane gekauft und sei später mit Neuruppins Fontanejahr-Koordinator Mario Zetsche darüber ins Gespräch gekommen, ihrer Heimatstadt ein besonderes musikalisches Geschenk machen zu wollen, antwortete Wollny. Zetsche sei begeistert von der Idee gewesen, junge Bands Fontane-Texte interpretieren zu lassen. Super sei, dass all ihre Lieblingsbands zusagten, zum gemeinsamen Konzert in die Fontanestadt zu kommen, freute sich Wollny.

"Karl die Große" nahm Fontanes Gedicht "Die arme Else" zum Anlass für eine Komposition. Eine sehr junge Frau hört auf den Rat ihrer Mutter und heiratet einen viel älteren Mann, der sich später als Trinker und Spieler erweist. Natürlich gab es auch eine Reihe bekannter Songs von "Karl die Große", darunter sogar mit "Immer, wenn du da bist" einen, den es erst in drei Wochen zu kaufen geben wird. Nebenher erfuhr das Publikum von Wollny, wie die Band zu ihrem ungewöhnlichen Namen kam. Ein Bandmitglied aus Bayern habe beim Namen Wencke immer an das Karwendelgebirge denken müssen, was dazu führte, dass die Sängerin erst mit Karwendel, dann nur noch mit Karl angesprochen wurde. Ja, und sie sei ja tatsächlich ziemlich groß gewachsen. Schon bald hieß die Band also nach ihr, der Frontfrau, "Karl die Große".

Ein anderer Theodor

"Theodor Shitstorm" meint namentlich den anderen großen Theodor der deutschen Literaturgeschichte, Theodor Storm. Seinen etwas gruseligen Roman "Der Schimmelreiter" darf oder soll seit Jahrzehnten jedes Schulkind ebenso lesen wie Fontanes "Effi Briest". "Wir machen nicht nur Quatsch, sondern sind auch am Realismus der Zeit von Storm interessiert, mögen natürlich ebenso die heutige Zeit", erklärte Dietrich Brüggemann, neben Desiree Klaeukens Gründer von "Theodor Shitstorm". Brüggemann komponiert auch Film- und Theatermusiken, Klaeukens ist eine der besten deutschen Singer-Songwriterinnen. Neben bekannten Stücken wie "Mama, schick mir die Platten von Reinhard Mey" und "Sie werden dich lieben", gab es schließlich Fontanes "Die drei Raben", stark vertont von "Theodor Shitstorm". Das Publikum sehr viel Beifall, nicht das letzte Mal an diesem sehr gelungenen Abend.

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