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Bestattung
Alles bei der Beerdigung falsch gemacht

Für Klaus Becker ist es unverständlich, wie sein nunmehr ehemaliger Mitarbeiter derart unsensibel handeln konnte.
Für Klaus Becker ist es unverständlich, wie sein nunmehr ehemaliger Mitarbeiter derart unsensibel handeln konnte. © Foto: Roland Becker
Roland Becker / 19.11.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 19.11.2019, 06:49
Velten (MOZ) Erinnerungen sind kleine Sterne, die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten." Für Lonny Kühl hält dieser am Veltener Bestattungshaus Klaus Becker zu lesende Spruch wenig Tröstendes parat. Denn ihre letzte Erinnerung an eine gute Freundin, die im August im Alter von 91 Jahren starb, ist überschattet von dem, was auf der Beerdigung geschah.

Schon im Jahr 2013 hatte die jetzt verstorbene Freundin im Beisein von Lonny Kühl einen Vorsorge-Vertrag mit dem Bestattungshaus Becker abgeschlossen. Inhaber Klaus Becker bestätigt das. Nach dem Tod der Freundin legte Kühl mit dem Bestatter die Einzelheiten fest. Sie suchte die Urne aus, teilte Wünsche für Blumen- und Schleifenschmuck mit.

"Am Tag der Beisetzung sehe ich schon von Weitem, dass da etwas nicht stimmt", berichtet die Veltenerin von dem, was an jenem 24. August geschah. Als der Mitarbeiter des Bestattungshauses mit Urne und Schmuck näher kam, stellte sie fest: "Trauerband und Blumen waren verkehrt." Darauf aufmerksam gemacht, "nahm der Angestellte die Blumen und das Trauerband runter, ging zu seinem Auto und tauschte die verkehrten gegen meine bestellten Sachen aus", erinnert sich Kühl. Erst nach der Zeremonie fiel ihr auf, dass auch die Urne nicht das Modell war, für das sich ihre Freundin sechs Jahre zuvor entschieden hatte. Zuhause angekommen bestätigte sich bei einem Blick in den Vertrag die Vermutung: "Die von uns ausgesuchte Urne war grün, die der Beerdigung grau."

Mittlerweile plagten Lonny Kühl Zweifel, ob überhaupt die richtige Asche in der Urne sei. Denn das Bestattungshaus hatte an diesem Tag den Auftrag für eine zweite, in Lehnitz stattfindende Urnenbestattung.

Die Angst, dass auf dem Veltener Friedhof an jenem 24. August nicht die Asche ihrer Freundin bestattet wurde, kann Klaus Becker ihr nehmen. Und er hat kann das auch nachweisen. Dennoch sagt er noch Monate nach den Vorfällen: "Das ist mir in meiner ganzen Laufbahn noch nicht vorgekommen." Klaus Becker ist seit 1982 im Bestattungswesen tätig, seit 1991 führt er sein eigenes Unternehmen, in das mittlerweile die nächste Generation der Familie eingestiegen ist.

"Mein damaliger Mitarbeiter hatte einen eindeutigen Arbeitsauftrag", versichert Becker und legt das Papier vor. Darauf ist aufgelistet, welche Urne, was für Blumen und welche Schleife für die Bestattung in der Gärtnerei abzuholen sind. Becker erfuhr erst am Montag nach der Beerdigung durch Lonny Kühl von dem, was zwei Tage zuvor schief gegangen war.  Er handelte umgehend: "Ich habe dem Mitarbeiter fristlos gekündigt."

Und der hatte nun wirklich alles falsch gemacht, was in so einer sensiblen Situation wie einer Beerdigung schief gehen kann. Laut Becker habe das Unglück seinen Anfang genommen, als sein damaliger Mitarbeiter die falsche Aschekapsel in die Schmuckurne gelegt habe. Diese wiederum wurde mit Blumen und Schleife versehen, die zur Lehnitzer Beerdigung gehörten.

Die verunsicherte Veltenerin stutzte allerdings erneut, als sie den Bestatter nach der Bestattung bat, nochmals ein Bild von der ausgewählten Schmuckurne zu erhalten. Sie wollte auf Nummer sicher gehen. "Aber immer noch nicht genug an Fehlern, schickte er mir im Anhang der E-Mail die für Lehnitz bestimmten Bilder von Urne, Blumen und Trauerschleife." Der Bestatter bestreitet das nicht: "Es war ein Versehen von mir, die falschen Bilder zu schicken. Ich habe nicht so genau hingeschaut."

Bei all den Unannehmlichkeiten, die diese Beerdigung mit sich gebracht hat, kann Lonny Kühl nun zumindest sicher sein, dass nicht auch die Asche verwechselt wurde: "Bei einem Termin mit der Veltener Friedhofsverwaltung wurde mir versichert, dass man sich die Schmuck­urne zuvor habe öffnen lassen und den Namen auf den Unterlagen mit dem an der Ascheurne verglichen habe." Auch Klaus Becker sagt, dass er sich davon nochmals überzeugt habe. Die falsche Urne habe er nicht in Rechnung gestellt.

Der gekündigte Mitarbeiter, der für das unsensible Handeln verantwortlich war, habe zwar gegen seine Entlassung vor dem Neuruppiner Arbeitsgericht geklagt, habe dort aber kein Recht bekommen. Obwohl es schwer sei, für solche Arbeit Personal zu finden, habe es keine andere Lösung als eine Kündigung gegeben: "Solch einen Mitarbeiter kann ich mir in meiner Branche nicht leisten. Velten ist ein Dorf."

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