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Auf dem Angermünder Friedhofsgelände werden einige Rasenflächen zu Wildblumenwiesen umgewandelt.

Umgestaltung
Bienen und Schafe als Umweltschützer

Daniela Windolff / 19.11.2019, 06:15 Uhr
Angermünde (MOZ) Kurz geschorener Rasen, Buchsbaumhecken und Koniferen, das sind klassische Friedhofsbepflanzungen. Auf dem Angermünder Stadtfriedhof jedoch soll es künftig auch bunte Blumenwiesen geben, wo Klatschmohn, Wegwarte, Lichtnelken, Schafgarbe, Klee und andere heimische Wildarten gedeihen. Damit will die Stadt einen aktiven Beitrag für mehr Insektenschutz leisten. Denn kurzgemähter Rasen und immergrüne Hecken sehen zwar fürs menschliche Auge aufgeräumt und ästhetisch aus, sind jedoch für eine Vielzahl von Insekten nutzlos. Dabei benötigen vor allem Wildbienen, deren Artenvielfalt extrem bedroht ist, aber auch Schmetterlinge ein abwechslungsreiches Angebot von standortangepassten, heimischen Blühpflanzen, die extensiv gepflegt werden.

Grundlage ist SVV-Beschluss

In der Stadt Angermünde wird dieser Ansatz der naturverträglichen, insektenfreundlichen Pflege von Grünanlagen schon verfolgt. Grundlage hierfür ist der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, die Artenvielfalt zu bewahren und zu steigern. So werden geeignete, nicht genutzte Flächen als Wildblumenflächen ausgewiesen. Fachliche Unterstützung bekommt die Stadt dabei vom Nabu. Elisa Betker, Studentin der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, hatte in ihrer Masterarbeit in Zusammenarbeit mit der Stadt Standortbedingungen und Pflege von Wildblumenwiesen untersucht. Nach ersten Versuchen auf kleineren Flächen wurde nun auf dem Friedhof eine Insektenweide angelegt. Als Gemeinschaftsaktion des Nabu-Naturerlebniszentrums Blumberger Mühle, der AG "Natur" der Gustav-Bruhn-Schule und dem städtischen Grünamt wurde eine etwa 2000 Quadratmeter große Rasenfläche auf dem Betriebsgelände des Friedhofes ausgewählt. Damit soll nicht nur Gutes für Wildbienen getan, sondern auch der intensive Pflegeaufwand verringert werden. Der Rasen musste bisher zweimal im Monat gemäht werden und litt an der Trockenheit der vergangenen Jahre, erklärt Bürgermeister Frederik Bewer. Doch einen Rasen in eine Wildblumenwiese zu verwandeln, kostet auch zunächst Mühe und Zeit. Später muss die Wiese nur noch zweimal im Jahr gemäht werden, braucht keine Nährstoffe und hält durch das besondere Mikroklima Feuchtigkeit viel besser. Elisa Betker betreut mit den Kindern der Schul-AG das Projekt, das als Teil des Projektes "Wildbienen und Schafe - ein gutes Team im Umweltschutz" vom Umweltministerium aus Lottomitteln gefördert wird. Ehe es ans Umgestalten der Rasenfläche ging, wurde sie von den Schafen Waldemar und Paul von der Blumberger Mühle beweidet. "So lernten die Kinder modellhaft was es heißt, die Landschaft naturverträglich zu pflegen. Schafe töten oder beschädigen nicht so viele Insekten und Kleintiere, wie es ein Rasenmäher tut", erklärt Elisa Betker.

Schafe als Landschaftspfleger

Anschließend wurde die Fläche von Mitarbeitern der Stadt gefräst. Dabei wird die Grasnarbe aufgerissen und umgewälzt, damit das Saatgut keimen und sich gut entwickeln kann. "Bei der Wahl der Samen ist es wichtig, standortangepasstes Saatgut aus der Region anzuwenden. Denn die heimischen Wildbienen sind nur auf diese Arten spezialisiert", so Elisa Betker. Danach wurde das mit Sand gestreckte Saatgut ausgesät. "Dabei ist es wichtig, dass die Samen nicht untergehakt werden. Denn die meisten Wildblumen sind Lichtkeimer." Bis sie üppig blüht, vergehen zwei, drei Jahre. Im Winter werden die Kinder Wildbienenkästen bauen, die auf der Wiese als Unterschlupf stationiert werden sollen.

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