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Eigentlich stehen die Zeichen günstig für das Handwerk. Doch ein Blick hinter die Kulissen offenbart ein anderes Bild.

Zukunftssorgen
Das Ende der kleinen Bäcker

Sterben die kleinen Bäckereien auf dem Lande aus? Überall in Deutschland sinkt die Zahl der Betriebe. Backwaren kommen dafür verstärkt aus der Industrie. Handwerker kämpfen mit großen Schwierigkeiten.
Sterben die kleinen Bäckereien auf dem Lande aus? Überall in Deutschland sinkt die Zahl der Betriebe. Backwaren kommen dafür verstärkt aus der Industrie. Handwerker kämpfen mit großen Schwierigkeiten. © Foto: Daniel Karmann/dpa
Oliver Schwers / 19.11.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 20.11.2019, 07:02
Angermünde (MOZ) Bäckermeister im Rentenalter, die weiter in aller Frühe aufstehen müssen, um den Teig zu bereiten. Lehrlinge, die noch in der Ausbildung den Beruf wechseln. Dürftige Bezahlung, ungeklärte Nachfolge-Regelungen. So sieht es derzeit in etlichen kleinen Bäckereien der Uckermark aus. Die Altmeister sind von Riesensorgen getrieben. Es geht um den Fortbestand eines uralten Handwerks. "Bäckereien auf dem Lande werden nach und nach verschwinden", sagt Rüdiger Fink, Geschäftsführer der Handwerkerschaft Uckermark. Die Kreistagsmitglieder, denen er seine nüchternen Zahlen offenbart, hören im Regionalentwicklungsausschuss eine ganz andere Seite des Unternehmertums. Während es in vielen Industrie- und Handwerkszweigen weiter regelrecht brummt, gibt es in kleinen Betrieben schlaflose Nächte. Wenn der Sohn des Meisters oder der Altgeselle die Bäckerei nicht übernehmen, sich zudem die Backstube noch im Familienhaus befindet, dann steht der Fortbestand auf dem Spiel.

Auch in der Kfz-Branche sind viele Betriebe weit davon entfernt, Luftsprünge zu machen. 90 Prozent der Innungsmitglieder in der Uckermark sehen die Aussicht für 2020 als "befriedigend" an. Gute Auftragslagen herrschen dagegen auf dem Bau. Grundsätzlich wollen die Handwerker im Kreis bei einer annähernd gleichen Beschäftigtenzahl bleiben. Keine Steigerungen.

Warum trotz extremer Nachfrage nach Malern, Elektrikern, Fliesenlegern und anderen Bereichen nicht mehr Menschen in kleineren Firmen eingestellt werden, hat offenbar alte Ursachen. Nach der Euphorie der Nachwendezeit kam das Erwachen: "Viele Handwerker waren oft nicht auf die Selbstständigkeit vorbereitet", schildert Rüdiger Fink die Situation Ende der 90er-Jahre. Mangelnde betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Preisdumping hätten zum Anstieg der Konkursrate geführt. Bei öffentlichen Aufträgen wurde kaum das wirtschaftlichste, sondern meist das billigste Angebot genommen. Lehrlingsüberschuss und mangelnde Aufträge führten zu weiten Wegen und irgendwann zwingend zur Fachkräfteabwanderung.

Fehlender Nachwuchs

Heute ist die Auftragslage besser. Bestehende Betriebe sind fest im Sattel. Doch die größte Herausforderung für das Handwerk ist der fehlende Nachwuchs. Im vergangenen Jahr hatten 173 Ausbildungsbetriebe der Innungen insgesamt 362 Lehrlinge. 149 neue Lehrlingsverträge wurden geschlossen. Doch 62 wurden gelöscht. Eine enorme Rate.

Bäcker und Fleischer finden kaum noch Nachwuchs. In vielen Fällen sind Bewerber überhaupt nicht ausbildungsreif, so die Einschätzung der Kreishandwerkerschaft. Und dann ist da noch die Industrie, die Leute im Lebensmittelsektor und in der Kfz-Branche abwirbt und besser bezahlt.

Fink wirbt für mehr Verständnis, für ein besseres Image, für mehr Wertschätzung. Vor kleinen Betrieben würden oft riesige bürokratische Hürden stehen. Und so kommt es, dass öffentliche Aufträge einfach keine Angebote mehr bekommen, weil der Zeitaufwand für den Papierkrieg und die Auflagen einfach zu hoch erscheinen. Und die Anforderungen werden nicht geringer, sondern höher. "Unsere Handwerker sind keine Verwaltungsfachleute", ärgert sich Rüdiger Fink.

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