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Schweinepest
Weitere 18 Fälle in Polen - Züchter müssen neue Verdachtsfälle vorsorglich töten

Männer in Schutzanzügen tragen bei einer Übung einen gefundenen Kadaver (Dummy) eines vielleicht an Schweinepest verendeten Wildschweins zu einem Container.
Männer in Schutzanzügen tragen bei einer Übung einen gefundenen Kadaver (Dummy) eines vielleicht an Schweinepest verendeten Wildschweins zu einem Container. © Foto: David Young/dpa
Dietrich Schröder / 19.11.2019, 20:24 Uhr - Aktualisiert 20.11.2019, 19:35
Warschau (MOZ) Die Furcht vor der Ausbreitung des Schweinepest-Erregers eint seit dem Wochenende Landwirte in Brandenburg und Westpolen. Zur Erinnerung: Am Freitag war das für Schweine absolut tödliche Virus, das bisher vor allem in Ostpolen und den baltischen Ländern auftrat, erstmals bei einem Wildschwein nachgewiesen worden, das in der Nähe der  Kleinstadt Nowa Sól – rund 80 Kilometer östlich von Brandenburg – in einem Wald von einem Pkw angefahren worden war.

Noch mehr Tiere infiziert

Bis zum Montag wurden bei einer eilig einberufenen Suchaktion in einem Fünf-Kilometer-Radius rund um die Unfallstelle  21 tote Wildschweine gefunden. „Bei 18 der toten Tiere wurde das Virus inzwischen nachgewiesen“, wie der polnische Veterinärdienst am Dienstag mitteilte. Damit hat sich die bekannte Zahl der an der Seuche verendeten Tiere in der polnischen Region auf 20 erhöht. Nachdem die Fünf-Kilometer-Zone eingezäunt wurde, sollen alle Wildschweine in der Zone erlegt werden.

„Für uns ist ein Rätsel, weshalb das Virus, das bereits seit fünf Jahren in Polen auftritt, bisher aber an der Weichsel gestoppt werden konnte, plötzlich 300 Kilometer weiter westlich ist“, sagt Mysliewiec. Die Ursache für diese sogenannte Sprunginfektion könnten achtlos weggeworfene Lebensmittel aus Ostpolen sein, denn das Virus verbreitet sich auch über Fleisch oder Wurst. Daran, das jemand mutwillig den Erreger verbreitet hat, wollen die Bauern nicht glauben.

„Am besten wäre es, wenn es jetzt Kontrollen zur Einfuhr von Lebensmitteln aus Polen an der Grenze gäbe. Weil dies aber kaum realistisch ist, müssten die Menschen wenigstens stärker über die Gefahren informiert werden.“ Das fordert der Präsident des Brandenburger Bauernverbands, Henrik Wendorff, von der Politik.

Der Sprecher des bisherigen Ministeriums für Verbraucherschutz, Uwe Krink, sieht das Land für den Seuchenfall („der hoffentlich nie auftritt“) aber gut aufgestellt. „Im Notfall würde sofort ein Krisenstab unter Leitung des Landestierarztes zusammentreten, so wie das schon vor Jahren bei der Vogelgrippe der Fall war“, sagt Krink. Zugleich räumt er ein, „dass die Schäden durch Schweinepest weitaus größer als bei der Vogelgrippe wären“.

Was die Epidemie bedeutet, haben kleinere Schweinehalter in Ostpolen in den vergangenen Jahren bereits schmerzlich zu spüren bekommen. „Die mussten fast alle ihre Tiere töten, damit die großen Mastanlagen geschützt wurden“, berichtet Stanislaw Mysliewiec.

Christian Daniels aus Lindenberg bei Beeskow (Oder-Spree) ist einer der größten Ferkel-Produzenten in Brandenburg und verfügt noch über zwei weitere Anlagen in Teltow-Fläming und bei Brandenburg/Havel. „Am Montag hatten wir an allen drei Standorten außerordentliche Betriebsversammlungen, auf denen wir die Verstärkung unserer Hygienemaßnahmen verkündeten“, berichtet Daniels. Kein Mitarbeiter dürfe ungeduscht die Anlagen betreten, Mitbringen von Wurst oder Fleisch ist tabu, Betriebsfremde haben ohnehin keinen Zugang und die Zäune ringsherum werden derzeit überprüft. „Wir handeln nach dem Schwarz-Weiß-Prinzip“ erläutert Daniels. Es bedeutet, dass drinnen im Stall alles sauber sein muss, während die Umwelt als potenziell verseucht betrachtet wird.

Exporte nach China gefährdet

Daniels, der auch Sprecher aller Brandenburger Schweineproduzenten ist, räumt ein, dass die hiesigen Landwirte von der Schweinepest in China profitiert haben, wo durch das Virus ein Drittel aller Kapazitäten vernichtet wurden. „In China werden derzeit sechs Euro pro Kilo Schweinefleisch gezahlt, bei uns sind es gerade mal 1,89 Euro.“

Deshalb geht derzeit jede Menge Brandenburger Schweinefleisch in den Export nach China. Die Situation im Reich der Mitte, wo fünf Millionen Schweine wegen des Virus geschlachtet werden mussten, zeigt jedoch, welche verheerenden Folgen die Pest haben kann.

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