Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Angeblicher Ärzteüberschuss in Brandenburg klingt für die Senioren im ländlichen Raum wie Hohn.

Widerspruch
Ärzte und ÖPNV fehlen in Britz-Chorin-Oderberg

Ärzteüberschuss gibt es nur statistisch, praktisch herrscht Mangel im ländlichen Raum.
Ärzteüberschuss gibt es nur statistisch, praktisch herrscht Mangel im ländlichen Raum. © Foto: Benjamin Ulmer/dpa
jk / 20.11.2019, 06:00 Uhr
Britz 25 Prozent der Einwohner im Amt Britz-Chorin-Oderberg sind älter als 65 Jahre – Tendenz steigend, stellte Amtsleiter Jörg Matthes zu Beginn der Versammlung des Seniorenbeirats des Amtsbereichs fest. Umso wichtiger, dass sich die Senioren dort auch gehört und gut versorgt fühlen. Nimmt man das Aufgebot der der lokalen Politik als Maßstab, so bekommt man den Eindruck, dass die Bevölkerungsgruppe 65+ sehr wohl eine Lobby hat. Landrat Daniel Kurth und zahlreiche Bürgermeister des Amts waren zur Sitzung erschienen, um sich den Themen zu widmen, die die Senioren umtreiben. Die wichtigsten Belange der Seniorenarbeit ließen sich in fünf Leitlinien zusammenfassen, so Matthes. Wohnen und Leben im Quartier, Mobilität gewährleisten, Gesundheitsversorgung und Pflegesicherheit, lebenslanges Lernen für ältere Mitbürger gestalten sowie Engagement und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen seien diese fünf Leitlinien. Um einige davon ging es auch bei der Sitzung im Amtsgebäude. "Wir fühlen uns aktuell gut vertreten", erklärte Gisela Drechsler-Wiese, Vorsitzende des Seniorenbeirats. Allerdings musste sie auch hören, dass es Probleme gibt, die nicht einfach mal eben behoben werden können.

In der Summe überversorgt

"Wenn ich Ihnen versprechen würde, das alle Probleme von heute auf morgen zu lösen sind, würde ich Sie anschwindeln", gab Daniel Kurth in Bezug auf die ärztliche Versorgung auf dem Land zu. Laut Kassenärztlicher Vereinigung sei die Region nämlich sogar überversorgt. Kaum zu glauben, aber wahr. Das Problem dabei sei, dass nicht die Versorgung in der Fläche betrachtet, sondern nur die Gesamtzahl an Allgemeinmedizinern und Fachärzten gezählt werde. "Wenn sich die Ärzte in wenigen größeren Orten drängeln, gilt die Gesamtfläche als gut versorgt", schilderte Kurth, wo der Hund bei der Zählweise der Kassenärztlichen Vereinigung begraben liegt. Es gebe Bestrebungen mit dem Land Brandenburg neue Regelungen zu finden, dabei sei aber ein ganz dickes Brett zu bohren, so der Landrat.

Fehlende Bürgerbeteiligung

Aktiv werde der Kreis im Bereich Mobilität, verspricht Daniel Kurth. So soll die direkte Busverbindung zwischen Eberswalde und Oderberg durch eine höhere Taktrate gestärkt werden. "Eine Taktrate wie in Eberswalde werden wir im ländlichen Raum nicht hinbekommen, aber wir wollen die Anbindung deutlich verbessern", so der Landrat. "In Lunow-Stolzenhagen wird sich dadurch aber nichts ändern, wir bleiben abgeschnitten", kam es dazu aus der Versammlung. Das gleiche gelte für Parstein und Lüdersdorf. Jörg Matthes antwortete mit der Feststellung: "Ich fühle mich wie der Rufer in der Wüste. Ich brauche Ihre Unterstützung." Auf der Internetseite des Amts habe er zur Beteiligung aufgerufen, Rückmeldungen habe es daraufhin bislang aber keine gegeben – sowohl was den ÖPNV angehe, als auch beim Thema Bürgerbus fehle es völlig an der Beteiligung. "Offenbar ist der Leidensdruck nicht wirklich groß", so die Mutmaßung des Amtsdirektors.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG