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Weil der Fahrstuhl im seniorengerechten Haus tagelang kaputt war, konnten gehbehinderte Bewohner ihre Wohnungen nicht verlassen.

Wohnen
Tagelang eingesperrt in den eigenen vier Wänden

Empört: Die Mieter des Seniorenwohnhauses in der Schwedter Straße 20 mussten tagelang auf die Reparatur des kaputten Fahrstuhls warten, weil der Vermieter nicht reagierte. Viele der Senioren konnten deshalb ihre Wohnungen nicht verlassen.
Empört: Die Mieter des Seniorenwohnhauses in der Schwedter Straße 20 mussten tagelang auf die Reparatur des kaputten Fahrstuhls warten, weil der Vermieter nicht reagierte. Viele der Senioren konnten deshalb ihre Wohnungen nicht verlassen. © Foto: Daniela Windolff
Daniela Windolff / 21.11.2019, 06:30 Uhr
Angermünde (MOZ) Bis zur vierten Etage muss Edeltraud Nitsch mehrmals täglich die Treppen hinauf steigen, oft bepackt mit Einkaufstaschen. Eigentlich könnte sie bequem den Fahrstuhl nehmen, doch der ist seit Tagen kaputt. Dabei hat Edeltraud Nitsch noch das Glück, gut zu Fuß zu sein. Viele andere Bewohner der Schwedter Straße 20, die sie als ehrenamtliche Mitarbeiterin der Volkssolidarität betreut, sind gehbehindert. Für sie sind die Treppen zu Fuß nicht zu schaffen. Ohne Fahrstuhl sind sie regelrecht in ihren Wohnungen eingeschlossen. "Eine alte Dame im Rollstuhl konnte deshalb einen Arzttermin nicht wahrnehmen", berichtet Edeltraud Nitsch. Eine 102-jährige Mieterin im vierten Stock kommt seit Tagen nicht mehr aus dem Haus.

Hilferuf bei der MOZ

Für den über 80-jährigen Bewohner Alfred Wendt ist das ein unhaltbarer Zustand. Denn nicht der kaputte Fahrstuhl an sich ist sein Problem, sondern die Ignoranz des Vermieters. "Der Fahrstuhl ist schon seit Freitag kaputt. Doch trotz mehrmaliger Anrufe bei der Hausverwaltung passierte nichts", empört sich Alfred Wendt und wandte sich deshalb an die Märkische Oderzeitung. Das Haus in der Schwedter Straße ist als seniorengerechtes Wohnhaus umgebaut und mit Fahrstühlen ausgestattet worden. Hier leben überwiegend alte und gehbehinderte Menschen. Horst Behrmann von der Hausverwaltung Meteor in Berlin kennt das Problem. Ihm seien jedoch die Hände gebunden, sagt er auf Anfrage der MOZ. Ohne Freigabe des Eigentümers könne er keinen Reparaturauftrag auslösen. Es gebe Probleme. Über Gründe hielt er sich bedeckt. Der Eigentümer war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. "Es ist eine sehr unglückliche Situation. Wir stehen in engem Kontakt mit den Mietern. Ich kenne alle persönlich. Wir sind rund um die Uhr für sie da", bemüht sich Behrmann um Verständnis. Für die Wartung der Aufzüge ist die Firma Schindler beauftragt, die einen Notdienst hat und norma-lerweise bei Havarien innerhalb weniger Stunden vor Ort ist. Es gebe jedoch Probleme wegen offener Forderungen für erbrachte Leistungen, deutet der Verwalter an. Die Leidtragenden sind die Mieter. Die Volkssolidarität, die ebenfalls Mieter in dem Haus ist und Serviceleistungen für die Senioren anbietet, reagierte auf deren Hilferuf sofort. "Leider haben auch wir den Eigentümer nicht erreicht und nun mit der Wartungsfirma Schindler und dem Verwalter beschlossen, die Reparatur auf unsere Kosten in Auftrag zu geben", erklärt Paul Block von der Geschäftsstelle Uckermark der Volkssolidarität. Über Mietkürzungen wolle man das Geld zurückfordern. Dazu hatte auch Alfred Wendt geraten, der jahrelang Vorsitzender des Mietervereins Uckermark war und sich nun auch zu diesem Fall im Mieterbund beraten hatte.

Volkssolidarität zahlt Reparatur

"Wir bezahlen hier eine nicht geringe Miete, die auch den Fahrstuhlservice beinhaltet", betont er. Immer wieder käme es zu Havarien. Fast alle Bewohner sind schon mal stecken geblieben. Ein Mieter hing drei Stunden im Aufzug fest. "Man traut sich gar nicht mehr da rein", sagt eine alte Dame mit Rollator. Doch sie ist wie die meisten darauf angewiesen. "Jetzt ist es der Fahrstuhl, später vielleicht die Heizung oder die Müllabfuhr, um die sich niemand kümmert", schimpft Alfred Wendt. Das Entgegenkommen der Volkssolidarität hatte Erfolg. Gestern vormittag rückte die Firma Schindler an und reparierte den Aufzug. Nach sechs Tagen können die gehbehinderten Mieter endlich wieder ihr Haus verlassen.

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