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Vorlesetag
ARD-Wetterexperte Donald Bäcker steht Schülern in Wildberg Rede und Antwort

Ulrike Gawande / 21.11.2019, 17:54 Uhr
Wildberg (MOZ) Mucksmäuschenstill sind die Schüler der fünften und sechsten Klasse der Wildberger Grundschule "Am Burgwall", als ihnen Marianne Golde aus "Billionen Boy" von David Walliams vorliest. Es geht in dem Buch um Mobbing, Freundschaft, Ehrlichkeit und Vertrauen. Immer wieder unterbricht die ehemalige Leiterin der Bibliothek in Wusterhausen, um die Kinder mit Fragen in das Geschehen mit einzubeziehen.

Marianne Golde hat sich ebenso wie die anderen Vorleser, darunter auch die stellvertretende Temnitzer Amtsdirektorin Katrin Pein, perfekt auf den 16. Vorlesetag vorbereitet. Dieser fand in Wildberg erst am Mittwoch, anstatt wie bundesweit bereits am 15. November, statt, da der prominenteste Vorleser Donald Bäcker, Wetterexperte im ARD-Morgenmagazin, am vergangenen Freitag in Köln vor der Kamera stehen musste. Nun aber konnten ihn die Kinder live erleben. Er las in der vierten Klasse und die Schüler hatten viele Fragen an ihn, bevor er beginnen konnte, aus dem humorvollen Buch "Die fabelhafte Miss Braitwhistle" von Sabine Ludwig vorzulesen.

Liebe zur Meteorologie

Gleich die erste Frage von Emilia hatte es in sich: "Warum wollten Sie ins Fernsehen?", fragte sie Donald Bäcker. "Ich wollte gar nicht", antwortete ihr der Wetterexperte, "sondern ich wollte nur das Wetter vorhersagen." Seine Liebe zur Meteorologie habe der schwere Winter 1978 geweckt, als ein Schneesturm die weißen Massen meterhoch auftürmte. "Von da an wollte ich etwas mit Wetter machen", erklärte er den Kindern. Auch gelesen habe er damals schon sehr gern. Am liebsten Science-Fiction-Bücher, in denen er sich die Planeten oder Außerirdischen selbst vorstellen konnte. "Wer gut liest, kann auch gut schreiben."

Er erzählte von seiner Ausbildung und seiner Arbeit beim Deutschen Wetterdienst auf der Wetterstation, wo er jedoch irgendwann ins Rechenzentrum versetzt werden sollte. Das konnte sich Bäcker jedoch gar nicht vorstellen. Glücklicherweise kam der Meteorologe Jörg Kachelmann, der ihm anbot, Wetter vorherzusagen, nur müsse er dazu vor die Kamera. "Er hat mir Mut gemacht, dass ich das kann. Ich sollte es versuchen."

Natürlich fragten die Viertklässler auch, wie ein Arbeitstag beim Fernsehen aussieht. Alle zwei Wochen pendelt Bäcker – er fährt meistens mit dem Zug – von Walsleben für eine Woche nach Köln. Dort klingelt morgens um drei der Wecker. Nach dem Frühstück widme er sich im Büro der Wetterkarte und bereite alles vor, erzählte der 51-Jährige. "Dann gehe ich in die Maske und werde geschminkt. Im Fernsehen werden das auch die Männer, da die Scheinwerfer sehr hell sind." Nach der Sendung, die alle zwei Wochen werktags von 5.30 bis 9 Uhr live ausgestrahlt wird, findet anschließend noch eine Auswertungsrunde statt. Malte aus Dabergotz war beeindruckt. "Ich bin überrascht, wie lange Herr Bäcker arbeitet. Ich dachte, das wäre kürzer", sagte der Neunjährige, der zugab, selbst keine Lust zu haben, so früh aufzustehen.

Bäcker verriet den Kindern auch, dass er sämtliche Texte auswendig spricht und dass er Live-Sendungen mag. "Die sind am Besten – werden sie aufgezeichnet, verspricht man sich öfter." Auch Aufregung gehöre zu seinem Beruf dazu. "Wenn man nicht mehr aufgeregt ist, sollte man aufhören." Besonders angespannt sei er bei der Abendsendung "Wetter vor acht", da er erst wenige Minuten vorher erfahre, wie viel Zeit er für seine Wettervorhersage hat. "Die Uhr läuft runter und ich muss auf die Sekunde genau moderieren. Das kann man nicht üben. Wenn der Text zu lang ist, wird man weggeschaltet, da die Tagesschau absolut pünktlich beginnen muss. Aber ich kann auch nicht sagen, mir fällt nichts mehr ein." Eine Reservekarte mit den weiteren Aussichten habe er deshalb immer parat. "Ich würde gerne auch das Wetter für Walsleben oder Wildberg vorhersagen, aber das interessiert leider die Menschen in Köln und Hamburg nicht", scherzte Donald Bäcker.

Mathe und Physik

Die Schützlinge von Klassenlehrerin Kerstin Rosentreter wollten auch wissen, wie schwierig die Vorhersage von Wetter ist. "Je kleiner das Gebiet, desto schwieriger die Vorhersage", so Bäcker. "Es ist schwer, die Zukunft vorauszusagen. Wir schließen eigentlich nur Sachen aus und das, was übrig bleibt, ist dann das Wetter." Meteorologie bestehe hauptsächlich aus Mathe und Physik. "Die Computer sind heute sehr schnell. Früher brauchte es eine Turnhalle voller Mathematiker, um das Wetter für Morgen auszurechnen. Dafür hätten sie zwei Wochen gebraucht." Er sagte aber auch ehrlich, dass eine Vorhersage, die über 15 Tage hinausgehe, geraten sei. "Das wird auch in Zukunft so sein." Auch die Hoffnung auf weiße Weihnachten nahm der Moderator den Kindern. "Da ist meistens Tauwetter."

Der Walslebener hatte jedoch einen kleinen Tipp, wie die Kinder selbst das Wetter vorhersagen können. Es helfe nicht, den Frosch ins Glas zu stecken, so Bäcker, sondern die Schwalben zu beobachten. "Fliegen sie oben, scheint die Sonne. Fliegen sie über dem Boden, wird es Regen geben." Diese Regel hänge mit den Insekten, dem Futter der Vögel, zusammen, die bei nahendem schlechten Wetter sich eher in Bodennähe aufhalten. Auch Hunde hätten einen Instinkt für Wetter, verriet Bäcker den Schülern. "Bei schlechtem Wetter verkriechen sie sich." Bäcker jedoch versprach wiederzukommen – wenn es stürmt. Denn vom Klassenraum der Vierten im Obergeschoss der Schule bietet sich ein weiter Blick auf das Amt Temnitz und das Ruppiner Land.

Der Wetterexperte aus dem Morgenmagazin

Donald Bäcker wurde 1968 in Neuruppin geboren.

Von 1984 bis 1987 absolvierte er eine Ausbildung zum Technischen Assistenten für Meteorologie. Dann arbeitete er an den Wetterstationen in Potsdam und Neuruppin.

Seit 1999 arbeitet er für den Meteorologen Jörg Kachelmann. Aktuell ist Bäcker Wetterexperte im ARD-Morgenmagazin und bei "Wetter vor acht".

2009 wurde er beim Gipfeltreffen der Wetterfrösche für die beste Wetterpräsentation im deutschsprachigen Fernsehen ausgezeichnet.⇥ug

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