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Geothermie als Chance
Billiges Erdgas bremst Erdwärme

Ein Messfahrzeug zur Untersuchung für eine Nutzung von Geothermie fährt zu einem Einsatz.
Ein Messfahrzeug zur Untersuchung für eine Nutzung von Geothermie fährt zu einem Einsatz. © Foto: Roman Link/dpa
Ina Matthes / 22.11.2019, 06:30 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Der Neubau von Erdwärme-Anlagen in Brandenburg stagniert.

In diesem Jahr sind rund 610 Anlagen für die oberflächennahe Geothermie errichtet worden (Stand Ende August). Diese Anlagen werden üblicherweise zum Heizen von Wohnhäusern, aber auch öffentlichen Gebäuden  verwendet. Die Anzahl liegt etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Erdwärme stehe im Wettbewerb mit Gasheizungen, insbesondere den modernen Brennwertkesseln, und teils auch mit Ölheizungen, sagt André Deinhardt Geschäftsführer des Bundesverbandes Geothermie. "Die Gaspreise sind extrem niedrig." Im Vergleich dazu sind die Investitionskosten für den Neubau einer Erdwärmeheizung mit 10.000 bis 15.000 Euro relativ hoch.

Pumpenstrom zu teuer

Insgesamt gibt es in Deutschland rund 390.000 solcher Anlagen der sogenannten oberflächennahen Geothermie. Davon wurden 23.400 im vergangenen Jahr neu installiert. Der Bundesverband Geothermie sieht die Potenziale der Erdwärme aber längst nicht ausgeschöpft. "Die Politik muss Geothermie endlich als die Chance wahrnehmen, die sie tatsächlich darstellt: lokale, Wetter und Jahreszeit unabhängige und dauerhaft verfügbare Energie, die für die Wärmewende, aber auch Strom oder Kälte genutzt werden kann", sagte Erwin Knapek, Präsident des Bundesverbands Geothermie, auf dem Geothermiekongress, der am Donnerstag zu Ende ging.

Ein Problem für die Nutzung von Erdwärmeheizungen ist der verhältnismäßig teure Strom für den Betrieb der Wärmepumpe. Zwar bieten Energieversorger ihren Kunden teils einen Tarif für Pumpenstrom an, der unter dem für Haushaltsstrom liegt. Der ist aber nach Expertenangaben nicht wesentlich billiger. Der Geothermieverband tritt für eine steuerliche Entlastung des Stromes für die Wärmepumpen ein.

Geothermie ist auch für Stadtwerke eine Möglichkeit grüner Wärmegewinnung. Auf dem Kongress stand die sogenannte Tiefe Geothermie im Fokus. Dabei wird Wärme über Bohrungen aus mehreren Hundert Metern  Tiefe gewonnen. In Deutschland gibt es derzeit insgesamt 37 Tiefe-Geothermieanlagen, die meisten davon in Bayern.

Erdwärme könnte künftig bei der Versorgung von Städten mit Wärme auch außerhalb Bayerns eine größere Rolle spielen. Das Deutsche Geoforschungszentrum in Potsdam GFZ erforscht Speichersysteme. Als vielversprechend gelten saisonale Wärmespeicher. Dabei wird im Sommer überschüssige Wärme genutzt, um Wasser zu erwärmen und im Erdreich für den Winter zu speichern. Das Wasser wird dabei beispielsweise aus Bohrungen von meist bis zu 500 Metern gefördert. Es kann mit Wärme von Solarthermieanlagen oder aus Blockheizkraftwerken aufgeheizt werden. Das erwärmte Wasser wird  dann für den Winter wieder in den Boden eingespeist. Umgekehrt lässt sich auch gefördertes Wasser im Winter abkühlen und dann für Klimaanlagen im Sommer nutzen.

Solche Geothermie-Anlagen verbrauchen wenig Fläche und können viel Energie speichern. Deshalb gelten sie als interessant für Städte. Einer dieser Speicher arbeitet es seit 2002 unter den Parlamentsgebäuden in Berlin. Weitere sind in Neubrandenburg und Rostock in Betrieb. Geothermie für Städte, für Fernwäremetze etwa, steht aber noch am Anfang. André Deinhardt  vom Geothermieverband sieht darin eine Option für Stadtwerke. Allerdings sei die Zurückhaltung noch groß.

Wärme aus der Tiefe

Etwa 40 Prozent der energiebedingten Treibhausgasemissionen in Deutschland stammen laut Umweltbundesamt aus der Wärmeversorgung. Bis 2050 könnte die Hälfte der Wärmeenergie, die derzeit aus Erdöl gewonnen wird, aus der Nutzung von Erdwärme aus einigen Hundert Metern Tiefe gewonnen werden, sagen Forscher. Ein solches Projekt betreiben derzeit die Stadtwerke Schwerin.

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