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Ein Jahr nach den ersten Messungen werden elf Anlagen im Bereich Bernau-Nibelungen/Albertshof nachts gedrosselt, weil sie die genehmigten Schallleistungspegel überschreiten.

Windkraft
Vidas Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Unangenehme Geräuschkulisse: Die Klagen der Anwohner in der Nähe von Windkraftanlagen wie hier in Albertshof reißen nicht ab.
Unangenehme Geräuschkulisse: Die Klagen der Anwohner in der Nähe von Windkraftanlagen wie hier in Albertshof reißen nicht ab. © Foto: Sergej Scheibe
Sabine Rakitin / 22.11.2019, 17:50 Uhr - Aktualisiert 23.11.2019, 18:05
Bernau (MOZ) Fast auf den Tag genau vor einem Jahr wurden durch Mitarbeiter des Landesamtes für Umwelt Überwachungs-Immissionsmessungen an den Windkraftanlagen nahe Bernau-Nibelungen, Albertshof und Thaerfelde durchgeführt.

Die Forderung nach den Messungen hatte der Bernauer Stadtverordnete Péter Vida (BVB/Freie Wähler) auf den Weg gebracht, denn die Beschwerden der Anwohner von Nibelungen über Lärmbelästigungen durch die Windräder rissen nicht ab. Damals konnte das Landesumweltamt "eine Überschreitung der in dem Genehmigungsverfahren geprüften maßgeblichen Immissionsrichtwerte" nicht feststellen. Allerdings hatte die Behörde im Außenbereich "tieffrequente Geräuschimmissionen" gemeldet. Sie kündigte im April dieses Jahres an, weitere Untersuchungen durchführen zu wollen. Diesmal sollte es um Innenraummessungen gehen.

Am 5. und 10. September war es soweit: Ein in Berlin zugelassenes Institut führte an zwei Windkraftanlagen jeweils im offenen und im reduzierten Betriebsmodus Lärmmessungen durch. Nach Auswertung der Ergebnisse stellte das Landesumweltamt fest, "dass in beiden Betriebsweisen die genehmigten Schallleistungspegel überschritten werden". Und die Behörde ging noch einen Schritt weiter: "Durch Übertragung der Messergebnisse auf die nicht vermessenen Anlagen ist hier ebenfalls von einer Überschreitung der Pegel auszugehen", stellte sie fest. Die elf Windkraftanlagen bei Nibelungen müssen nun nachts gedrosselt werden. Außerdem wird der Hersteller technische Lärmschutzvorkehrungen an den Anlagen austauschen. Erst, wenn durch eine weitere Vermessung nachgewiesen wird, dass die genehmigten maximalen Schallleistungspegel eingehalten werden, wird die Drosselung der Anlagen wieder aufgehoben.

"Unsere Hartnäckigkeit war berechtigt", sagt Péter Vida. Entgegen aller Beschwichtigungen musste das Landesumwelt nun einräumen, dass die Immissionsbelastungen von 11 bei Nibelungen stehenden Windrädern die Grenzwerte überschreiten. "Damit steht fest, was lange geleugnet wurde: Aufgrund der dichten Bebauung in der Nähe von Wohnsiedlungen kommt es zu gesundheitsgefährdenden Lärmbelastungen", zieht der Kommunal- und Landespolitiker sein Fazit.

Vida fordert weitere Messungen

Eine Drosselung der elf Windkraftanlagen in den Nachtstunden genüge aber nicht. "BVB/Freie Wähler fordert darüber hinaus eine sofortige Messung aller in der Nähe von Bernauer Wohnsiedlungen errichteten Anlagen", heißt es in einer Presseerklärung Vidas. "Es besteht eine hinreichende Sorge zur Gesundheitsgefährdung der Anwohner, sodass ein weiteres Vertrösten unzumutbar ist." Aus landespolitischer Sicht brauche es "mehr denn je die Festlegung einer verbindlichen Abstandsregelung zur Wohnbebauung, und zwar in zehnfacher Höhe der Anlage", erneuert der Landtagsfraktionschef die Forderung von BVB/Freie Wähler.

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HElga Ehresmann 24.11.2019 - 11:26:46

Hartnäckigkeit nicht nur in Bernau

Seit gut 10 Jahren wird die DIN 45680 überarbeitet, zumindest wird das behauptet… Wir haben vor Jahren zuhauf Einwendungen und Anregungen zur Überarbeitung geschrieben und freundliche zustimmende Antworten der DIN-Kommission erhalten. Auch zu unserer Forderung, dass Messungen im Infraschallbereich nicht bei 10 Hz oder auch bei 8 Hz enden dürfen, wie zuletzt zugestanden wurde, sondern dass der gesamte Infraschallbereich abgedeckt werden muss, da viele Organe im Bereich von 0 bis 10 Hz ihre Eigenfrequenzen haben und somit durch Infraschall gleicher Frequenzen besonders gefährdet sind. Das wissen natürlich auch die Beamten in den Umweltämtern und Genehmigungsbehörden, manche Politiker und vor allem die Windkraftbranche und sorgen dafür, dass sich im Interesse der Windkraftlobby nichts an den Messvorschriften in der DIN 45680 und der TA Lärm ändert. Immerhin haben die in der DIN-Kommission vertretenen 16 Vertreter der Landesumweltämter immer mit Abstand die Abstimmungsmehrheit… Mit der rasanten Expansion von Windenergieanlagen auf der ganzen Welt zeigt uns diese neue Technologie zunehmend, dass die menschliche Gesundheit ernsthaft bedroht ist.

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