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Barrierefreiheit
Straßenbahnkauf wird zum Geduldsspiel

Die Stadtverkehrsgesellschaft will 13 moderne Straßenbahnen ordern, um damit eine EU-Vorgabe für Barrierefreiheit im Nahverkehr umzusetzen. Derzeit hat der Verkehrsbetrieb lediglich acht barrierefreie Niederflurbahnen im Bestand.
Die Stadtverkehrsgesellschaft will 13 moderne Straßenbahnen ordern, um damit eine EU-Vorgabe für Barrierefreiheit im Nahverkehr umzusetzen. Derzeit hat der Verkehrsbetrieb lediglich acht barrierefreie Niederflurbahnen im Bestand. © Foto: Gerrit Freitag
Thomas Gutke / 22.11.2019, 20:24 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Herstellung und Auslieferung 13 neuer Niederflurbahnen an die Frankfurter Stadtverkehrsgesellschaft (SVF) verzögert sich. Hintergrund ist der Einspruch eines unterlegenen Straßenbahn-Herstellers. Die Zuschlagserteilung werde derzeit von der beim Wirtschaftsministerium angesiedelten Vergabekammer geprüft, bestätigte Christian Kuke, Geschäftsführer bei der SVF, einen entsprechenden Bericht des rbb.  "Wir rechnen in den nächsten Wochen mit einer Entscheidung", so Kuke. Die Anschaffungskosten belaufen sich für Frankfurt auf knapp 32 Millionen Euro, die größtenteils kreditfinanziert werden.

Die SVF, die jährlich rund 10 Millionen Fahrgäste befördert, hatte den Kauf zusammen mit den Verkehrsbetrieben in Brandenburg an der Havel und Cottbus ausgeschrieben. Es geht um insgesamt 45 Bahnen. Neben einem Preisvorteil erhoffen sich die Unternehmen auch günstigere Folgekosten von der gemeinsamen Beschaffung. Allerdings war der technische Abstimmungsbedarf groß. Die Veröffentlichung im Europäischen Amtsblatt liegt nunmehr eineinhalb Jahre zurück. Drei Hersteller legten bis zum Frühjahr 2019 finale Angebote vor. Die Erteilung erfolgte dann nach zuvor klar festgelegten Kriterien, "die nur einen minimalen Spielraum bei der Entscheidung lassen", so Christian Kuke.

Der SVF-Geschäftsführer zeigt sich trotz des Widerspruchs optimistisch, dass die Verträge bald unterzeichnet werden können. Und ab dem Sommer 2021 die ersten modernen Bahnen auf den Gleisen der Stadt unterwegs sein werden. Welches Unternehmen sich durchgesetzt hat, soll erst bekannt gegeben werden, sobald Rechtssicherheit besteht.

Die neuen Fahrzeuge ermöglichen auch körperlich eingeschränkten Fahrgästen die Mitfahrt. Von der Umsetzung der EU-Verordnungen für mehr Barrierefreiheit im Öffentlichen Personennahverkehr profitieren aber auch Familien mit Kinderwagen, Senioren mit Rollatoren oder Reisende mit Gepäck. Zugleich werden die Bahnen mehr Komfort bieten und geräuschärmer durch die Stadt rollen. Aktuell hat die SVF 18 Hochflurbahnen aus dem Jahr 1987 sowie acht Niederflurbahnen, Baujahr 1994, im Bestand – nur letztere sind barrierefrei.

In kleinen Schritten geht auch der barrierefreie Ausbau der Haltestellen im Stadtverkehr voran. Vor einigen Wochen ging die neue Kombi-Haltestelle in der Karl-Marx-Straße in Betrieb. Im kommenden Jahr sollen die Haltestellen am Stadion und am Anger modernisiert werden, informiert der SVF-Geschäftsführer. Umbauten seien auch an den Haltestellen in der Lebuser Vorstadt geplant, ob jedoch schon 2020, stehe noch nicht fest. Eine weitere Herausforderung seien die Haltestellen in der August-Bebel-Straße in West. "Der Raum dort ist sehr knapp, aber wir arbeiten mit der Stadt an einer vernünftigen Lösung."

Ein zwischen Stadt und SVF abgestimmtes Umbauprogramm ging Anfang 2018 von notwendigen Umbauten an über 100 Haltestellen in der Stadt aus, darunter 36 Tram- und Kombi-Haltestellen und 70 Bus-Haltestellen. Die Gesamtkosten für die Herstellung der vollständigen Barrierefreiheit an allen Haltepunkten in der Stadt wurden seinerzeit auf 12 Millionen Euro beziffert.

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Karla Paulukat 23.11.2019 - 08:58:43

Barrierefreiheit beginnt schon an der Haltestelle

Zur Barrierefreiheit gehört auch, dass ein im Rollstuhl sitzender Fahrgast beim Erreichen der Haltestelle sofort erkennen kann, wann welches Verkehrsmittel in die gewünschte Richtung fährt. Möchte man an der Haltestelle Südring in Richtung Markendorf fahren, fehlt eine elektronische Anzeigetafel. Warum? Man kann dort lediglich auf den Fahrplan im Wartehäuschen nachsehen, aber dort befinden sich keine Fahrpläne der Buslinien. In der anderen Richtung steht so einen Anzeigetafel und es werden sowohl Straßenbahnen als auch Busse, die demnächst stadteinwärts fahren, angezeigt. Hier ist dringender Handlungsbedarf angesagt.

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