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Die Unfallkommission des Landkreises Märkisch-Oderland arbeitet seit 1992 daran, gefährliche Bereiche zu entschärfen.

Sicher ist sicher
Unfallkommission und Verkehrswacht - Problemlöser im Verkehr

Geeignete Maßnahme: Den Aufbau dieser Pfeile hatte die Kommission als Reaktion auf gehäufte Unfälle an der Kreuzung der B 168 mit der L 33 in Prötzel vorgeschlagen. Seither gab es nur vier Unfälle in 2019. Ein Jahr zuvor waren es noch 13.
Geeignete Maßnahme: Den Aufbau dieser Pfeile hatte die Kommission als Reaktion auf gehäufte Unfälle an der Kreuzung der B 168 mit der L 33 in Prötzel vorgeschlagen. Seither gab es nur vier Unfälle in 2019. Ein Jahr zuvor waren es noch 13. © Foto: Gerd Markert
Martin Stralau / 22.11.2019, 20:30 Uhr
Strausberg (MOZ) Zwölf Menschen sind im Jahr 2018 bei Verkehrsunfällen in Märkisch-Oderland ums Leben gekommen, in diesem Jahr sind es bisher schon elf, sagt Uwe Wähner, Leiter der Verkehrsunfallkommission des Landkreises. Dem Gremium gehören neben der in ­Strausberg ansässigen Straßenverkehrsbehörde, deren Leiter Uwe Wähner ist, und der Polizei verschiedene Akteure (s. Infokasten) an. Ihr gemeinsames Ziel: Unfallhäufungsstellen erkennen, deren Ursachen erforschen, Lösungen für das Abstellen der Mängel benennen und kontrollieren, ob diese umgesetzt werden.

Mit dieser Arbeit tragen Wähner und seine Kommissionsmitglieder dazu bei, dass sich Statistiken wie 2015, als es 20 Unfalltote im Kreis gab, möglichst nicht wiederholen. "Das war ein schwarzes Jahr", sagt Wähner und nennt die Hauptursachen für Unfälle. "Es ist nicht die Raserei, sondern oft unangepasste Geschwindigkeit und Selbstüberschätzung", erklärt er. Auf Strecken wie der B 1, auf denen es wenige Überholmöglichkeiten gebe, führe auch ein gewisser Druck zu gefährlichen Situationen. "Irgendwann reicht es den Leuten, sie verlieren die Geduld und überholen." Hinzu komme, dass im Auto selbst viele Ablenkungsfallen locken, die zu Unaufmerksamkeit führten. "Da wird Autofahren oft zur Nebensache."

Regelmäßig Ortsbegehungen

Neben diesen Ursachen, an denen die Kommission wenig ändern kann, gibt es diejenigen, die von ihr beeinflussbar sind. "Die Polizei erstellt aus den Unfällen, die sie erfasst, Statistiken und meldet uns Unfallhäufungsstellen." Bei regelmäßigen Vor-Ort-Besuchen an diesen Stellen schaut die Kommission, welche Faktoren den oder die Unfälle begünstigen. "Das können eine fehlende Markierung sein, die schlechte Erkennbarkeit von Gefahrenstellen oder eine schlecht ausgeschilderte Kurve", sagt Wähner. "Als Unfallhäufungsstellen gelten Straßen(-bereiche), in denen jährlich mindestens fünf gleichartige Unfälle oder mindestens drei mit Personenschäden passiert sind." Bei tödlichen Unfällen oder solchen mit mehreren Schwerverletzten gibt es eine Sofortmeldung der Polizei, dann mache die Kommission in der Regel am nächsten Tag eine Begehung vor Ort, "um zu sehen, wie wir die Mängel abstellen können". Bei allen Unfallhäufungsstellen werden Maßnahmen festgelegt, die kurz-, mittel- und langfristig sein können. "Jede Entscheidung von uns wird mit der Polizei und den Straßenbaulastträgern abgestimmt." Das trifft auch auf die vier momentan im Kreis ermittelten Unfallhäufungsstellen zu, die bei der letzten Sitzung der Kommission vergangene Woche wieder Thema waren. Die Mahlsdorfer Straße in Hönow, die Ecke Köpenicker Straße/Friedrichshagener Chaussee in Hoppegarten, der Rosa-Luxemburg-Damm in Neuenhagen und die Ecke Ernst-Thälmann-/Fließstraße an der Fredersdorfer Wappeneiche. Dabei könne eine Unfallhäufungsstelle auch als solche betrachtet werden, wenn es dort mal ein Jahr keinen Unfall gab. "Die Gefährdungslage hat sich dadurch ja nicht erledigt", sagt Wähner.

Wie effektiv die Arbeit der Kommission sein kann, zeigt sich in Prötzel an der Kreuzung der B 168 mit der L 33. Wer aus Wriezen nach Müncheberg abbiegen will, muss einen ziemlich scharfen Abzweig nehmen. Um deutlicher darauf hinzuweisen, wurden Anfang dieses Jahres mehrere Pfeile angebracht, die auf die Kurve hindeuten. "Im letzten Jahr hatten wir dort noch 13 Unfälle, 2019 sind es bisher erst vier", sagt Uwe Wähner. Die gleichen Pfeile halfen auch in einer unübersichtlichen Kurve zwischen Harnekop und Platzfelde auf der L 35. 2018 gab es dort vier Unfälle mit zwei Schwerverletzten und einer getöteten Person – in diesem Jahr liegt die Zahl bei null.

Radunfälle nehmen zu

Sorge bereitet Wähner die steigende Zahl an Fahrradunfällen. Ein Schwerpunkt wurde im Rosa-Luxemburg-Damm und der Hauptstraße in Neuenhagen ausgemacht, wo es 2018 13 Unfälle gab. Die Radfahrer nutzen dort den Gehweg mit. "Dort müssen wir was ändern", sagt Wähner. Am Montag ist eine Begehung mit Gemeinde und Polizei geplant.

Oft fehlten Angebote für Radfahrer, sagt Wähner. "Oder sie sind vorhanden und nicht breit genug oder schlecht gestaltet." Als sinnvoll hätten sich Schutzstreifen für Radfahrer auf Straßen in Müncheberg erwiesen. "Messungen zeigen, dass die Autofahrer ihr Tempo um durchschnittlich fünf Kilometer pro Stunde verlangsamt haben."

Mitglieder derKreisunfallkommission

Die Kommission wird durch den Chef der Straßenverkehrsbehörde organisiert und geleitet. Ständige Mitglieder sind die Straßenbaulastträger, also der Landesbetrieb für Straßenwesen (zuständig für Bundes- und Landesstraßen) sowie die Straßenmeisterei in Reichenberg (Kreisstraßen), und zusätzlich jeweils die Kommunen, in denen es aktuell Probleme mit Unfällen gibt. Zu den Mitgliedern gehören außerdem die Polizei, der Fahrlehrerverband MOL, die Verkehrswacht Oderland, die Busgesellschaft mobus, bei Bedarf auch der Jagdverband und der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC). Die Unfallkommission wurde 1992 auf Erlass des Landes-Innenministeriums gegründet und tagt drei- bis viermal im Jahr. ⇥mst

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