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Seit zwölf Jahren werden Störe in die Oder gesetzt in der Hoffnung, dass sie irgendwann zum Laichen wiederkommen.

Wiederansiedlung
Hoffnung auf ein Wiedersehen im Erwachsenenalter

Ab in die Freiheit: Fischer Lutz Zimmermann, Jörn Gessner vom Leibnitz-Institut für Wasserökologie und Binnenfischerei und Michael Tautenhahn vom Nationalpark Unteres Odertal (v.l.) setzen Jungstöre in der Oder aus, die zur Wiederansiedlung aufgezogen wurden.
Ab in die Freiheit: Fischer Lutz Zimmermann, Jörn Gessner vom Leibnitz-Institut für Wasserökologie und Binnenfischerei und Michael Tautenhahn vom Nationalpark Unteres Odertal (v.l.) setzen Jungstöre in der Oder aus, die zur Wiederansiedlung aufgezogen wurden. © Foto: Oliver Voigt
Michael Dietrich / 22.11.2019, 20:30 Uhr
Stützkow (MOZ) Etwa 1500 Jungstöre wurden am Donnerstag bei Stützkow in die Strömung der kalten Oder entlassen. Es sind die letzten von insgesamt 25 000 Stören, die Nationalpark-Fischer Lutz Zimmermann in diesem Jahr mühevoll aufzogen hat, um sie anschließend in die Freiheit zu entlassen. Diese Arbeit und ein nagelneuer Aufzuchtcontainer, der mittlerweile einen alten ersetzt und die Kapazität verdreifacht, wird betreut von der Gesellschaft zur Rettung des Störs und größtenteils mit Fördermitteln der EU finanziert.

Sender informieren über Routen

Der Störeinsatz ist seit Jahren bekannt. Seit 2007 werden regelmäßig Jungstöre in unterschiedlichen Größen in die Oder gesetzt. Auch größere Exemplare, die von Wissenschaftlern mit kleinen Sendern ausgestattet wurden, die den Forschern Aufschluss über die Wanderrouten der Fische geben sollen.

Mittlerweile hat  die Zahl der ausgesetzten Stören die Zahl von zwei Millionen überschritten. "Wir haben die Hoffnung, zumindest einige von ihnen irgendwann wiederzusehen, wenn sie sich auf den Weg flussaufwärts zum Laichen machen", erklärt Projektleiter Jörn Gessner. Doch dafür braucht das Projekt und brauchen die beteiligten Partner einen langen Atem. Erst nach zwölf Jahren sind männliche Störe geschlechtsreif, die Weibchen gar erst nach fünfzehn Jahren. Mit Fängen der ersten wilden Männchen rechnen die Wissenschaftler also bereits ab kommendem Jahr. "Mit jedem Jahr steigt die Wahrscheinlichkeit. Möglich, dass die ersten geschlechtsreifen Störe polnischen Fischern in der Klützer Querfahrt in die Netze geraten", so Michael Tautenhahn vom Nationalpark, der als studierter Fischwissenschaftler das Projekt begleitet. "Es wurden in der Oder und ihren Zuflüssen einige Stellen festgestellt, an denen die Störe günstige Bedingungen für die Eiablage finden. Aber natürlich wissen wir nicht, ob es klappt. Es bleibt eine große Hoffnung, dass die Wiederansiedlung so gelingt."

Störe können bis zu fünf Meter lang und 120 Jahre alt werden Der letzte Störfang in der Oder ist Ende der 1960er-Jahre belegt, seither gilt der Fisch als verschollen und ausgestorben. Als Gründe für sein Verschwinden werden die intensive Fischerei und Wasserbauten genannt, die die Wanderung der Störe behindern.

Europa- und Atlantik-Störe

Die Europäischen Störe, die vor 50 Jahren noch in Ostsee und Oder vorkamen, waren übrigens selbst nur Einwanderer. Die Wissenschaftler haben an Gentests an  Museumspräparaten nachweisen können, dass ursprünglich der Atlantische Stör die Ostsee bevölkerte, später aber vom Europäischen Stör verdrängt wurde. Atlantische Störe kommen heute noch vor Kanadas Küste vor. Mit ihnen hoffen die Forscher auf gute Chancen zur Wiederansiedlung.

Einige Jungtiere fingen Fischern bereits. Interessant werden Fänge aber erst, wenn es sich um geschlechtsreife Tiere handelt. Die Jungstöre werden extra in Oderwasser aufgezogen, um sie auf den speziellen Wassergeschmack und -geruch zu prägen, als wären sie dort geschlüpft.

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