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Die Bahn will das alte und leere Stellwerk am Bahnhof Passow wegreißen. Doch die Gemeinde sieht das gar nicht gern.

Eigentumsfrage
Abriss oder Sanierung

Stein oder vielmehr Holz des Anstoßes: Dieses Dienstgebäude soll erst in den 1930er-Jahren angebaut worden sein. Man könnte es später vielleicht doch noch nutzen, so die Gemeindevertreter von Passow. Also kein Abriss.
Stein oder vielmehr Holz des Anstoßes: Dieses Dienstgebäude soll erst in den 1930er-Jahren angebaut worden sein. Man könnte es später vielleicht doch noch nutzen, so die Gemeindevertreter von Passow. Also kein Abriss. © Foto: Oliver Voigt
Oliver Schwers / 27.11.2019, 06:15 Uhr
Passow (MOZ) Zu den architektonischen Glanzleistungen zählt der Stellwerksanbau am denkmalgeschützten Bahnhof nicht gerade. Das sich in Fach-werkoptik deutlich vom eigentlichen Empfangsgebäude abgrenzende Diensthäuschen ist verriegelt und verrammelt. Schon lange benötigt die Deutsche Bahn den in den 1930er-Jahren angefügten Vorbau nicht mehr. Also weg damit – so die Entscheidung der Planer. Die brauchen Platz für den Umbau des Bahnhofsareals im Zuge der lang ersehnten Streckensanierung zwischen Passow und Stettin. Doch so lieb den Gemeindevertretern die Ertüchtigung der Linie auch ist, so teuer ist ihnen offenbar das Mini-Stellwerk.

Denn es gehört dem Dorf. Entgegen der Behauptung der Bahn, dass sich der Anbau in Unternehmenseigentum befindet, legt die Gemeinde nun einen Grundbuchauszug vor. Der besagt, dass der Kommune nicht nur das erworbene historische Empfangsgebäude gehört, sondern eben auch der Holzvorbau mit Außentreppe. Hier befand sich einst ein Arbeitsplatz für das Stellwerk W1. Später betrieb die Bahn darin noch technische Anlagen. Jetzt vergammelt der Bau.

Anbau ist nicht stilgerecht

Die Planer wollen aber Baufreiheit für die Gleise und argumentieren mit dem nicht stilgerechten Charakter. Immerhin ist der Bahnhof an der über 175 Jahre alten Strecke einer der wenigen in komplettem Originalzustand. Wenn auch mit deutlichen Alterserscheinungen, unschönen Flecken und Leerstand. Wozu also der untypische Zusatz?

Eben weil es ein Denkmal darstellt, müsse auch der nachträglich errichtete Anbau bleiben. Also kein Abriss – so die Entscheidung der Gemeindevertreter. Außerdem wollen sie schon gefragt werden, wenn es um ihr Eigentum geht, so der Tenor. Was will das Dorf damit, wenn selbst der große Bahnhof leer ist? Möglicherweise könne man dort mal ein Café oder einen Imbiss einrichten, so die vagen Gedanken in eine bessere Bahnzukunft.

"Wir wollen aber auf keinen Fall dem zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke im Wege stehen", beeilt sich Bürgermeister Silvio Moritz zu versichern. Wenn es gar nicht anders geht, müsse man eben noch einmal über die Sache reden.

Ungewisse Zukunft

Ohnehin gibt es momentan keine eindeutige Perspektive für das Empfangsgebäude. Zwar stand nach Angaben des Bürgermeisters ein Interessent für eine Entwicklung des gesamten Geländes zur Verfügung, der aber in der Zwischenzeit wieder abgesprungen ist. Nun bleibt abzuwarten, wie sich Dorf und Planer zum Stellwerksanbau einigen. Das derzeit laufende offizielle Anhörungsverfahren dient dazu, alle beteiligten Behörden in die Planfeststellung des umfangreichen Streckenausbaus einzubinden und Hinweise abzuwägen.

Denkmalschutzgesichert

Auch ein modernerer Anbau kann den Charakter eines Denkmals unterstützen. Das ist die Ansicht der Unteren Denkmalbehörde der Uckermark. Das Gebäude stellt demnach einen wichtigen Teil der Bahnhofsgeschichte dar, zeigt es doch die Entwicklung des technischen Fortschritts, wozu eben modernere Stellwerke nötig waren. Die Behörde ist damit ebenso wie die Gemeinde gegen einen Abriss.⇥os

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