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Trödel
Ein Sammler mit Herz und Seele

Chemische Helfer: In einem Raum seines Hauses bewahrt Frank Krüger zahlreiche Mittel auf, die er zum Restaurieren alter Möbel, antiker Spielzeuge und anderer in die Jahre gekommener Sammlerstücke benötigt.
Chemische Helfer: In einem Raum seines Hauses bewahrt Frank Krüger zahlreiche Mittel auf, die er zum Restaurieren alter Möbel, antiker Spielzeuge und anderer in die Jahre gekommener Sammlerstücke benötigt. © Foto: Jürgen Rammelt
Jürgen Rammelt / 04.12.2019, 09:47 Uhr
Rheinsberg Egal, ob es sich um alte Möbel, um nostalgische Spielsachen und Haushaltsgeräte oder historische Werkzeuge handelt, wenn der Rheinsberger Frank Krüger so etwas entdeckt, schlägt sein Sammlerherz höher. Deshalb nutzt er alle  Möglichkeiten, um auf Dachböden, in Schuppen,  Nebengelassen und Kellern nach solchen Dingen zu suchen. Auch erreichen ihn gelegentlich Anrufe von Menschen, die ihn in Nachlassangelegenheiten konsultieren.

"Für alte Sachen habe ich mich schon als Kind interessiert", berichtet der heute 59-Jährige, der vor der Wende beim Feriendienst der Gewerkschaften (FDGB) als Urlauberbetreuer arbeitete. Mit den Feriengästen unternahm er damals  Fahrradtouren, führte sie durch den Schlosspark und gestaltete Diavorträge, bei denen er eigene, in der Region aufgenommene Motive zeigte.

Gelernt hat der gebürtige Rheinsberger den Beruf des Kfz-Schlossers. Doch das ist lange her. Von seiner Großmutter mütterlicherseits, die zur Familie des stadtbekannten Architekten und Baumeisters Paul Gundlach gehörte, erbte Frank Krüger das Haus in der Paulstraße. Es ist eine Art Stadtvilla, die seit 1991 unter Denkmalschutz steht. In dem imposanten zweigeschossigen Gebäude wohnt der Rheinsberger mit seiner Familie. Er hat zwei Kinder.

Ferienwohnung mit Flair

Im Kellergeschoss und unter dem Dach hat er Ferienwohnungen eingerichtet. Wie könnte es anders sein: Das gesamte Interieur stammt aus einer Zeit, in der vermutlich Krügers Ururgroßeltern gewohnt haben könnten. Im ausgebauten Dachgeschoss gibt es aber auch ein Feriendomizil im DDR-Ambiente, das bei Urlaubern immer wieder auf Begeisterung stößt, wie im Gästebuch nachzulesen ist. Doch zum eigentlichen Refugium von Frank Krüger gehören die Werkstatt und ein Verkaufsraum. Im ersteren Gebäude auf dem Hof steht zurzeit ein hölzernes Schaukelpferd aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Das gute Stück befand sich auf einem Dachboden in Zühlen. "Als ich zur Langen Nacht der Künste einige meiner gesammelten Werkzeuge ausstellte, sprach mich jemand an und erzählte mir von alten Handwerksgeräten, die er veräußern möchte", berichtet der Antiquitätensammler. Das weckte sofort sein Interesse und man wurde sich einig. Jetzt möchte Frank Krüger das nostalgische Holztier zu neuem Leben erwecken. Ganz einfach wird das nicht. Der Schweif des Pferdes muss erneuert werden und die Mähne fehlt gänzlich. "Doch das gibt es alles zu kaufen", berichtet der Hobbyrestaurator. Außerdem gibt es im Holz einige Bruch- und Fehlstellen, die repariert und wieder gefüllt werden müssen, bevor am Ende mit einer neuen Bemalung wieder ein Schmuckstück dasteht.

Doch das Schaukelpferd ist nicht das einzige Exponat, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht. An den Wänden hängen unzählige Werkzeuge zur Holzbearbeitung, von denen einige mehr als 150 Jahre alt sind.  Auch ein kunstvoller Amboss, der auf einem ehemaligen Fleischhackklotz thront, ist zu bestaunen. "Er wurde um 1600  gegossen", erklärt Krüger, der als Zugabe noch eine 200 Jahre alte geschmiedete Tuchschneiderschere präsentiert. Und er zeigt, dass sie noch genauso Stoffe trennt, als wenn sie erst gestern geschärft wurde.

Antikes bis unter die Decke

Dann gewährt er noch einen Blick in den Nebenraum, in dem ein großer Schrank mit Chemikalien und Restaurierungsmitteln aller Art steht. Durch diese erhalten die Möbel, Truhen, Bilderrahmen, Leuchter und Spielzeuge den letzten Schliff. Und dafür benötigt der Fachmann schon die unterschiedlichsten Beizen, Füllstoffe, Wachse, Schellack und Reinigungsmittel. Die letzte Station in Frank Krügers Reich ist der Verkaufsraum, der aus allen Nähten platzt. Bis unter die Decke ist er mit mehr oder weniger kostbaren Dingen gefüllt. Es ist ein Sammelsurium an Möbeln, Stoffen, antiken Bildern und anderen nostalgischen Dingen. Da gibt es zum Beispiel eine handgezeichnete historische Landkarte aus dem Jahr 1835 genauso wie Fotografien und Gemälde, die im 19. Jahrhundert entstanden sind. Auch zwei alte Dampfmaschinen im Spielzeugformat, die sogar noch funktionieren, ziehen Aufmerksamkeit auf sich. Wenn man Wasser auffüllt und den Dampferzeuger mittels Spiritus beheizt, werden die Maschinen zum Laufen gebracht. Aber auch eine sogenannte Influenzmaschine, mit der elektrische Blitze erzeugt werden können, sowie ein handgeschriebener Ehevertrag aus dem Jahr 1681 stehen in Krügers Sammlung.

Eher etwas versteckt steht ein Kasten aus edlem Holz mit eingearbeiteten Blumenintarsien, der sich als ein Polyphon entpuppt. Es ist ein selbstspielendes mechanisches Musikinstrument. Die Funktionsweise ist simpel: Bleche mit eingestanzten Löchern bringen einen Stahlzungenkamm zum Klingen. Auch ein überdimensionaler Passagenkoffer mit kompletter Inneneinrichtung, mit dem Reisende früher unter anderem per Schiff den Atlantik überquerten, sucht einen neuen Eigentümer.

Info-Kasten

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel

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