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Christian Toll tauscht für einen Tag seinen Job mit Chemiepädagogen an Angermünder Schulen und macht Naturwissenschaft erlebar.

Berufsorientierung
Apotheker hinterm Lehrertisch

Praxis in der Schule: Apotheker Christian Toll experimentiert mit Schüler Luca-Pascal  Lahr im Chemieunterricht des Angermünder Einstein-Gymnasiums. Mit diesem praxisnahen Unterricht soll auch für Berufe im Apothekenwesen geworben werden.
Praxis in der Schule: Apotheker Christian Toll experimentiert mit Schüler Luca-Pascal  Lahr im Chemieunterricht des Angermünder Einstein-Gymnasiums. Mit diesem praxisnahen Unterricht soll auch für Berufe im Apothekenwesen geworben werden. © Foto: Daniela Windolff
Daniela Windolff / 05.12.2019, 06:45 Uhr
Angermünde (MOZ) Warum kann man mit Cola rostige Nägel säubern? Wie lässt sich mit Bier die Wirkung von Medikamenten nachweisen? Und warum darf nicht jeder Händler Arzneimittel verkaufen? Um diese und viele weitere Fragen drehte sich ein besonderer Chemieunterricht im Angermünder Einstein-Gymnasium. Chemielehrerin Heike Boche tauschte für einen Tag das Lehrerpult mit Apotheker Christian Toll, der mit den Schülern experimentierte und dabei vielen spannenden Fragen des Alltags auf den Grund ging, die demonstrierten, wie viel Chemie uns jeden Tag begegnet, von der Cola bis zu Tabletten gegen Blähungen.

Fachkräfte fehlen

Zum zweiten Mal beteiligt sich der Angermünder Apotheker an der Aktion der Landesapothekenkammer, die Berufsorientierung in den Schulen fördern will, um frühzeitig Fachkräftenachwuchs zu sichern. Der fehlt auch zunehmend in den Apotheken. "Viele Berufskollegen stehen kurz vor dem Ruhestand und Nachwuchs wird dringend gebraucht", bestätigt Christian Toll. Der Inhaber der Hirsch- und der Alten Apotheke in Angermünde beschäftigt insgesamt 18 Mitarbeiter und bildet auch aus. Doch das Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern schwindet bei vielen jungen Leuten. Dagegen steuert auch das Einstein-Gymnasium mit seiner Ausrichtung als ausgezeichnete MINT-Schule, die sie in diesem Jahr erneut verteidigen konnte. "Für uns als Schule sind solche Angebote durch externe Referenten sehr willkommen, weil sie den Unterricht auflockern und den Blick der Schüler erweitern und zeigen, dass wir hier nicht lebensfern unterrichten", erklärt Heike Boche.

Bunte Pillen, würzige Teedrogen, Cola, Bier ... alles ist Chemie, also Wirkung und Wechselwirkung von Stoffen, wird den Schülern bei den Experimenten verständlich. Die Phosphorsäure in Cola wandelt Rost chemisch um in Eisenphosphat. Die Inhaltsstoffe des bekannten Medikamentes Lefax lösen die Gasbläschen im Bier auf. So wirkt es auch bei Blähungen im Darm. Und Plötzlich ist Chemie gar nicht mehr so abstrakt und langweilig. Luca-Pascal Lahr hat dadurch sogar Interesse gefunden, ein Praktikum in der Hirsch-Apotheke zu absolvieren. "Ich  kann mir vorstellen, auch beruflich in diese Richtung zu gehen", sagt der Neuntklässler. Darum geht es auch Christian Toll: "Man kann nicht abwarten, dass die Jugendlichen von alleine kommen, sondern muss sie interessieren und ihnen zeigen, welche Zukunfts-Perspektiven sie auch hier vor Ort haben." Und so stellt er auch anschaulich die verschiedenen Berufsbilder der Apotheker, der Pharmazeutisch-technischen Assistenten und der pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten vor, die in Apotheken ausgebildet werden und erklärt, was zu deren Alltag gehört, welche Verantwortung und welche vielfältigen Jobchancen sie haben. "Apotheker ist ein Beruf mit Zukunft, sie wird es immer geben", sagt Christian Toll. Sie können in öffentlichen Apotheken, in Krankenhausapotheken, in der Forschung, in Prüfinstituten, bei der Bundeswehr oder in der pharmazeutischen Industrie arbeiten und finden daher fast an jedem Ort einen Job. Wer in den Berufsalltag schnuppern möchte, kann ein Praktikum in der Apotheke machen und jederzeit zu mir kommen und Fragen stellen", betont Christian Toll, der immer wieder gern in die Schulen kommt. Neben dem Gymnasium war er in diesem Jahr erstmals in der Freien Oberschule zu Gast.

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