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Christian Rapp fertigt für Sonntag den Mühlenbecher. Und am 22. Dezember lädt er zum letzten Weihnachtsmarkt ein.

Letzte Chance Chorin
Keramiker lädt zum letzten Weihnachtsmarkt

Viola Petersson / 05.12.2019, 06:45 Uhr
Chorin (MOZ) Das Grundstück liegt nur wenige Meter von der vielbefahrenen Landesstraße 200 entfernt. Und doch mitten im Wald. Angermünder Chaussee 5. Ein Hinweisschild "Keramikwerkstatt" weist den Weg. Den Weg zu Christian Rapp. Das Schild gibt es erst seit kur-zem. Seine Werkstatt dort schon seit fast 35 Jahren.

Der Keramiker begrüßt uns in seinem "Heiligtum". In Arbeitsmontur, kurzärmelig. Es ist kuschelig warm in der Werkstatt. Christian Rapp hat gerade gebrannt. Er öffnet den Ofen und zeigt auf das bis oben gefüllte Innere. Vasen, Tassen, Krüge, Eierbecher. Dicht an dicht. In den Regalen stehen dutzende weiterer Gefäße, die auf den ersten Brand warten. Darunter hundert Mühlenbecher, die bis Sonntag zum Weihnachtskunstmarkt am Zainhammer fertig sein müssen. Ja, es sieht nach Arbeit aus. "Die Vorweihnachtszeit ist schon die umsatzstärkste Zeit", bestätigt Rapp sogleich. Also Hochbetrieb. Aber irgendwie ist es auch gemütlich zwischen Ofen, Drehscheiben und Tonrollen. Künstleridylle?

Nach Romantik sah es 1985, als Rapps das Grundstück entdeckten, mitnichten aus. Christian Rapp erinnert sich: Das Wohnhaus stand seinerzeit schon länger leer. "Das Obergeschoss war baupolizeilich gesperrt." Kein Bad, kein Komfort. Nichts.  Und trotzdem entschieden sich der Keramiker und seine Frau für eben jenes Anwesen, bei alten Chorinern auch als "Nettelhof" bekannt. Rapp erkannte das Potenzial. Die Möglichkeit, in den alten Stallungen eine Werkstatt einrichten zu können. Das Paar kaufte das Grundstück von der Gemeinde und begann das Wohnhaus peu à peu zu sanieren. Viel in Eigenleistung. Zentrale Wasserversorgung, Klärgrube, Heizung, Bad ... Und die Werkstatt.

Nach der Wende sollte eben jenes Refugium im Wald den Rapps aber noch viele schlaflose Nächte bereiten. Die Erben des einstigen Eigentümers machten Ansprüche geltend, ein jahrelanger Rechtsstreit folgte. Rapp erklärt die Hintergründe, die Geschichte des Anwesens: Der promovierte Lebensmittelchemikant Carl Dormeyer, der in den 1920er-Jahren in Berlin eine Limonadenfabrik betrieb, hatte es als Altersruhesitz für sich errichtet. Um 1946 starb Dormeyer, der als Hobby-Historiker einen Klosterführer verfasst hat, er wurde auf dem Friedhof in Chorin beigesetzt. Die Witwe ging nach Westberlin.

Doch das ist längst Geschichte. Christian Rapps jüngste Investition: Er hat auf dem Grundstück einen modernen Verkaufsraum geschaffen. Trotz aller Schwierigkeiten sagt der 57-Jährige: Töpfer, sein Traum seit Kindheits- bzw. Jugendtagen, sei ein "toller Beruf". Er vereine Handwerk und künstlerische Option. Funktionalität und Lebendigkeit.

Fusion von Handwerk und Kunst

Was der Handwerker und Künstler damit meint, wird beim Blick auf sein Sortiment deutlich: Gebrauchskeramik mit der Rappschen Handschrift. Etwa Sprüchetassen oder "bemalte" Becher. Zwei bis drei Tonnen Ton verarbeite er jedes Jahr. Trotzdem ist irgendwie jede Arbeit ein Unikat. "Es braucht Jahre, bis die Hände das drehen, das machen, was der Kopf ersinnt", sagt der Meister, den bewundernden Blick des Laien auf die Drehscheibe spürend. Ein wenig Überraschung sei aber auch für ihn immer dabei. Vor allem, wenn er die Keramiken aus dem zweiten, dem Holzofen holt.

Dabei gehen dem gebürtigen Rostocker offenbar die Ideen nicht aus. Im kommenden Jahr will er sich noch stärker der künstlerischen Seite des Berufs widmen. Christian Rapp träumt von einem Skulpturengarten. Unter der Hausnummer 5.

Last-minute-Markt: ab fünf vor zwölf am 22. Dezember in der Keramikwerkstatt Rapp, Angermünder Chaussee 5 in Chorin, mit dabei u. a. auch Andreas Bogdain und Catrin Sternberg

Vier Weihnachtsfragen an Christian Rapp

Ihr Lieblingslied? Es ist ein Ros entsprungen.

Was kommt zum Fest auf den Tisch? Sonst kam eigentlich immer Ente oder Gans mit selbst gemachtem Rotkohl auf den Tisch. Vielleicht machen wir diesmal etwas anderes.

Wie schmücken Sie den Baum? Ganz traditionell. Mit echten Kerzen, am besten Bienenwachskerzen, kein Lametta, dafür viele Strohsterne. Und der Baum muss groß sein, mindestens drei Meter. Wahrscheinlich wird es eine Edeltanne.

Ihr Wunsch? Ein friedlicher Tag für alle Menschen.⇥red

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