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Integration im Arbeitsmarkt
Firmenchef Daniel Weniger aus Bamme holte sich schwerbehinderten Mann ins Team

Daniel Weniger, Chef der LK Kompressoren und Drucklufttechnik in Bamme, entschied sich bewusst für Michael Jablonka (3. v.l.), der seit Beginn dieses Jahres das Team der Monteure verstärkt.
Daniel Weniger, Chef der LK Kompressoren und Drucklufttechnik in Bamme, entschied sich bewusst für Michael Jablonka (3. v.l.), der seit Beginn dieses Jahres das Team der Monteure verstärkt. © Foto: Manuela Bohm
Manuela Bohm / 05.12.2019, 10:22 Uhr
Bamme (MOZ) Den 3. Dezember haben die Vereinten Nationen 1993 zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung ausgerufen. Die Agentur für Arbeit Neuruppin nimmt diesen Tag jährlich zum Anlass, in ihrer "Woche der Menschen mit Behinderung" auf bestimmte Fälle aufmerksam zu machen und Menschen, Arbeitnehmer wie Arbeitgeber, vorzustellen.

Für sein kleines Unternehmen ließ Daniel Weniger eine Werkhalle in Bamme bauen. Sechs Leuten, inklusive Chef, gibt das Unternehmen  LK Kompressoren und Drucklufttechnik  ein Auskommen. Zu ihnen zählt seit Februar Michael Jabloka. 15 Jahre war er zuvor in einem Unternehmen beschäftigt, das sich mit Hydraulik befasst. Als ihm die Arbeitslosigkeit drohte, meldete er sich bei der Agentur für Arbeit. Zu diesem Zeitpunkte suchte das Bammer Unternehmen längst einen neuen Kollegen.

Peggy Weniger, Ehefrau des Inhabers und als Sekretärin in der Firma angestellt, erreichte einen engagierten Arbeitsvermittler. Der brachte Firma und Arbeitskraft zusammen und schaltete Sabine Haase ein. Sie berät Unternehmen, die Schwerbehinderte einstellen wollen. Als Träger eines implantierten Defibrillators gilt Jabloka als schwerbehindert.

"Wir wollen Vorurteilen begegnen, die Arbeitgeber immer noch veranlassen, Menschen mit Behinderungen abzulehnen", heißt es von der Agentur für Arbeit. Zudem erhalten die Unternehmen Unterstützung. Während der zweimonatigen Probearbeit Jablokas kam die Agentur für seinen Lohn und die entstehenden Lohnnebenkosten auf.

"Das Probearbeiten war toll für uns und den Arbeitnehmer. Beide Seiten konnten schauen, ob es menschlich passt, und ob er sich die Arbeit zutraut", so Weniger. Nach den zwei Monaten ist der Neue direkt eingestiegen, die vier Monteure des Bammer Unternehmens sind immer im Zweipack unterwegs.

Neben den Lohnkosten gewährt das sogenannte Integrationsamt der Agentur für Arbeit Neuruppin zusätzlich Zuschüsse für Arbeitsmittel. Wegen des Defibrillators kann Michael Jablonka nicht in jedes Unternehmen, das zu den Kunden von LK Kompressoren und Drucklufttechnik zählt. Damit er in solchen Fällen dennoch sinnvoll beschäftigt ist und mobil bleibt, wurde ein weiteres Firmen-Fahrzeug angeschafft - dabei gab es finanzielle Unterstützung durch das Integrationsamt.

"Es ist ein Irrglaube, dass der besondere Kündigungsschutz für schwerbehinderte Menschen sie unkündbar macht", weiß Peggy Weniger. Indessen machte sie nicht die Erfahrung, dass diese Arbeitnehmer häufiger krank oder weniger belastbar sind. "Ältere und auch schwerbehinderte Menschen würde ich immer wieder einstellen", sagte sie. Das Unternehmen mache mit seinen erfahrenen Mitarbeitern und auch mit Michael Jablonka gute Erfahrungen. "Sie sind zuverlässiger und motivierter", so Weniger.

Michael Jablonka ist dankbar für die Möglichkeiten, die das Bammer Unternehmen ihm bietet. "Anfangs konnte ich erfahren, wobei Luft überall gebraucht wird und ein Kompressor steht", so Jablonka. Etwa bei Zahnärzten, in Kfz-Werkstätten, sogar in Schweine- und Kuhställen, unterstützen Kompressoren und Drucklufttechnik unterschiedlichster Anlagen die Arbeit. "Jeden Tag lerne ich etwas Neues - es ist ein toller Job", zeigte sich der Ü50-Angestellte begeistert.

Fachspezifische Erfahrungen brachte Jablonka mit, dafür ist Chef Daniel Weniger dankbar, denn einen spezifischen Ausbildungsberuf gibt es für die Tätigkeit nicht, die seine Monteure ausüben. Für Arbeiten an Drucklufttechnik brauche man Kenntnisse aus verschiedenen Bereichen, etwa der Steuerungstechnik, Elektrotechnik, Hydraulik und Mechanik.  "Am weitgehendsten sind wohl Industrie-Mechatroniker dazu ausgebildet. Aber ein Anlernen ist unverzichtbar. Bis zu zwei Jahre laufen neue Mitarbeiter mit", so Weniger. Seit zehn Jahren wartet, repariert und verkauft er Druckluft-Anlagen und Kompressoren. Großkunden sind Unternehmen wie Energy from Waste (EEW), Domo und Jacobi in Premnitz. Dazu kommen kleinere Firmen und Biogasanlagen in Rathenow sowie in der näheren und weiteren Umgebung.

Schwerbehindert AA-Unterstützung

Unternehmen, die Menschen einstellen, die als schwerbehindert gelten, können auf verschiedene Hilfen der Agentur für Arbeit Neuruppin zurückgreifen. Dazu zählen u.a. Beratung zur Gestaltung des Arbeitsplatzes, Zuschüsse zur Vergütung des Arbeitnehmers, Finanzierung der Probebeschäftigung, Eingliederungszuschuss

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