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Im Stadtteil Finow ist die Bäckerei Dellinger eine bekannte Adresse. Und auch darüber hinaus kein Geheimtipp mehr.

Familienbetrieb
Eberswalder Traditionsbäckerei im Adventsstress

Sven Klamann / 06.12.2019, 06:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Dieser Duft! Wer den von außen eher unscheinbaren Laden betritt und nicht gerade an einer Erkältung leidet, die seinen Geruchssinn beeinträchtigt, ist schier überwältigt. Und bekommt sofort Lust auf Christstollen, Lebkuchenherzen und Dominosteine. Wie gut, dass Bäckermeister Frank Dellinger (52) all diese und weitere weihnachtliche Leckerbissen nach von seinem Vater Wolfgang Dellinger (72) übernommenen Rezepten selbst herstellt. In Handarbeit und zu nachtschlafender Zeit.

Wer bei all den süßen Verführungen einen Rat braucht, um genau das Richtige für die Kaffeetafel oder zum Naschen zwischendurch mit nach Hause zu nehmen, ist bei Iris Dellinger (68), der Frau von Wolfgang und der Mama von Frank, goldrichtig.  Meist steht sie hinter der Verkaufstheke und ist für ihre Kundschaft da.

Die Bäckerei Dellinger ist ein echter Familienbetrieb mit  einer Tradition, die bis 1978 zurückreicht. Doch schon lange vorher waren an dieser Adresse Brot, Brötchen, Kuchen und Torten verkauft worden – in der alten Finowern nach wie vor bekannten Bäckerei Voigt. Vor 41 Jahren hat Dellinger-Senior deren Nachfolge angetreten. "Kurz zuvor war von der Obrigkeit in der DDR entschieden worden, dass private Handwerksbetriebe wieder erwünscht sind", erzählt Iris Dellinger, die sich als mithelfende Ehefrau und Mutter bezeichnet, von den Männern ihrer Familie allerdings als die gute Seele gewürdigt wird.

Nach Finow hat die Dellingers eine Anzeige in der Bäckerzeitung gelockt, in der die Übernahme der Bäckerei Voigt angepriesen wurde. Zuvor hatte das Paar mit seinem heranwachsenden Sohn in Brandenburg an der Havel gelebt. Wolfgang Dellinger, Bäcker und Koch, war im dortigen Walzwerk beschäftigt gewesen – als Leiter der Großküche und sogar als Kranfahrer. "Aber mein Herz schlug stets fürs Handwerk", blickt der Wahl-Eberswalder zurück, der seit 1982 Bäcker- und Konditormeister ist, nach wie vor in der Backstube hilft, vor allem aber den Verkaufswagen fährt, der dienstags und freitags auf dem Wochenmarkt im Zentrum zu finden ist.

Dominosteine heiß begehrt

Vor der Wende habe es in den Bäckereien nicht selten an der einen oder anderen Zutat gefehlt, sagt Iris Dellinger. Die Mangelwirtschaft sei vorbei, dafür gebe es jetzt andere Probleme. "Die Billigpreise der industriell produzierten Backwaren in den Supermärkten machen uns zu schaffen. Die überbordende Bürokratie kostet uns Nerven. Und es gibt zu wenige motivierte Arbeitskräfte", fasst die Seniorchefin die größten Baustellen zusammen.

All dies spürt Frank Dellinger am eigenen Leib. 16 bis 17 Stunden steht der Inhaber, der zur Wendezeit seinen Meister machte und das Geschäft 2010 übernahm, täglich in der Backstube. "Meist falle ich gegen 13, 14 Uhr erschöpft ins Bett", verrät der Bäcker, bevor er ein Blech Kekse in den Ofen schiebt. Soziale Kontakte? Fehlanzeige! "Ich liebe meinen Beruf trotz allem. Und bin glücklich über die Hilfe meiner Eltern", sagt Frank Dellinger.

Die treue Stammkundschaft weiß den unermüdlichen Einsatz aller am Familienbetrieb Beteiligter zu schätzen. Und kauft wenigstens die Dominosteine in Massen. Bei den Christstollen wird eher auf den Preis geschaut. Doch wer die Meisterwerke kostet, ist hellauf begeistert.

Vier Weihnachtsfragen an Iris Dellinger

Ihr Lieblingslied? Da kommen gleich mehrere Lieder infrage. Ganz klassisch zum Beispiel "Morgen, Kinder, wird’s was geben" oder "Leise rieselt der Schnee". Oder etwas neuer "Last Christmas".

Was kommt zum Fest auf den Tisch? Heiligabend Kartoffelsalat mit Würstchen. Am ersten Feiertag gehen wir traditionell essen. Am zweiten Feiertag gibt es vermutlich Ente mit Orangensoße.

Wie schmücken Sie den Baum? Traditionell. Aber jedes Jahr ein wenig anders. Gern rot-silber.

Ihr Wunsch? Frieden auf der Welt. Und  für uns ein wenig Ruhe.⇥red

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