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Neu in der Stadt: eine Rhythmuswerkstatt. Hier lernen die Kinder weit mehr als nur das plumpe Schlagen.

Musik
Rhythmuswerkstatt in Eberswalde eröffnet

Unterricht am Schlagzeug. Zu den Schülern von Ulf Hoffmann gehört Wanja (10). Darüber hinaus bietet Hoffmann Workshops und Projekte an, etwa Rhythmustraining, und er repariert Instrumente in seiner Werkstatt auf dem Rofin-Park (Haus 28).
Unterricht am Schlagzeug. Zu den Schülern von Ulf Hoffmann gehört Wanja (10). Darüber hinaus bietet Hoffmann Workshops und Projekte an, etwa Rhythmustraining, und er repariert Instrumente in seiner Werkstatt auf dem Rofin-Park (Haus 28). © Foto: Thomas Burckhardt/MOZ
Viola Petersson / 06.12.2019, 06:30 Uhr
Eberswalde (MOZ) Musik? Nichts für mich. Ich habe kein Rhythmusgefühl." Das hört Ulf Hoffmann öfter. Und widerspricht prompt. "Leben ist Rhythmus." Herzschlag, Puls, Atmung, Schrittfolge. Alles ist Rhythmus. "Ohne Rhythmus wärest du tot, entgegne ich immer", so der 42-jähriger Wahl-Eberswalder, der vor wenigen Monaten eine Rhythmuswerkstatt eröffnet hat, in der wir ihn besuchen. Kurz bevor heute sein erster Schüler kommt. Eine Werkstatt für Kinder und Jugendliche, die Schlagzeug oder Perkussion lernen wollen. Aber eben auch für Menschen, die lernen wollen, den Rhythmus zu spüren. Oder die ihren Emotionen Raum geben wollen.

Gefühle umwandeln. Genauso fing es bei Ulf Hoffmann vor vielen Jahren an. Am Schlagzeug konnte er seine Anspannung nach dem Unterricht rauslassen. Eine Hochschule hat Hoffmann, gebürtiger Hallenser, nie besucht. Auch keine Musikschule. "Ich bin Autodidakt", so Hoffmann, der sich mit der Rhythmuswerkstatt auf dem Rofin-Park selbstständig gemacht hat. "Ich bin jetzt seit genau 18 Jahren in Eberswalde. Bin sozusagen hier volljährig geworden. Und dachte, das wäre ein guter Zeitpunkt, um diesen Schritt zu gehen." Um die Leidenschaft, der er seit 30 Jahren frönt, zum Beruf zu machen.

Von Metal bis Mittelalter

Trommelworkshops habe er auch vorher schon gegeben. In der Zeit als Sozialpädagoge. "Ich war nach dem Studium etliche Jahre in der Jugend- und Familienhilfe tätig", erzählt der Musiker. Unter anderem im Jugend- und Freizeitzentrum "Offi" in Bad Freienwalde. Und zuletzt in der Bildungseinrichtung Buckow. Vor dem Aufbau seiner Werkstatt habe er noch eine Weiterbildung für Musiktherapie absolviert. Musik und Rhythmus, so Hoffmanns Erfahrung, eignen sich sehr gut beispielsweise für Entspannungsübungen.

Und Bandprojekte? "Ich habe eigentlich immer in Bands gespielt, klar." Am Anfang Punk, Rock, Metal. Später auch mittelalterliche Musik. "Ich war zehn Jahre bei Spilwut, bei Roman Streisand." Dort habe er viel gelernt. Von Rhythmik und professioneller Bühnenkunst. Zu den neuen Projekten gehört das Eberswalder Salsa-Kombinat "Les Jabates". Den Kreisstädtern unter anderem von der "Offene Bühne" im Herbst oder aktuell vom Weihnachtsmarkt bekannt. In einer Band zu spielen, sei einfach etwas anderes. "Du musst lernen, dich zurückzunehmen, zu reduzieren." Aber es mache natürlich auch viel Spaß, das Miteinander.

Spaß, den die Zuhörer bei Konzerten, etwa jüngst bei "Guten Morgen, Eberswalde", oder seine Schüler spüren. "Ich kann bis heute nicht richtig oder nicht perfekt vom Blatt spielen", gesteht Hoffmann. Dafür experimentiere er sehr gern. Auch mit neuen Instrumenten. Der Wahl-Eberswalder gibt eine kleine Kostprobe. Auf der Djembe, der afrikanischen Trommel, auf einem Cajon, einer aus Peru stammenden Kistentrommel, der Rahmentrommel, Steel drum, Handpan oder Shaker. Nein, Schlagzeug und Perkussion müssen nicht immer laut sein. Es geht auch ganz leise. Und in einer schier unglaublichen Klangvielfalt.

Das wolle er künftig auch gern in Projekten an Kitas, Schulen und Seniorenheimen vermitteln, verrät er. Doch jetzt ist Schluss mit der Vorrede. Sein Schüler kommt, der zehnjährige Wanja aus Niederfinow. Vater Rolf Simpfendörfer bringt ihn. Ihm gefalle die "lockere Art" des Unterrichts, sagt er. Hoffmann bestätigt: Er habe keinen klassischen Unterrichtsplan. Er wisse, wo die Schüler stehen. Darauf baue er jeweils auf. Und schaue auf die Stimmung. "Es passiert ganz viel nebenbei. Fühlen, denken, träumen." Das sei ihm wichtig.

Und schon geht’s los. Wanja, der täglich zuhause begeistert übt, stellt das Schlagzeug ein. Kopfhörer auf. "Wir fangen mit dem Grundbeat an ..."

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