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Fußball
SV Althüttendorf kassiert Strafe nach Spielabbruch

Britta Gallrein / 06.12.2019, 11:00 Uhr
Althüttendorf (MOZ) Einen solchen Fall hatten wir noch nie", so der Staffelleiter der Kreisliga Ost, Bernd Jünemann. "Wenn so etwas Schule macht – nicht auszudenken." Auch Jünemann war daher Montagabend zur Sitzung des Sportgerichts des Fußballkreises Oberhavel/Barnim gekommen, das sich mit dem "Fall Althüttendorf" beschäftigte.

Was war passiert? Am 10. November hatte der SV Althüttendorf die Reserve des FSV Schorfheide Joachimsthal zum Kreisliga-Spiel zu Gast. Ein Nachbarschafts-Derby mit Brisanz, das traditionell immer gut besucht ist. So auch diesmal. Als Hauptschiedsrichter war Marius Pröchtel angesetzt, der als 17-Jähriger bereits bis Landesklasse pfeift.

Hart, aber nicht unsportlich

"Es war ein ganz normales Fußballspiel, von der Zweikampfführung engagiert, aber nicht grob unsportlich", schilderte Pröchtel vor dem Sportgericht unter der Leitung von Detlef Rudolph die Situation auf dem Althüttendorfer Sportplatz.

Sein Assistent Frank Breuer berichtete, die Gastgeber hätten schon vor Spielbeginn die Sorge geäußert, dass Spieler verletzt werden könnten. Es habe schon harte Zweikämpfe gegeben. "Aber nichts, was zwingend mit Gelb hätte bestraft werden müssen." Die Unmutsäußerungen von Seiten der Althüttendorfer Bank hätten sich jedoch im Laufe der ersten Hälfte gesteigert.

In der Halbzeitbesprechung, so Breuer, habe er dem jüngeren Hauptschiedsrichter Pröchtel dazu geraten, etwas stärker gegen Fouls vorzugehen, damit das Spiel nicht kippe und mehr mit gelben Karten zu arbeiten.

Auch in der Kabine der Althüttendorfer gab es zu dieser Zeit Redebedarf. Die Spieler, schildert Co-Trainer René Bockisch, der als Zeuge geladen war, hätten Angst um ihre Gesundheit gehabt. "Es wurden mehrere Spieler verletzt", sagte Bockisch. "Was kann ich denn als Trainer tun, um meine Spieler zu schützen? Wir machen Freizeitsport und da kann es nicht sein, dass Spieler mutwillig verletzt werden." Zumal es, so Bockisch, schon in den vergangenen Jahren bei Spielen gegen den Nachbarn aus Joachimsthal zu übertriebener Härte gekommen sei, die nicht von den Schiedsrichtern geahndet wurde. An der Stelle wurde es Staffelleiter Bernd Jünemann dann doch zu bunt: "Dann hättet ihr euch einfach schon früher an mich wenden können. Ich hätte zum Beispiel einen Schiedsrichterbeobachter zum Spiel schicken können", gab er zu bedenken.

Trainer wollten abwarten

Co-Trainer René Bockisch schilderte auch, dass ein Joachimsthaler Spieler, der bereits im Vorfeld wegen mehrerer Fouls aufgefallen war, beim Torjubel in Richtung der Althüttendorfer Bank gelaufen sei und diese unflätig beschimpft habe.

Dies, wie auch den Vorwurf angeblich rassistischer Beleidigungen von Joachimsthalern gegen ausländische Spieler, konnten jedoch in der Verhandlung weder die Schiedsrichter noch der Joachimsthaler Kapitän bestätigen.

Bereits in der Halbzeit hätten daher einige Spieler geäußert, nicht weiter spielen zu wollen, erklärte Bockisch. "Wir als Trainer haben gesagt: Lasst uns weiter spielen und sehen, wie es sich entwickelt."

Abbruch kam überraschend

Doch die Entwicklung in Halbzeit 2 war aus Althüttendorfer Sicht offenbar auch besser, auch wenn Schiedsrichter Pröchtel jetzt einige gelbe Karten verteilte. In der 77. Minute pfiff Referee Pröchtel nach Foul an einem Althüttendorfer Freistoß für die Gastgeber. Doch dann die Überraschung. "Der derzeitige Kapitän der Mannschaft, Marwin Müller, kam zu mir", berichtet Pröchtel. Müller habe ihm erklärt, seine Mannschaft werde in den Spielen gegen Joachimsthal seit Jahren benachteiligt, spiele immer gegen zwölf Mann. Sie fühle sich ungerecht behandelt und werde jetzt das Spielfeld verlassen. "Ich habe mehrfach nachgefragt, ob das wirklich ihr ernst sei, aber er blieb bei seiner Meinung. Da habe ich das Spiel abgebrochen", berichtet Marius Pröchtel. Die Trainer hätten nicht versucht, den Spielabbruch zu verhindern.

Das Sportgericht ahndete das Verhalten des SV Althüttendorf vergleichsweise milde. Das Spiel wird mit 4:1 für Joachimsthal gewertet, dem Spielstand beim Spielabbruch. Der SC Althüttendorf muss eine Geldstrafe von 250 Euro zahlen und trägt die Verhandlungskosten. Trainer Carsten Bolle ist bis zum 31. Dezember 2019 gesperrt und muss als verantwortlicher Trainer 100 Euro Geldstrafe zahlen. "Auch wenn sich der Umgang auf unseren Sportplätzen in letzter Zeit schwer verändert hat, gibt es doch immer noch den Fair-Play-Gedanken" so Sportgerichts-Vorsitzender Detlef Rudolph. "Es war eine unsportliche Sache, das Spiel abzubrechen, egal wie die Spielleitung war", betonte er.

Einsicht am Ende

Zum milden Urteil hatte offenbar auch das Abschlusswort von Althüttendorfs Trainer Carsten Bolle beigetragen, der sich einsichtig zeigte. "Ich erkenne an, dass wir uns als Verein in dieser Situation falsch verhalten haben. Wir waren als Trainer in dem Moment vielleicht auch wenig überfordert. Ich kann mich dafür nur entschuldigen." Der SV Althüttendorf nahm das Urteil an und wird keine Rechtsmittel einlegen.

Aus diesen Gründen kann abgebrochen werden:

Grundsätzlich kann nur ein Schiedsrichter ein Spiel abbrechen, so die Regeln des Deutschen Fußballbundes. Ein Spielabbruch kann wegen Veränderung der Rahmenbedingungen, also zum Beispiel Verschlechterung des Wetters erfolgen. Weitere Gründe sind unter anderem Zuschauer auf dem Spielfeld, Angriffe durch Spieler, nicht mehr zu kontrollierende Rudelbildung oder wenn eine Mannschaft durch Verletzungen so weit reduziert ist, dass weniger als sieben Spieler auf dem Feld stehen.

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