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Die Straußenfarm in Hohenfinow liegt am Weg zum Liebenstein. Der Hofladen befindet sich hinter der Hausnummer 8.

Straußenfarm
Hohenfinow beherbergt eine tierische Kolonie

Unter dem Folientunnel ist es schön warm. Die Jungtiere fühlen sich dort wohl, auch wenn es regnet sind sie hier geschützt. Ausgewachsene Tiere können bis zu 14 Jahre alt werden.
Unter dem Folientunnel ist es schön warm. Die Jungtiere fühlen sich dort wohl, auch wenn es regnet sind sie hier geschützt. Ausgewachsene Tiere können bis zu 14 Jahre alt werden. © Foto: Heike Wähner
Heike Wähner / 06.12.2019, 07:00 Uhr
Hohenfinow Das erste Mal in diesem Dezember ist Frost. In der Nacht hat sich Raureif sich auf die Bäume gelegt. Die hundert Jahre alte Lindenallee, die zur Straußenfarm am Liebenstein in Hohenfinow führt, hat einen silbernen Glanz. Rechterhand liegen die Felder in der Sonne. Die Strauße spazieren in ihren Gehegen.

Es ist 10 Uhr und Steffen Krampitz, der Chef von derzeit 57 Straußen, ist gerade mit dem Füttern und Ausmisten fertig. Für die MOZ öffnet er noch einmal die Türen zu den Gehegen und den Ställen der Tiere. Die Vögel schauen mit ihren langen Hälsen neugierig über die Absperrung. Ja, was ist denn heute los? Dabei interessieren sie sich scheinbar für alles. Für Jackenärmel, Handy und Notizbuch und auch für die Bommel an der Pudelmütze.

Steffen Krampitz schmunzelt. "Besonders schlau sind die Tiere aber nicht", sagt er. Ihr Gehirn sei schließlich kleiner als ihre Augen. Auch dressieren oder zähmen könne man Strauße nicht. "Ihr Revier aber verteidigen sie mit Vehemenz", betont er. Die Angriffslust der bis zu über zwei Meter großen Vögel kann schon mal gefährlich werden. Gut, dass Steffen Krampitz ihr Verhalten kennt: "Erst stellen sie die Flügel hoch, dann fangen sie an zu fauchen und dann treten sie." Die Vögel haben nur einen großen Zeh auf dem sie stehen und der ist mit einer scharfen Kralle ausgestattet. Um diese nicht zu spüren zu bekommen, mistet Steffen Krampitz die Gehege auch erst aus, wenn die Vögel mit ihrem Futter beschäftigt sind. Während sie fressen, kann er sich in Ruhe durch den Freilauf bewegen und die Schubkarre mit Straußenkot füllen.

Frisch aus dem Oderbruch

Frühstückszeit für die Strauße ist derzeit um 7 Uhr. Die Vögel orientieren sich am Stand der Sonne und schlafen im Winter einfach ein bisschen länger. Beneidenswert, denn für Steffen Krampitz klingelt der Wecker bereits um halb 6 Uhr. Er startet in den Tag mit einem Frühstück, Marmeladenbrötchen, Kaffee und der MOZ.

Für seine Strauße deckt er den Frühstückstisch allerdings ein bisschen anders. Auf der Speisekarte der Vögel steht eine Futtermischung aus Weizen, Hafer und Gerste. Den Weizen baut Steffen Krampitz auf rund zwei Hektar zum Teil selbst an. Hafer und Gerste bezieht er von einem Bauern aus dem Oderbruch. Neben dem Getreide gibt es für die Vögel auch kleingehäckseltes Heu, das immer noch nach Sommerwiesen riecht, zu fressen. "Das Heu produzieren wir selbst", sagt Steffen Krampitz. Dafür mäht der Landwirt kleinere Flächen rund um Hohenfinow. Der Clou auf der Speisekarte der Strauße aber sind Kieselsteine. Wirklich, die Tiere fressen Steine. "Die Steine liegen im Magen und zermahlen das Fressen", erklärt Steffen Krampitz. Schließlich haben die Tiere zwar einen kräftigen Schnabel, aber keine Zähne zum Kauen. Das oft beschriebene Völlegefühl scheinen die Vögel dabei nicht zu kennen. Unter einem halbrunden Folientunnel, dem sogenannten Kükenzelt, haben sich ein Dutzend Jungvögel versammelt. Die Sonne hat die Luft darunter aufgewärmt. Früher gehörte das Foliendach zu einer Gärtnerei und es sind Tomaten darunter gewachsen, verrät Steffen Krampitz.

Bei den Jungvögeln, die in diesem Sommer ab Anfang Juni geschlüpft sind, kann der Landwirt noch nicht unterscheiden, ob es Hähne oder Hennen sind. Das braungeschipperte Gefieder ist im Jugendkleid gleich. Später werden die Männer schwarz und die Damen grau aussehen. Die Tiere auf der Staußenfarm werden mindestens 14 Monate alt. "Alle haben bei uns Geburtstag", sagt Steffen Krampitz. Der Landwirt, der zu DDR-Zeiten Facharbeiter für Tierproduktion gelernt hat, hat mit dem Schlachten der eigenen Tiere, die er dafür nach Lunow fährt, kein Problem. Auch das gehört eben zu seiner Arbeit. Vermarktet wird das rote, cholesterinarme Fleisch in Form von Wurst, Schinken und Bratenstücken. Auch Straußenschmalz bietet der Hofladen an. Im Hofladen werden ebenso Straußeneier verkauft.

Wurst, Schinken, Teelichter

Eines davon hat die Sandkruger Künstlerin Christiane Gohlke mit dem Hohenfinower Schloss bemalt. Andere Eier sind als Teelichte gestaltet, die in der Adventszeit eine schöne Stimmung zaubern. Taschen und Gürtel aus Straußenleder sind ebenso erhältlich.

Info: Das nächste Mal öffnet der Hofladen übrigens außer der Reihe am 17. Dezember. Dann sind die Hohenfinower ab 18 Uhr eingeladen bei Lagerfeuer, Glühwein und Straußenschmalzstullen die Vorweihnachtszeit zu genießen.

Vier Weihnachtsfragen an Steffen Krampitz

Was ist ihr Lieblingslied?O du Fröhliche, nach der Christvesper an Heiligabend

Was kommt zum Fest auf den Tisch?Ich hoffe, dass meine Frau Straußenbraten mit Grünkohl und Thüringer Klößen zubereitet.

Wie schmücken Sie den Baum?Rote Kugeln und wenig Lametta

Ihr Weihnachtswunsch?Gesundheit

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