Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Vor 20 Jahren starben vier Kinder und ein Busfahrer bei einem schweren Busunglück zwischen Buchholz und Altlandsberg.

Schulwegsicherheit
Busunglück 1999: Nach Altlandsberg reicht es bis heute

Das geht gar nicht! In der "Busschule", hier 2018 im Barnim, wird Schulanfängern das richtige Verhalten in den Verkehrsmitteln beigebracht, um die Sicherheit zu erhöhen. Das Angebot können alle 40 Schulen im  mobus-Einzugsgebiet wahrnehmen.
Das geht gar nicht! In der "Busschule", hier 2018 im Barnim, wird Schulanfängern das richtige Verhalten in den Verkehrsmitteln beigebracht, um die Sicherheit zu erhöhen. Das Angebot können alle 40 Schulen im mobus-Einzugsgebiet wahrnehmen. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Gabriele Rataj, Thomas Berger / 07.12.2019, 09:00 Uhr - Aktualisiert 07.12.2019, 10:23
Altlandsberg (MOZ) Bevor sie zu Gesprächen mit den Eltern künftiger Siebtklässler in die Schule fuhr, hat Heidelind Uhlig am Sonnabend einen Kranz niedergelegt. Eine traurige Tradition an diesem Datum 30. November. "Viele Eltern haben bis heute nicht damit abgeschlossen", sagt die Rektorin der Stadtschule Altlandsberg. Auch sie findet es wichtig, an das 20 Jahre zurückliegende Schulbusunglück zu erinnern, bei dem vier Kinder – Schüler ihrer Schule – und der Busfahrer starben.

Fast zeitgleich zu Fassungslosigkeit und Trauer, Wut und Verzweiflung, einsetzender Ursachensuche, Schuldzuweisungen, Gutachten, Urteilen und Enttäuschungen wurde an Runden Tischen teils hoch emotional über Sicherheit an Haltestellen und in Bussen diskutiert und Politiker redeten über schnelle, möglichst praktikable Lösungen.

Modelle zur Begleitung der Fahrschüler in Linienbussen wurden entwickelt, der Bundesverband der Omnibusunternehmer sprach sich für Aufpasser an Haltestellen aus, Forderungen nach Tempolimit 60 und Gurtpflicht im Schülerverkehr kamen auf.

Zwei Jahrzehnte später ist das damals für ein Jahr bewilligte Pilotprojekt von Arbeitsamt Strausberg und Steremat Beschäftigungsgesellschaft für acht Busbegleiter lange schon Vergangenheit. Eingreifmöglichkeiten von Aufsichtspersonen scheiterten an rechtlichen Schranken, Aufpasser an Haltestellen gibt es ebenso wenig wie ausreichend Lehrer an Schulen. An eine Gurtausstattung von Bussen, die Schüler transportieren, ist nicht zu denken.

Daniel Kunath, Geschäftsführer der mobus Märkisch-Oderland Bus GmbH, die im Auftrag des Landkreises mit dem ÖPNV auch die Schülerbeförderung übernommen hat, ist zu jung, um von dem Unglück vor 20 Jahren Kenntnis zu haben. In Sachen Gurtpflicht verweist er auf den Gesetzgeber, der solches einzig für Überlandbusse festlegt. Im Linienbus, den die Mehrzahl zu transportierender Schüler nutzt, geht es um zügiges Ein- und Aussteigen, Tempolimit 60 gelte nur bei stehenden Personen im Gang.

In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten sei indes das Berufskraftfahrer-Qualifizierungsgesetz geschaffen worden, sagt er. Das verpflichte auch jeden der 130 bei mobus in der Region eingesetzten Busfahrer zur jährlichen Teilnahme an einer Modulschulung durch zertifizierte Fahrschulen, wo u. a. auch der Umgang mit Stress- und Crashsituationen trainiert wird. Sonst verlören sie ihre Fahrerlaubnis. Außerdem stehe das Angebot "Busschule" mit Training von Verhaltensweisen der Schulanfänger am und im Bus an alle 40 Schulen im mobus-Einzugsgebiet, sagt Kunath. "Das halten wir seit drei Jahren kostenlos vor, obwohl es nicht wenig kostet." Einen ganzen Tag einen Bus mit Fahrer dafür abzustellen, bedeute jedes Mal 10 000 Euro.

Dennoch würden sich die Fahrer immer wieder Anschuldigungen ausgesetzt gesehen, sieht der mobus-Geschäftsführer auch Verpflichtungen auf anderer Seite, um ungehinderten kindlichen Bewegungsdrang in geordnete Bahnen zu lenken. "Mit der Gemeinde Rüdersdorf sind wir z. B. im Gespräch, Geländer an bestimmten Stellen zu installieren, um Gefahrenpotenzial zu senken."

Laut Statistik bleibt der Bus für den Schulweg das sicherste Verkehrsmittel. Die meisten Unfälle  passierten anders, resümiert der Chef der Kreisunfallkommission und Leiter der Verkehrswacht Märkisch-Oderland, Uwe Wähner. Aus seiner Sicht sollte vielmehr auf Elterntransporte verzichtet werden. Und da Erlerntes aus der "Busschule" leider nur kurz wirke, bleibe immer wieder das mahnende Gespräch von Eltern mit ihren Kindern.

Bei vielen Eltern wiederum, die ihre Kinder im Schulbus wissen, fahre weiterhin die Angst mit, sagt MOZ-Leserin Ines Bischoff aus Wegendorf, die eine knapp zwölfjährige Tochter hat. Aus ihrer Sicht ist "die Politik" nach wie vor gefragt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG