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Landgericht Frankfurt (Oder)
Harte Drogen statt türkischer Süßigkeiten - Prozess nach Heroinfund

Brandenburg, Frankfurt (Oder): Das Gebäude des Amts- und Landgerichts. Hier soll am Dienstag der Prozess gegen einen LKW-Fahrer, der über 650 kg Heroin von Kirgistan in die Niederlande schmuggeln wollte, beginnen.
Brandenburg, Frankfurt (Oder): Das Gebäude des Amts- und Landgerichts. Hier soll am Dienstag der Prozess gegen einen LKW-Fahrer, der über 650 kg Heroin von Kirgistan in die Niederlande schmuggeln wollte, beginnen. © Foto: Patrick Pleul/dpa
dpa / 08.12.2019, 11:24 Uhr
Frankfurt (Oder) (dpa) In einem Transporter entdeckten Zollfahnder im Mai 658 Kilo Heroin, ein Rekord für Deutschland. Jetzt kommt der Fahrer vor Gericht.

Der Tipp erwies sich als goldrichtig: Ermittler aus den Niederlanden hatten den deutschen Behörden Hinweise auf eine international agierende Bande gegeben. Dabei nannten sie auch ein Transporter aus Kirgisistan als mutmaßliches Drogenschmuggel-Fahrzeug, das kurz darauf zur Fahndung ausgeschrieben wurde. So war der Coup, der den deutschen Zollfahndern am 31. Mai auf der Autobahn 12 gelang, kein Zufall. Kurz zuvor hatte der Lastwagen mit den georgischen Kennzeichen den polnisch-deutschen Grenzübergang Frankfurt (Oder)-Autobahn überquert.

Was die Fahnder bei der Kontrolle entdeckten, überstieg sämtliche Erwartungen: 658 Kilogramm Heroin waren fein säuberlich in unzähligen kleinen Plastik-Schachteln mit der Aufschrift "Helva" oder "Turkish Delights" verpackt, getarnt als türkische Süßigkeiten. Erste Unregelmäßigkeiten wurden beim Röntgen der Ladung festgestellt. Die Ladefläche war nach Zollangaben mit einer Plombe verschlossen, angebracht bei der Einreise des Transporters in die EU an der Grenze von Weißrussland zu Litauen. Dennoch öffneten die Fahnder den Frachtraum und fanden die Schachteln mit jeweils einem bis 1,3 Kilogramm Heroin.

Laut den bisherigen Ermittlungen waren die "Süßigkeiten" in Kirgisistan präpariert worden, um sie anschließend über die sogenannte "Nordroute" über Polen und Deutschland in die Niederlande zu schmuggeln. Der türkische LKW-Fahrer soll dabei als Kurier im Auftrag Dritter fungiert haben. Wegen der Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und der Hilfe beim Handel damit muss sich der 63-Jährige von Dienstag an vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) verantworten.

Laut Untersuchungen des Bundeskriminalamtes beträgt der Reinheitsgehalt des Schmuggel-Heroins 53 Prozent. Nach Angaben der Zollfahndung Berlin-Brandenburg stammten die Drogen aus dem Iran, ihr Verkaufswert liegt zwischen 40 und 50 Millionen Euro. Bei dem Fund soll es sich um die größte Menge Heroin handeln, die jemals auf einen Schlag in Deutschland entdeckt worden ist. Ein internationales Team ermittelt laut Zollfahndungsamt noch immer zu den Banden-Hintermännern aus der organisierten Kriminalität. Da dies länderübergreifend geschehe, würde dafür viel Zeit benötigt, sagte Christian Lanninger, Sprecher des Zollfahndungsamtes.

Der Fahrer des Lasters war noch in der Nacht zum 1. Juni dieses Jahres vorläufig festgenommen worden. Seit dem befindet er sich in Untersuchungshaft. Für das Verfahren sind sechs Verhandlungstage angesetzt. Der Strafrahmen liegt laut Gericht bei Freiheitsstrafen zwischen zwei und 15 Jahren.

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