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Sicherheit
Bundeswehr in Strausberg simuliert Terrorlage

Martin Stralau / 10.12.2019, 20:19 Uhr
Strausberg (MOZ) Wer am Dienstagmorgen und -vormittag den Kreisel an der von-Hardenberg- Kaserne der Bundeswehr in der Prötzeler Chaussee passiert hat, konnte sie kaum übersehen. Soldaten, die mit Sturmgewehren bewaffnet den Eingang der Kaserne schützten. Jeder Fußgänger, der über das Tor auf das Gelände wollte, musste sich dort und in der wenige Meter entfernten Hauptwache strengen Sicherheitskontrollen unterziehen. Fahrzeuge mit Ziel von-Hardenberg-Kaserne mussten sogar einen Umweg über den Segelfliegerdamm nehmen, wo ein Checkpoint, also ein Kontrollpunkt, aufgebaut war.

Vier Gefährdungsstufen

Die Maßnahmen waren Teil einer zweitägigen Übung zur Erhöhung der militärischen Sicherheit der Bundeswehr gegen terroristische Bedrohung und Sabotage, wie ein Sprecher des Heeres vor Ort erklärte. Oberstes Ziel sei es, zu schauen, wie das militärische Personal und die Objekte der Liegenschaft im Ernstfall optimal geschützt werden könnten. "Wenn man nicht übt, kann man auch keine Schwachstellen aufdecken", sagte er.

In der Übung wurden verschiedene Gefährdungsstufen durchgespielt. Diese Stufen basieren auf Erkenntnissen von Sicherheitsbehörden, die die Bedrohungslage in Deutschland permanent analysieren. Die unterste Gefährdungsstufe sei Alpha, sagte Oberst Karl Neumann, Leiter des sechsköpfigen Teams, das die Soldaten und ihre Maßnahmen gegen terroristische Bedrohungen unter die Lupe nahm. "Alpha ist die abstrakte Terrorbedrohung, die haben wir im Grunde genommen ständig." Die nächste Stufe sei Bravo. "Hier verdichten sich die Erkenntnisse, dass terroristische Tätigkeiten in Deutschland stattfinden könnten, ohne dass man genau weiß, wo." Bei Charlie, der dritten Stufe, könne man die Gefährdung regional weitestgehend eingrenzen, während es bei der höchsten Gefährdungsstufe Delta konkrete Erkenntnisse über das Anschlagsziel gebe. Mit jeder Stufe würden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Am Dienstag wurde die Gefährdungsstufe Charlie simuliert, alles in Absprache mit dem Heer vor Ort, auch die Polizei war informiert. "Im Fokus der Überprüfung steht alles, was die Truppe durch terroristische Aktivitäten gefährden könnte", sagte Neumann. So wurden besonders sicherheitsrelevante Punkte mit zusätzlichem Personal ausgestattet – beispielsweise die Poststelle. "Hier geht es darum, kontaminierte Briefe zu identifizieren,", sagte Neumann. Als Vorsichtsmaßnahme trage das Personal daher Schutzkleidung, außerdem sei die Poststelle in einen abgelegenen Bereich verlegt worden.

Am Kontrollpunkt waren verschiedene Sicherheitsmaßnahmen aufgebaut, die Terroristen stoppen sollen. Dazu zählten Nagelbretter auf dem Boden, aber auch unter schwarzen Planen versteckte, riesige Wasserbehälter als Hindernisse. Letztere würden einen siebeneinhalb Tonnen schweren Lkw, der mit 50 Kilometern pro Stunde in sie hineinrast, nach zehn Metern zum Stehen bringen, erklärte Kasernenkommandant Ralf Martin Koch. Das hätten Tests gezeigt. Aber auch die Anlage an sich soll abschreckend wirken. Sie ist slalom-artig aufgebaut, damit niemand durch sie hindurchrasen kann.

Zwölf Stunden habe der Aufbau des Checkpoints gedauert, sagte Koch. Der Masse seiner Soldaten müsse man zwar nicht mehr erklären, wie die Überwachung an einem solchen Kontrollpunkt funktioniere, weil sie das bei Einsätzen in Afghanistan und Mali gelernt hätte. Dennoch sei die Übung wichtig, um die Abläufe unter den Soldaten im Ernstfall zu festigen. "Für uns ist es ein bisschen wie ein Trainingslager", sagte Koch, während im Hintergrund Soldaten mit an Teleskopstangen befestigten Spiegeln unter Fahrzeugen nach Sprengstoff suchten und andere mit Personenkontrollen beschäftigt waren.

Die Prüfer untersuchten auch, wie gut die Strom- und Wasserversorgung der Kaserne geschützt wird und ob die Verträge mit zivilen Wachschützern auf dem neuesten Stand sind. In ein paar Wochen gibt es einen Abschlussbericht. "Der erste Eindruck ist positiv. Das ist nicht an allen Bundeswehrstandorten so", sagte Neumann, der in Strausberg seine zwanzigste Überprüfung leitete.

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