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Gutachter präsentieren erste Ergebnisse zu den Ursachen des sinkenden Pegels. Einfluss des Wasserwerkes ist vorhanden, aber gering.

Wasserhaushalt
Klimawandel setzt dem Straussee zu

Wanderer Lothar Palm aus Berlin blickt auf den Straussee in Strausberg. Dort wo er jetzt steht, hätte er früher bis zum Bauchnabel im Wasser gestanden.
Wanderer Lothar Palm aus Berlin blickt auf den Straussee in Strausberg. Dort wo er jetzt steht, hätte er früher bis zum Bauchnabel im Wasser gestanden. © Foto: Gerd Markert
Martin Stralau / 12.12.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 13.12.2019, 07:50
Strausberg (MOZ) Die große, treibende Kraft für den sinkenden Strausseepegel ist das Klima. Genauer gesagt sind es die immer weniger werdenden, zum Teil ausbleibenden Niederschläge der vergangenen Jahre, die den durch zunehmende Verdunstung aufgrund von heißeren und längeren Sommern entstehenden Seewasserverlust nicht ausgleichen könnten. Das ist eine der Kernaussagen aus dem Vortrag von Patrick Keilholz von der DHI Wasy GmbH und Matthias Beyer von der BGD Ecosax GmbH am Dienstagabend im Klima- und Umweltausschuss.

Wasserwerk hat auch Einfluss

Die DHI Wasy arbeitet im Auftrag der Ecosax GmbH, bei der die Stadt das Gutachten zur Erforschung des Wasserrückgangs in Auftrag gegeben hat. Der Vortrag skizzierte erste Zwischen­ergebnisse. Im März soll das Gutachten, für das die Stadt 215 000 Euro aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds erhielt, in einer Bürgerversammlung der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Eine andere Kernaussage des Abends war: auch das 2014 in Betrieb genommene Wasserwerk in Spitzmühle hat einen Einfluss auf den sinkenden Pegel, "aber nicht den Entscheidenden", wie Patrick Keilholz betonte. Würde man die Entnahmemengen auf den 2011er Wert zurückfahren, Keilholz hat das in einem Wassermodell simuliert, gäbe es eine geringe Auswirkung. "Den gesamten Trend hält man damit nicht auf", sagte er.

Für ihre Analyse haben Keilholz und seine Kollegen ein Modell gebaut, das alle relevanten Daten und Faktoren  berücksichtigt, die den Wasserhaushalt beeinflussen könnten. Dazu zählen die von Menschen gemachten wie die angesprochenen Wasserentnahmen durch Pumpwerke und natürliche wie eben die Verdunstung. Das Wassermodell betrachtet ein mehr als 100 Quadratkilometer großes ober- und unterirdisches Einzugsgebiet des Straussees. Mit Hilfe des Modells haben die Experten eine Wasserbilanz für den Straussee erstellt, deren vorläufige Ergebnisse nun präsentiert wurden. Die Bilanz wird von drei Größen beeinflusst, wie Keilholz erklärte. Die Erste ist das Oberflächenwasser. "Hier haben wir die Kleine Babe sowie den Roten-Hof-Graben als Zuflüsse in den See und das Annafließ als Abfluss", sagte er. Über die letzten Jahre gesehen, sei dem See da­rüber immer mehr Wasser zu- als abgeflossen. Beim Grundwasser, der zweiten Größe, sei die Bilanz negativ, hier fließe mehr ab als zu. Die entscheidende Bilanzgröße sei das Klima, also das Verhältnis zwischen Niederschlag, der in den See fällt, und seiner Verdunstungsrate. "Der Niederschlag lag in den vergangenen Jahren zwischen einem und zwei Millionen Kubikmetern jährlich, verdunstet sind aber immer zwischen 1,7 und zwei Millionen Kubikmeter", sagte Keilholz. Der Niederschlag sei in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, im Winter wie im Sommer. Insbesondere der Niederschlag im Winter fehle bei der Grundwasserbildung im oberen, nördlichen Einzugsgebiet des Straussees, von wo ihm das Grundwasser zufließe, sagt Keilholz.

Maßnahmeplan bis März

Rechne man das Wasserdefizit aller drei Größen zusammen, bräuchte man acht bis zehn Liter pro Sekunde, die kontinuierlich zufließen müssten, um den Seewasserspiegel konstant zu halten. "Das ist ein Eimer Wasser", betonte Keilholz. Genau diesen Eimer Wasser hat der Straussee in den letzten Jahren pro Sekunde verloren. Die Frage sei, wo das benötigte Wasser herkommen könnte. "Das zu beantworten, ist unsere Aufgabe in den nächsten Monaten", sagte er. Bis März soll ein Maßnahmeplan für die Stadt erarbeitet werden. "Es gilt, die kleinen Stellschrauben zu finden, mit denen wir das System wieder in Balance bringen können." Eine realistische Möglichkeit sei, durch Grabensysteme mehr Grundwasser in den Roten-Hof-Graben zu kriegen, ihn auszubauen und zu pflegen, damit das Wasser besser vorankomme.

Frank Weber, sachkundiger Einwohner und Chef der Bürgerinitiative zur Erhaltung des Straussees, wollte noch wissen, ob gesagt werden könne, wie viel Anteil das Wasserwerk Spitzmühle am Wasserverlust von etwa einem Meter seit 2014 habe. Man könne das in Zentimeter umrechnen, sagte Keilholz. "Das wird wahrscheinlich im Endbericht auch so erfolgen. Momentan sind wir noch in der Erarbeitung", erklärte er.

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Marco Borm 12.12.2019 - 18:53:18

@Norbert Wesenberg

Zum einen ist die Studie nicht fertig, das steht ja auch im Artikel, und zum anderen steht jetzt schon fest welchen Anteil das Wasserwerk hat. Steht auch im Artikel. Nämlich "nicht den Entscheidenden".

Norbert Wesenberg 12.12.2019 - 09:56:45

"Für jede Schweinerei gibt es eine Ideologie"

Jeden Tag wird eine neue Klimasau durchs Dorf getrieben. Schließlich ist an allem, egal was, der Klimawandel Schuld. Dabei hat natürlich der fehlende Niederschlag sicherlich auch seinen Anteil. Aber welchen Anteil das Wasserwerk Spitzmühle hat, das sagt die Studie eben nicht.

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