Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Lindows Segelvereine
Gemeinsam und doch getrennt

Markus Kluge / 12.12.2019, 06:30 Uhr
Lindow (MOZ) Die Zukunft der beiden Lindower Segelsportvereine liegt heute Abend in den Händen der Stadtverordneten. Sie müssen darüber entscheiden, ob und wie die Lindower Regattasegler (LRS) und der Segel-Club Lindow (SCL) das eine städtische Wassergrundstück am Gudelacksee ab dem 1. April 2020 nutzen. Beide Vereine sollen laut einem Beschlussvorschlag der Grünen dafür eine Dachgesellschaft gründen, die das Grundstück verwaltet. Passiert das nicht, setzt die Stadt einen neutralen Verwalter ein. "Mit dieser Regelung verbindet sich die Hoffnung, dass die Stadt für lange Zeit Ruhe vor den Segelvereinen hat", heißt es in der Begründung. Denn Grün sind sich beide Vereine nicht. Zuletzt hatten CDU und FDP einen Antrag eingebracht, dass die Sportler das Grundstück gleichberechtigt nutzen können.

In der Zwickmühle

In der größten Zwickmühle befindet sich dabei Rudi Mixdorf (rechts). Der Schönberger sitzt nicht nur für die Grünen im Parlament. Er ist seit April 2018 auch Vorsitzender des SCL. Weil er in der Sache befangen ist, darf er während der Sitzung nicht mitdiskutieren und nicht über den Sachverhalt abstimmen. Er befürchtet allerdings, dass bei der heutigen Sitzung wieder viele Aspekte nicht angesprochen werden, die für die Entscheidungsfindung aber von Bedeutung seien.

Klar ist: Es gibt in der Stadt zwei Vereine. Der Segel-Club, gegründet 1957, und der 2015 gegründete LRS. Während der SCL mit der Stadt über etwa 60 Jahre einen Pachtvertrag für das Seglergelände hatte, stand der junge Verein lange ohne eigene Bleibe da. Seit ein paar Jahren darf der LRS aber eine private Fläche, die "Wiese am Forsthaus", nutzen. Auf der gibt es allerdings keine Infrastruktur für die Sportler. Vor gut einem Jahr sind die Regattasegler quasi als Untermieter mit auf das Seglergelände zum SCL gezogen, der befristet einen neuen Vertrag für zwölf Monate bekam. Dort nutzen die Regattasegler aktuell eine kleine Halle samt Clubraum, der SCL eine große Halle. Laut Vorschlag von FDP und CDU soll sich diese Situation umkehren: Der SCL soll die große Halle räumen und der LRS dort einziehen.

120 und 68 Mitglieder

Unabhängig davon, dass eine solche Aufteilung den Segel-Club vor riesige Probleme stellt, hält es Mixdorf als Kommunalpolitiker für unabdingbar, dass vor solchen Entscheidungen beide Vereine darlegen, wer wie viele Mitglieder und wie viele Boote hat. "Das habe ich bisher noch nicht gehört", so Mixdorf, dessen Verein 120 Mitglieder zählt. Der LRS hat laut dessen Vorsitzendem Tony Groche (links) aktuell 68 – darunter Jugendtrainer Eckhard Döblitz, der bis vor Kurzem noch beim SCL den Nachwuchs anleitete.

Bedauerlich findet es Mixdorf auch, dass nicht offiziell geklärt ist, was aus dem LRS-Konzept geworden ist, das für die "Wiese am Forsthaus" vorgesehen war und was bereits die Behörden beschäftigt hat. Während im Spätsommer noch darüber gesprochen wurde, dass die Regattasegler sich dort selbst einen Stützpunkt mit Fördermitteln und Spendengeldern bauen, werde heute darüber kein Wort mehr verloren. Wie Tony Groche auf RA-Nachfrage am Mittwoch sagte, ist das zu den Akten gelegt worden. Denn die Stadt hätte für die Pläne des Vereins einen Bebauungsplan aufstellen müssen, der 50 000 Euro kostet. Geld, das die Kommune nicht ausgeben will und der Verein nicht aufbringen kann.

Mixdorf macht natürlich keinen Hehl daraus, dass es in den vergangenen Monaten, in denen beide Vereine das städtische Grundstück gemeinsam genutzt haben, auch Reibungspunkte gab. "Nach meiner Meinung gibt es aber nur zwei Lösungen", sagt Mixdorf. Erstens: Jeder Verein geht seine eigenen Wege und der LRS setzt sein Konzept – eventuell auch kleiner – auf der "Wiese am Forsthaus" um. "Dann können wir auf dem städtischen Grundstück wieder investieren, wenn wir wissen, wie es weitergeht", begründet der Schönberger. Die zweite Lösung: "Die Vorstände beider Vereine treten zurück, wir bilden einen gemeinsamen Verein und lassen einen neuen Vorstand wählen, wenn wir sowieso auf einem Grundstück sind."

"Das ist aber nicht so einfach", hält LRS-Chef Groche dagegen. Nicht ohne Grund hätten sich einige Mitglieder 2015 vom SCL getrennt, um eigene Wege zu gehen. "Aber langfristig kann der Weg dorthin führen", so Groche. Denn beide Vereine würden sich nach seiner Einschätzung gut ergänzen. Während die Regattasegler auf den Wettkampfsport ausgerichtet sind, gehe es beim SCL mehr um den Freizeitsport.

Es geht um die große Halle

Dreh- und Angelpunkt ist offenbar die Nutzung der großen Halle, die nun die Regattasegler bekommen sollen. Darin lagert der SCL zig Boote, darunter einen neuen Kutter sowie viel Equipment. Das alles passe nicht in die kleine Halle, in die der SCL laut Groche aber sowieso investieren wollte. Muss der SCL die große Halle räumen, sieht Mixdorf nicht nur seinen Verein in Gefahr. Auch sämtliche Regatten, die sein Verein für 2020 geplant hat, stehen auf der Kippe, was nicht im Sinne der Stadt Lindow sein könne, die laut der heutigen Beschlussvorlage davon ausgeht, dass die neuen Regelungen "dem Lindower Segelsport in seiner Gesamtheit" zugutekommen.

Infokasten

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG