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Während der Bauarbeiten in Rüdnitz wurde der besondere Status der Verbindung von Ladeburg nach Lobetal aufgehoben.

Verkehr
Auszeit für Bernauer Fahrradstraße

Einfahrt in die Fahrradstraße: Weil der Kraftfahrzeugverkehr auf dieser Straße zunimmt, wird über bauliche Alternativen nachgedacht. Radfahrer berichten, dass sie von den Autos verdrängt werden.
Einfahrt in die Fahrradstraße: Weil der Kraftfahrzeugverkehr auf dieser Straße zunimmt, wird über bauliche Alternativen nachgedacht. Radfahrer berichten, dass sie von den Autos verdrängt werden. © Foto: Sergej Scheibe
MOZ / 12.12.2019, 06:45 Uhr
Bernau (MOZ) Seit wenigen Wochen dient die Fahrradstraße von Ladeburg nach Lobetal als Umleitungsstrecke für den Fahrzeugverkehr. Der Grund: Die Kreisstraße von Rüdnitz nach Lobetal wird ausgebaut und ist daher bis voraussichtlich Dezember 2020 für den Durchgangsverkehr komplett gesperrt. Doch nicht nur aus diesem Grund wird darüber nachgedacht, ob es nicht besser wäre, den Status der Fahrradstraße dauerhaft aufzuheben. Denn auch schon vor Sperrung der Route über Rüdnitz wurden die Rechte der Radfahrer auf der Fahrradstraße immer öfter missachtet. Die Bernauer AG Radverkehr befasste sich mit dem Thema und regte an, unterschiedliche Alternativen für den Abschnitt Ladeburg/Lobetal zu überprüfen.

So lange diese Straße als Umleitungsstrecke dient, ist ihr Status als Fahrradstraße aufgehoben, erläuterte Marcel Kerlikowsky, Leiter der Barnimer Straßenverkehrsbehörde und der Unfallkommission. Auf einer Fahrradstraße haben Radfahrer den Vorrang vor Autofahrern, dürfen beispielsweise auch nebeneinander die Straße befahren. Der Fernradweg Berlin/Usedom, der in der sechsmonatigen Hauptsaison von rund 50 000 Radfahrern genutzt wird, soll ebenfalls bis Ende 2020 verlegt werden. Die Trasse führt dann von Bernau über Rüdnitz nach Biesenthal.

Für Marcel Kerlikowsky ist allerdings entscheidend, dass in der Praxis die Strecke von Ladeburg nach Lobetal nicht mehr die Kriterien einer Fahrradstraße erfüllt, da die Route grundsätzlich von zu vielen Kraftfahrzeugen genutzt wird. Dies führe zu Konflikten und Gefährdungen. Die Entscheidung über den Status müsse jedoch durch den Träger der Straße, die Stadt Bernau, herbeigeführt werden. Die gut einjährige Bauzeit in Rüdnitz könne dazu genutzt werden, über den künftigen Umgang mit der Straße nachzudenken.

Autofahrer drängeln Radfahrer ab und versuchen, selbst größere Gruppen zu überholen, lautet auch die Einschätzung der AG-Teilnehmer, Bürger und Vertreter der Stadtfraktionen. Da Lobetal wächst, werden künftig noch mehr Radfahrer und Autofahrer die Straße nutzen, so dass eine Zunahme der Konflikte erwartet wird. Zugleich befürchtet die AG  durch den Umleitungsverkehr zusätzliche Straßenschäden.

Vor diesem Hintergrund empfahl Michael Klitsch, Organisator der AG, über bauliche Veränderungen der Fahrradstraße nachzudenken. Vorstellbar sei, den Radweg von der Fahrbahn abzutrennen. Fahrradstraßen seien oft allein aufgrund der Unwissenheit der Verkehrsteilnehmer gefährlich. Darüber sollte eine Debatte im Ortsentwicklungsausschuss nebst Prüfauftrag an die Verwaltung angestoßen werden.

Daneben wurden andere Möglichkeiten erwogen, zum Beispiel eine Sperrung für Kraftfahrzeuge (außer Busse), die Wiedereröffnung der Straße hinter der För-sterei oder die Einführung eines Tempo-Limits von 25 Stundenkilometern.

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Anton Hoflreicher 13.12.2019 - 13:24:28

Steuer..soso

Ok, für Krads (motosisierte Zweirräder),... aber die nicht bereits unter die "Kraftfahrzeugsteuer" fallen - also Elektroräder, E-Scooter etc. ...könnte man nachdenken. Wie soll es berechnet werden? Nach Anschaffungswert, nach (co2arme) km Leistung? Müssten best. Mensche eigentlich dann mehr bezahlen, weil sie mehr co2 ausstoßen, und wer wäre das... Aufwand/Nutzen dieser Steuer/Abgabe? Fraglich.... Dann werde ich in den Raum, für jeden km mit dem Rad eine Reduzierung der Kfz Steuer zu inkludieren. Oder die Pendlerpauschale für Radfahrer zu erhöhen....

Paul Müller 13.12.2019 - 06:25:37

Eine Fahrradsteuer, zur Finanzierung ...

... eines eigenständigen Radwegenetzes dürfte für alle Beteiligten die beste Lösung sein. So kann sich jeder Nutzer eines Krads aktiv und demokratisch, über sein Portemonnaie, in diese zusätzlich benötigte Infrastruktur einbringen.

Patrick Maziul 12.12.2019 - 23:07:56

Plakate allein...

nützen gar nichts, diese werden halt einfach ignoriert. Bauliche Maßnahmen sind hier die bessere Variante. Um den MIV (Motorisierten Individual Verkehr) heraus zu Filtern. Was ich hier im Moz Artikel lese ist echt beschämend für eine AG Radverkehr. Weder wird nach Lösungen gesucht die Radfahrenden ganz zu Schützen und so falsche Lösungen wie die Fahrradstraße zu entwidmen ist einfach Mist. Und am Rande, Schäden durch den KFZ Verkehr kennt man zu genüge. Und hier darf gerne die Fahrradstraße als echte Fahrradstraße genutzt werden, ohne Freigabe des KFZ Verkehrs. Mit Modalen Filtern. Sollen die KFZ Halter sich mal woanders eine Straße suchen, dort bitte nicht. Die Vorrangige Verkehrsart Fahrrad halte ich dort für gegeben.

Anton Hoflreicher 12.12.2019 - 11:06:50

Vielleicht kennen die wenigsten dir Regeln

...und Rechte der Radfahrer auf einer "Fahradstraße". Eine Möglichkeit (alle) Verkehrsteilnehmer direkt am Ort zu informieren ist zum Beispiel ein Plakat zum Thema Fahrradstraßen (z.B. des Stadtplanungsamt Bonn) und das Banner für Autofahrer, das erkennbar macht, das maximal Tempo 30 und nebeneinander gefahren werden darf. Ein (anderes) Tempolimit dürfte dort ebensowenig wie bisher eingehalten werden. Also sollte so oder so die Kontrolldichte vor Ort erhöht werden (Berufsschüler, Eltern, Transportunternehmen etc. fahren auch derzeit oft weiterhin zu schnell). Ob ein (teurer) Aufbau erforderlich wird, sollte weiter in den Gremien und Ausschüssen diskutiert werden, um eine passende Lösung zu finden.

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