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Die Angermünder Stadtverordneten beschließen einen höheren Zuschuss für die Uckermärkische Musik- und Kunstschule.

Finanzierung
Jährlich 31 000 Euro mehr für die Bildungsstätte

Früh übt sich: Geigenlehrerin Ruth Dynow unterrichtet an der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule auch den kleinen Emil. Die Nachfrage ist groß, sodass die Honorarlehrerin eine zweite Klasse aufmachen konnte. Jetzt kann sie auf eine bessere Bezahlung für ihre engagierte Arbeit hoffen.
Früh übt sich: Geigenlehrerin Ruth Dynow unterrichtet an der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule auch den kleinen Emil. Die Nachfrage ist groß, sodass die Honorarlehrerin eine zweite Klasse aufmachen konnte. Jetzt kann sie auf eine bessere Bezahlung für ihre engagierte Arbeit hoffen. © Foto: Daniela Windolff
Daniela Windolff / 13.12.2019, 07:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Erleichterung nach einer langen Zitterpartie: Die Uckermärkische Musik- und Kunstschule "Friedrich Wilhelm von Redern" in Angermünde bekommt mehr Geld. Ab 2020 erhöht die Stadt Angermünde ihren Zuschuss um 31 000 Euro von derzeit 26 000 auf 57 000 Euro pro Jahr.  Damit packt die Stadt die gleiche Summe drauf, um die der Landkreis Uckermark die Musikschulfinanzierung erhöhen will. Der Kreis hatte seine Erhöhung von der Beteiligung der Stadt abhängig gemacht und gefordert, dass sich beide Angermünder Musikschulen abstimmen.

Zwei Musikschulen am Ort

In Angermünde hat außerdem die Kreismusikschule eine Nebenstelle, die von Dieter Grenz, in Person zugleich Stadtverordneter der LBG, geleitet wird. Mit dem grünen Licht der Angermünder Stadtverordneten für eine Zuschusserhöhung (acht Abgeordnete enthielten sich) kann die staatlich anerkannte Musikschule in Trägerschaft des Vereins Musikfreunde Angermünde nun mit insgesamt 62 000 Euro zusätzlich pro Jahr rechnen.

Das Geld wird dringend gebraucht. Seit Jahren kämpfen der Vereinsvorstand und Musikschulleiterin Dorothea Janowski um eine gerechtere Musikschulfinanzierung, vor allem, um die engagierten und qualifizierten Lehrer halten zu können. Während die Schülerzahlen kontinuierlich steigen, aktuell genießen 420 Schüler, überwiegend Kinder und Jugendliche, hier eine musikalische Ausbildung, wird es immer schwerer, Lehrer zu gewinnen. Im Vergleich der Musikschulen im Landkreis Uckermark sind die Stundensätze der Honorarkräfte in der Redern-Musikschule am geringsten. Festanstellungen sind aus den Einnahmen der Vereinsschule derzeit gar nicht zu bezahlen.

Das hatte zur Folge, dass vor allem junge, gut qualifizierte Musikschullehrer nach der Tariferhöhung für Grundschullehrer an staatliche Grundschulen wechselten. Mit der nun beschlossenen Erhöhung der Zuschüsse kann der Trägerverein drei Lehrern eine Teilzeitanstellung anbieten und außerdem die Stundensätze für Honorarkräfte auf mindestens 25 Euro anheben. Damit kann die Musikschule, die in der Region auch durch die rege Konzerttätigkeit und hohe Qualität einen sehr guten Ruf genießt und noch mehr Lehrer einstellen könnte, zumindest für die nächsten drei Jahre in ruhigerem Fahrwasser ihre Arbeit machen und die Zukunft absichern.

Darüber ist nicht nur Musikschulleiterin Dorothea Janowski glücklich. Auch der Geschäftsführer des Landesmusikschulverbandes Brandenburg, Winnetou Sosa, begrüßt diesen Vorstoß. Er hatte die Redernmusikschule besucht, um mit der Leiterin verschiedene Probleme und Projekte zu beraten und die Gelegenheit genutzt, an der Beratung der Stadtverordneten zu diesem Thema teilzunehmen. "Ich kann Angermünde nur zu seiner lebendigen Musikschulstruktur beglückwünschen. Beide leisten gute Arbeit, wobei die Vereinsmusikschule von Redern auf jeden Fall der Motor ist", sagte Sosa und betonte: "Unterschätzen Sie nicht die weichen Standortfaktoren. Sie werden keine Ärzte oder Ingenieure ansiedeln, wenn es keine Musikschule gibt. Die bestehende Struktur und die schöne Landschaft sind exzellente Standortfaktoren." Beachtenswert sei vor allem, wie gerade hier auch viele Kinder aus sozialschwachen Familien die Musikschulangebote annehmen.

Musikbildung für alle

Mit Teilhabepaketen, Stipendien und kostenlosen Förderangeboten wie musikalische Früherziehung und Singklassen erreicht die Uckermärkische Musik- und Kunstschule eine große Breite musikalisch interessierter Kinder, die hier gefördert werden und Anerkennung und Gemeinschaft erleben.

Einfach war die Entscheidung  dennoch nicht. Lange haben die Stadtverordneten diskutiert, gerungen, auch kritisch hinterfragt, ob zwei Musikschulen in Angermünde überhaupt nötig seien. Doch letztlich hat die überzeugende Darstellung der Musikschularbeit und -finanzen und die unübersehbare öffentliche Präsenz der Schule das Gros der Abgeordneten überzeugt.

Statistik

Die Schülerzahlen der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule "Friedrich von Redern" steigen kontinuierlich. 2019 werden hier 420 Schüler unterrichtet. Im Gründungsjahr 2004 waren es 160, im Jahr 2014 über 320. Sie werden von 19 freiberuflichen Lehrkräften auf Honorarbasis unterrichtet. Zwei Lehrkräfte haben eine Teilzeitanstellung, die Leitung ist eine Festanstellung. 80 Prozent der Lehrkräfte haben einen Hochschulabschluss.Unterrichtet werden 195 Wochenstunden in zehn Fachbereichen, 80 Prozent davon ist Instrumentalunterricht. Schüler belegen zusätzlich Chor- und Ensembleunterricht. In der Puschkinschule gibt es Singklassen.⇥dw

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