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Sieben restaurierte Holz-Schilde des Geschlechts von Pfuel brachte Ortschronist Marco Thiedig in der Jahnsfelder Kirche an die Wand.

Heimatkunde
200 Jahre alte Holz-Schilde zurück in der Jahnsfelder Schlosskirche

Beim Aufhängen: Ortschronist Marco Thiedig befestigt die sieben alten von Pfuel-Holzschilde im Gotteshaus.
Beim Aufhängen: Ortschronist Marco Thiedig befestigt die sieben alten von Pfuel-Holzschilde im Gotteshaus. © Foto: Cornelia Link-Adam
Cornelia Link-Adam / 23.12.2019, 07:00 Uhr
Jahnsfelde (MOZ) Ich freue mich wahnsinnig. Mein Herz springt gerade ganz doll", sagt Marco Thiedig, als er am Samstagmittag auf der großen Leiter in der Schlosskirche von Jahnsfelde steht. Der ehrenamtliche Ortschronist hängt nacheinander die sieben alten Holzschilde des Adelsgeschlechts von Pfuel an die rechte Kirchenwand neben dem Altar. Damit sind sie nach gut 70 Jahren wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückgekehrt.

Schon zur 775-Jahrfeier enthüllt

Bereits im Juli waren von Marco Thiedig und Christa Köpp-Blodau, Pfarrerin i.R., beim Festgottesdienst anlässlich der 775-Jahrfeier des Dorfes die fast 200 Jahre alten Holztafeln enthüllt worden. Sie sind ein Geschenk vom Münchner Christian von Pfuel, Sohn des letzten Schlossbesitzers vor der Enteignung 1945. Der jetzt 77-jährige Senior hatte die Restaurierung aus der Ferne bezahlt, damit die Schilder wieder in die Kirche zurückkehren.

Dort waren sie letztmalig in den 1950er-Jahren zu sehen. Die Schilde – sie enthalten Sprüche zu den Mitgliedern des Adelsgeschlechts, geschrieben vom Dichter Friedrich de la Motte Fouqué – wurden im  Zuge von Ausräumarbeiten unglücklich mit dicker Bronzefarbe übergossen worden. Marco Thiedig hatte die Tafeln noch 1997 als 19-Jähriger im Gotteshaus in einer kleinen Kammer stehen sehen. "Dann waren sie weg." Die Holzschilde zurückzuholen, dafür kämpfte er fast zwei Jahre. "Schließlich erwähnte sie Fontane sogar in seinen Wanderungen."

Entdeckt hatte Marco Thiedig die Schilde schließlich 2017 im Nachlass eines Sammlers in Müncheberg. Der Chronist sicherte die Tafeln und ließ sie in Absprache mit Christian von Pfuel von Susanne Teich in Berlin restaurieren. Dann kamen sie im Sommer  zurück in die Kirche. "Nach der Enthüllung wurden sie erstmal in meinem alten Kinderzimmer gelagert", erzählt der 31-Jährige, hauptberuflich GEMA-Fachreferent in Berlin.

Das Aufhängen, immer wieder auch nachgefragt von Christian von Pfuel, verzögerte sich. "Die Pfarrerin Karin Bertheau wollte erst noch mit dem Gemeindekirchenrat abstimmen, ob die Tafeln wieder an die Wand dürfen", berichtet Thiedig. Er habe Infos dazu geschickt, wartete. Mehrfach fragte er seither nach, bis Ende November die Pfarrerin ihm schließlich den Auftrag gab, sich um das Projekt zu kümmern. Er telefonierte und mailte daraufhin viel mit den Behörden.

Landesdenkmalamt stimmte zu

"Innerhalb von zwei Wochen bekam ich schriftlich die Erlaubnis vom Landesamt für Denkmalpflege", erzählt der Ortschronist stolz und dankbar. Das Ziel, die Holztafeln bis Weihnachten aufzuhängen habe sich erfüllt. Jede der fast drei Kilo schweren Tafeln brachte er mithilfe von Vater Steffen Schulz und Ehemann Matthias Thiedig per Haken an die Wand. Vier oben und drei darunter – exakt so wie aufgeschrieben in Fontanes Notizbüchern.

Die zurückgekehrten Schilde bestaunten am Samstagnachmittag auch schon etliche Besucher beim Weihnachtskonzert des Müncheberger Chores in der Kirche. Veranstaltet vom Jahnsfelder Schlossparkverein, wurde dabei auch Geld für die Restaurierung des Glockengestühls gesammelt. Betrachten kann man die Tafeln aber auch Heiligabend, 17 Uhr – beim nächsten Gottesdienst.

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Dr. Gabriele Radecke 25.12.2019 - 12:00:13

Jahnsfelde in Fontanes Notizbüchern

Ein kleiner Nachtrag: Fontanes Notizbuchaufzeichnungen zu Jahnsfelde wurden an der Fontane-Arbeitsstelle der Universität Göttingen erstmals entziffert und kommentiert. Sie wurden publiziert im Notizbuch-Portal der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek und können hier kostenlos gelesen werden: https://fontane-nb.dariah.eu/edition.html?id=/xml/data/22jtq.xml&page=64v Es wäre schön, wenn dieser Hinweis noch im Artikel ergänzt werden könnte. Quelle:Theodor Fontane: Notizbücher. Digitale genetisch.kritische und kommentierte Edition. Hrsg. von Gabgriele Radecke. Göttingen 2015 ff.

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