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Märchen
"Der Schatz von Kunigunde" von Antonia Kuhnert

Antonia liest gerne die Reihen "Lotta-Leben" und "Die Schule der magischen Tiere".
Antonia liest gerne die Reihen "Lotta-Leben" und "Die Schule der magischen Tiere". © Foto: Marco Winkler
OGA / 25.12.2019, 08:30 Uhr
Bärenklau Es war einmal vor langer Zeit ein Junge namens Aladin, und ein Mädchen namens Rapunzel. Aladin lebte in….." "Okay, okay, genug gelabert, zurück ins 21. Jahrhundert. Also, ich bin Aladin und neben mir das ist Rapunzel. Das weiß doch jedes Baby."

"Nun fangen wir mit der Geschichte an", sagte Rapunzel.

"Okay, wenn’s sein muss."

"Ja, das muss sein, Aladin, denn ich bin heute noch mit Schneewittchen zum Tee verabredet."

"Ja ja, schon klar…. immer diese Hektik, also fang schon an zu erzählen."

Es war ein sonniger Tag in Oberkrämer, die Grillen zirpten, die Frösche quakten und Aladin und Rapunzel chillten gemütlich im Garten.

"Aladin, Aladin, schau mal, was in der Zeitung steht!"

"Was denn, Rapunzel?"

"Aus der Polizeiwache in Schwante ist einer der 40 Räuber ausgebrochen."

"Waaaas… aber das Gefängnis ist doch so gut gesichert!"

"Ja schon, aber es sind ja auch 39 andere Räuber zum Ablenken da!"

"Ah, stimmt. Und weißt du, warum er ausgebrochen ist?", fragte Aladin.

"Hier steht, weil er vermutlich auf der Suche nach dem verschollenen Schatz von Vehlefanz ist."

"Was für ein Schatz?", fragte Aladin.

"Na, der vom Fürst Kunigunde", antwortete Rapunzel, "hast du davon noch nie etwas gehört?"

"Nö, bei mir in ‚Tausend und einer Nacht’ gibt es sooooo viele Schätze, da habe ich diesen wohl nicht auf der Rechnung gehabt."

"Wir müssen ihn vor dem Räuber finden. Die Legende sagt, dass ihn nur gute Menschen in die Hand bekommen dürfen. Ansonsten fällt ganz Oberkrämer in einen tiefen Schlaf."

"Na, worauf wartest du dann noch? Lass uns auf meinen fliegenden Teppich springen und den Schatz suchen!" Und so flogen sie los, um nach dem Schatz von Vehlefanz zu suchen. Was sie allerdings nicht ahnten, war, dass der entflohene Räuber sie belauscht hatte und nun wusste, wem er folgen musste, und das magische Kräfte im Spiel waren. "Gut gemacht ihr beiden§, murmelte er vor sich hin, aber so, dass ihn natürlich niemand hörte.

Nachdem Aladin und Rapunzel über Oberkrämer schwebten, wurden sie das Gefühl nicht los, dass sie jemand verfolgte. Was sie aber nicht wussten: dass es der Räuber war. Mit dem Teppich umrundeten sie die Vehlefanzer Mühle. Was sie nicht ahnten, war, dass sich hier ein wichtiger Hinweis auf den Schatz von Kunigunde befand. Aladin spürte, dass sie hier landen sollten, um sich umzusehen. Sie gingen fünfmal um die Mühle herum, ohne etwas zu entdecken. "Komisch, aber mein Gefühl sagt mir, dass hier ein Hinweis sein muss", sagte Aladin.

"Mmh", machte Rapunzel und ließ Schultern und Kopf hängen, "ist unser Abenteuer schon vorbei?" Nachdenklich, und dann doch fest entschlossen, sagte Rapunzel: "Also, ich würde etwas in der Mühle verstecken". Und schon stolperten beide gemeinsam die Treppen zur Mühle hoch.

"Toll, und wie sollen wir die Tür jetzt ohne Schlüssel aufmachen?", grummelte Aladin. Doch da war Rapunzel bereits dabei, mit einer Haarklammer die Tür aufzubrechen. "Fertig", sagte sie und schon stand ihnen die Tür offen. "Aber dann hast du doch keine Haarklammer mehr für deine Haare", sagte Aladin. "Doch, noch die restlichen 500 Stück für meine etwas längeren Haare."

Als sie die Mühle durchsucht und immer noch keinen einzigen Hinweis gefunden hatten, stampfte Aladin vor Wut auf dem morschen Holzfußboden auf, wo sich auf einmal ein Holzbrett verschob und ein verstaubtes, altes Buch zum Vorschein kam. " Was ist das denn?", fragte Aladin.

"Aladin, das ist das Schatzbuch von Kunigunde. Du hast es tatsächlich gefunden", freute sich Rapunzel ganz aufgeregt. Vor lauter Freude, hörten sie jedoch nicht, dass der Räuber in der Zwischenzeit in der Tür der Mühle stand. "Ich glaube, ihr habt etwas, was ich sehr gerne haben möchte", brummte er die beiden an und probierte, das Buch Rapunzel aus der Hand zu reißen.

"Schnell, Aladin, lauf und hol‘ den fliegenden Teppich!" Dabei warf sie Aladin das Buch zu und der Räuber kam ins Straucheln. Mit dem Buch unter dem Arm rannte Aladin los. Zum Glück hatte er seine Glücksrennschuhe vom kleinen Muck an, sodass er die Treppe der Mühle im wahrsten Sinne herunterflog. Er ließ sich auf seinen Teppich fallen und gab diesem den Befehl, ans Fenster der Mühle zu fliegen. Rapunzel sprang, so schnell sie konnte, aus dem Fenster und landete bei Aladin auf dem Teppich. "Und wohin jetzt?", fragte Aladin angespannt. "Zum Mühlensee, schnell!", rief Rapunzel. "Dort hinten sehe ich die Polizei. Die kann dann den Räuber schnappen. Der Teppich landete etwas unsanft vor dem Polizeiauto, und Aladin und Rapunzel erzählten, wo sich der geflohene Räuber befindet. Ohne weiter auf die beiden zu achten, nahmen die Polizisten die Verfolgung auf.

Rapunzel und Aladin liefen, so schnell sie konnten, in den Märchenwald, wo sie sich in Ruhe das Buch mit den Hinweisen anschauen wollten. Andächtig schlugen sie das Buch auf, da es schon sehr alt war. Doch auf einmal machten Rapunzel und Aladin einen Satz zurück, als das Handy von Rapunzel einen lauten Ton von sich gab. Es war Schneewittchen! "Oh nein, das habe ich ja ganz vergessen! Ich bin ja mit Schneewittchen zum Tee verabredet", sagte Rapunzel. "Aber Rapunzel, ich dachte wir holen uns den Schatz von Kunigunde, bevor ihn jemand anderes in die Hände kriegt. Das hast du selbst gesagt." "Ja, warte kurz!" Rapunzel nahm das Gespräch an, und versuchte, Schneewittchen die Situation kurz und knapp zu schildern.

"So, Aladin, was sagt uns denn nun das Buch?"

"Ähhh, und was ist mit deiner Verabredung?"

"Tee geht immer, Schatzsuchen nicht, also was machen wir?" Rapunzel sprang entschlossen auf.

"Das Buch sagt, dass man mit dem Herzen sehen muss, um das Schimmern der Schatztruhe zu sehen."

"Du meinst mit Feenstaub und so", dachte Rapunzel laut nach.

Beide gingen am Rand des Mühlensees entlang und fragten sich, wie sie das Rätsel lösen sollten. "Achtung Sturzflug!!!!" Mit einer Staubwolke kamen vor ihnen Schneewittchen mit Zwerg 1 und 4 zum Stehen. Sie hatten sich den Hexenbesen ihrer Nachbarin geliehen und die beiden gesucht. "Hi, eine Schatzsuche ohne uns geht gar nicht", lachten die drei. Aladin und Rapunzel ließen die Schultern hängen und erzählten, dass sie gar nicht wüssten, wo sie weiter suchen sollten. Unschlüssig setzen sie sich ans Ufer. Die Zwerge reichten Kuchen und belegte Brötchen herum und meinten, dass man mit leerem Magen nicht denken könne. Aladin fragte sich, wo die Zwerge die leckeren Dinge schon wieder her hätten. Sie haben bestimmt etwas Magisches an sich. Das müsste er ein anderes Mal herausfinden. Satt legte er sich aber in die warme Sommerwiese zurück und dachte über die Worte aus dem Buch nach. Schneewittchen und Rapunzel kühlten sich die Füße im Mühlensee ab. Rapunzel quiekte urplötzlich auf. "Autsch, ich bin auf irgendetwas Hartes getreten." Und auf einmal schwamm an der Oberfläche des Wassers eine Truhe. "Ob das der Schatz von Fürst Kunigunde ist?" Die Zwerge packten mit an und die fünf setzten sich um die Truhe.

War es der sagenumwobene Schatz oder nur eine olle alte Truhe, die jemand im Wasser entsorgt hatte? Der Inhalt war kein Gold und kein Silber. Man hatte den Eindruck, dass über Generation immer wieder jemand etwas dazugetan hatte. Ja, wir sollten mit dem Herzen sehen, und zwar das, was den Menschen vor uns wichtig war. Kleine Bilder und Vasen, Umhänge, Salz und Gewürze und vieles mehr. Was glaubt ihr, haben wir hineingelegt, etwas aus unseren Märchen oder Magie der Zwerge, ein Selfie? Wenn ihr den Schatz findet, werdet ihr es wissen, denn mit dem Herzen könnt ihr alles finden und sehen, was euch wichtig ist.

Und nun gehen wir Tee trinken bei Schneewittchen. Und vielleicht kann ich euch beim nächsten Mal erzählen, wie die Zwerge das mit der Magie machen. Ach, und den Räuber hat die Polizei natürlich geschnappt. Nun sind wieder 40 Räuber eingesperrt und ... "Aladin erzähl nicht so viele Märchen, wir wollen jetzt Tee trinken!", rief Rapunzel.

Kreative Jungautorin aus Bärenklau

Eine Herausforderung sei es für Antonia Kuhnert aus Bärenklau gewesen, unter dem Motto "Orient trifft Oberhavel" eine Geschichte zu schreiben. Vom Wettbewerb, initiiert vom Landeskreis, erfuhr sie aus dieser Zeitung. "Eine Woche habe ich an dem Märchen mit Aladin und Rapunzel gearbeitet", sagt sie. "Ich musste ihre Ideen irgendwann stoppen", erinnert sich Mutter Tanja Kuhnert an die unbändige Fantasie von Antonia.

Als das Mädchen die Siegerurkunde samt Büchergutschein bekam, war sie sprachlos. "Mir bleibt wirklich nicht oft der Mund offen stehen, aber da ja", sagt die redegewandte Elfjährige.

Antonia geht in die sechste Klasse der Vehlefanzer Nashorn-Grundschule. Deutsch und Mathe sind ihre Lieblingsfächer. "Wir sind stolz auf Antonia und versuchen, ihre Kreativität zu fördern", sagt Tanja Kuhnert. Sie würde sich eine Schreibwerkstatt wünschen, an der Antonia teilnehmen kann. "Sie hat einfach das Talent dafür."

Die junge Autorin selbst tobt sich noch in anderen Bereichen kreativ aus: Sie spielt Klavier in der Musikwerkstatt Eden und tanzt in der Ballett- und Tanzschule Dance Point in Leegebruch. Ihr Berufswunsch? "Ich könnte mir vorstellen, Ärztin oder Architektin zu werden", sagt sie.⇥Marco Winkler

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