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Zwei Millionen Euro lässt sich das WSA die Reparatur des Hebewerks kosten. Dafür wird bis 1. März gesperrt.

Lifting
Frischzellenkur für Schiffshebewerk Niederfinow

Vorbereitung auf den Jahrescheck: Am 2. Januar geht das Hebewerk in die Betriebspause, mit einem großen Sanierungsprojekt. Viel Arbeit für Jörg Schumacher und sein Team.
Vorbereitung auf den Jahrescheck: Am 2. Januar geht das Hebewerk in die Betriebspause, mit einem großen Sanierungsprojekt. Viel Arbeit für Jörg Schumacher und sein Team. © Foto: Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 28.12.2019, 06:45 Uhr
Niederfinow (MOZ) Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Eberswalde nimmt noch mal richtig Geld in Hand. Gut zwei Millionen Euro investiert es in das Schiffshebewerk Niederfinow. Das alte. Damit der riesige Fahrstuhl auch mindestens die nächsten fünf, sechs Jahre reibungslos läuft. Die Zeit der Gewährleistung für den modernen Nachfolger.

Während der obligatorischen Wintersperre, die am 2. Januar beginnt und für die gut acht Wochen kalkuliert sind, soll diesmal das Traggerüst des oberen Dichtrahmens getauscht werden, erklärt Hebewerkschef Jörg Schumacher. Dabei handele es sich um ein Stahlbauteil, das seitlich und unterhalb der Kanalbrücke sitzt und für die "Andichtung" zum Trog sorgt. Es überbrücke den Spalt zwischen Kanalbrücke und Trog. Bewegt werde der Rahmen mechanisch mit 14 Spindeln. "Vor einigen Jahren hatten wir bereits den unteren Dichtrahmen erneuert", ruft Schumacher in Erinnerung. Regelmäßige Bauwerksinspektionen hätten bestätigt, dass auch das Pendant oben, das noch von 1934 stammt, verschlissen ist und dringender Handlungsbedarf besteht.

Zwei Mal schon hatte das WSA Anlauf zu diesem Wechsel genommen. Die erste Ausschreibung, für Anfang 2018, endete ergebnislos, ohne ein einziges Angebot. Bei der zweiten, für Anfang 2019, ging zwar ein Angebot ein, aber das war nicht "vergabefähig", beschreibt der Hebewerkschef die Schattenseite der Hochkonjunktur. Im dritten Anlauf und mit sehr großem Vorlauf habe es nun geklappt. Der Zwei-Millionen-Auftrag konnte in den vergangenen Monaten vergeben werden. Den Zuschlag erhielt die Schorisch Magis GmbH, ein Stahlbauunternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern, das bereits beim Seilwechsel im Einsatz war. Die Baustelle also kennt.

Die Erneuerung des Traggerüstes sei ein extrem aufwändiges und technisch anspruchsvolles Unterfangen. Eigens dafür müsse beispielsweise ein Schwerlastgerüst gebaut werden, das per Kran auf der Westseite des Troges aufgebaut wird. Das Gerüst, das etliche Tonnen wiegt, sei bereits durch die Firma gefertigt worden. Allein dessen Montage werde eine Woche in Anspruch nehmen, schätzt der Hebewerkschef.  Zudem müsse die Kanalbrücke entleert werden. Weshalb Schumacher hofft, dass die recht milden Temperaturen anhalten.

Neben dieser großen Maßnahme stehe das übliche Wartungsprogramm für die Mannschaft an: Schmieren, Prüfen, Einstellen – sowie Nietenwechsel. Und: Im Januar, so verrät der Leiter, beginnen die Schulungen des Personals für das neue, modernere Hebewerk nebenan.

Wochenlange Kanalsperrung

Wie dringend notwendig der Fahrstuhl 2.0 ist, widerspiegelt sich auch in den Zahlen 2019. Im zu Ende gehenden Jahr passierten etwa 2000 Frachtschiffe das Hebewerk. Diese hatten 565 280 Tonnen geladen. Das ist deutlich weniger als in Vorjahren, im Vergleich zu 2017 beispielsweise nur gut die Hälfte. "Die Flotte, die aufgrund ihrer Größe das Hebewerk nutzen kann, wird einfach immer kleiner", erklärt Schumacher. Erschwerend kamen 2019 die Sperrungen des Oder-Havel-Kanals hinzu. Infolge von Bombenfunden in Oranienburg. Zwei Mal war die Wasserstraße wochenlang für die Schifffahrt tabu. Beziehungsweise eine Sackgasse. Zudem war die Westschleuse in Hohensaaten für eine Bauwerksinspektion länger außer Betrieb. Hauptladung waren, wie schon in den Vorjahren, Stahl und Stahlerzeugnisse sowie Schrott. Kohle indes wurde kaum "gefahren".

In puncto Tourismus sind die Zahlen hingegen recht stabil. 2600 Fahrgastschiffe und 4000 Sportboote absolvierten 2019 die Passage per Lift. Und etwa 108 000 Ausflügler besichtigten das Wahrzeichen deutscher Ingenieurskunst.

Während Jörg Schumacher und sein Team die alte Dame aus dem Jahr 1934 noch einmal flott machen, nehmen sein Kollege Klaus Winter und dessen Mitstreiter auf der Baustelle des neuen Hebewerkes schrittweise bereits einzelne Baugruppen in Betrieb. Im Herbst, so der Projektleiter des Wasserstraßen-Neubauamtes Berlin, seien alle Antriebe getestet worden. "Mit Erfolg", so Winter. Kurz vor Weihnachten begann die Einstellung der Sicherungssysteme. Und voraussichtlich im Februar werde sich der Trog das erste Mal bewegen.

Der Besucherumgang auf dem Hebewerk ist ab 2. Januar wegen der Winterreparatur gesperrt.

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