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Der Bau der neuen Umgehung der B 167 zwischen Autobahn und Eberswalde rückt näher. Leidtragend wird der Campingplatz am Üdersee sein.

Campingplatz am Üdersee
Bald "campen" auf der Umgehungsstraße der B 167

Ungeliebte Naturumwandlung: Wo derzeit auf dem Campingplatz am Üdersee noch Bäume rauschen, sollen schon bald Autos auf der neuen B 167 in die Kreisstadt rauschen. Andreas Kirste, Mitinhaber des beliebten Campingplatzes, ist darüber wenig erfreut.
Ungeliebte Naturumwandlung: Wo derzeit auf dem Campingplatz am Üdersee noch Bäume rauschen, sollen schon bald Autos auf der neuen B 167 in die Kreisstadt rauschen. Andreas Kirste, Mitinhaber des beliebten Campingplatzes, ist darüber wenig erfreut. © Foto: susan hasse
Susan Hasse / 02.01.2020, 06:45 Uhr - Aktualisiert 02.01.2020, 11:27
Finowfurt (MOZ) Die Spatzen zwitschern fröhlich von den Dächern, andere fliegen geschickt von Ast zu Ast. Fast meint man einen Specht zu hören, der sich an einem Stamm zu schaffen macht. Doch in dieser Jahreszeit ist Ruhe eingekehrt. In der Natur, ebenso wie auf dem Campingplatz am Üdersee. Kaum eine Menschenseele ist zu sehen. Die Naturidylle zwischen Wald und Üdersee wirkt trotz kaltem Wind und niedrigen Temperaturen bilderbuchgleich. Noch. Denn schon in ein paar Monaten könnten hier die Bagger rollen. Der Campingplatz am Üdersee wird rund ein Drittel seiner Fläche verlieren, wenn hier die neue Umgehungsstraße der B 167 gebaut wird.

Der Straßenneubau, über den in der Region seit 25 Jahren kontrovers diskutiert wird, führt künftig parallel am Oder-Havel-Kanal entlang und durchschneidet das Erholungsgebiet Üdersee. Andreas Kirste betreibt zusammen mit seiner Schwester und seinem Vater den Campingplatz am Üdersee als Familienbetrieb. Die Familie lebt für und von dem idyllischen Platz am See. Alljährlich kommen hunderte Tagesgäste. Zudem haben rund 160 Dauercamper einen Wohnwagen am See, teils seit Jahrzehnten. Was genau auf sie und den Campingplatz zukommt, weiß die Betreiberfamilie noch nicht. Bedrohlich nah wird der Asphalt kommen, zahlreiche Bungalows und Wohnwagen werden weichen müssen, so viel ist klar. Vor allem die zu erwartende lange Bauzeit macht Andreas Kirste Sorgen: Jahrelang werden hier die Bagger und Baumaschinen zu hören sein. Urlaubsidylle ade. Und selbst wenn die Straße fertig ist, ist kaum Besserung zu erwarten. Laut aktueller Planung ist zwar eine Lärmschutzwand am Rand des Platzes vorgesehen. "Doch wer will vor einer Wand Urlaub machen?", fragt sich Kirste.

Vor allem die Lautstärke wird sicherlich ein Problem für seine Gäste werden, meint  der Unternehmer. Er bezweifelt die Richtigkeit der Zahlen zur Emissionsbelastung, wie sie in der aktuellen Planung stehen. Die Zahlen seien veraltet und falsch berechnet. Warum muss die Straße hier lang, wenn es doch Alternativen gibt, fragt sich Kirste und meint die einst diskutierte alternative Südtangente der B 167. "Vor allem die Kurzurlauber werden wegbleiben", befürchtet Andreas Kirste. Gerade die Fahrradurlauber und Durchreisende, die beispielsweise mit dem Wohnmobil aus Süddeutschland im Barnim Halt machen, hätten in den letzten Jahren immer öfter am schönen Üdersee übernachtet. Der Platz ist verkehrsgünstig gelegen und der Barnim biete sich als Zwischenstopp an, so Kirste. Das sei doch genau das, was die Befürworter und Verantwortlichen für den Tourismus im Barnim wollen, so Kirste. Viele seiner Gäste würden für gute Umsätze in der Region sorgen, ist er überzeugt: Familien würden immer einen Tag im Zoo, Familiengarten oder im Wildpark Schorfheide verbringen. "Das zarte Pflänzchen Tourismus wird kaputtgemacht", bringt  Kirste es auf den Punkt.

Eröterungstermin Mitte Januar

Ginge es nach ihm soll die neue B 167 niemals kommen. Ob und wann sie kommt, steht allerdings tatsächlich noch nicht fest. Zunächst läuft das Planfeststellungsverfahren. Im Januar finden Erörterungstermine über Einwende und Stellungnahmen statt. Am 13. Januar dürfen Kommunen und Verbände vorsprechen. Am 14., 22. und 23. Januar können die Bürger ihre Probleme mit der Straße mit der Planungsbehörde erörtern. Doch selbst nach dem Planfeststellungsbeschluss kann der Bau noch (vorerst) gestoppt werden, etwa durch eine Klage, wie sie sich vonseiten der Gemeinde Schorfheide andeutet. Zwar geht es dabei um die Abfahrt Finowfurt, das Ergebnis wäre aber das gleiche: Die Straße wird nicht gebaut und die Vöglein können (zunächst) weiter zwitschern.

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