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Sternenpark Westhavelland
Satelliten sorgen für Lichterkette am Nachthimmel

Thomas Becker / 03.01.2020, 11:49 Uhr
Parey Das Ziel bzw. die Aufgabe eines Sternenparks ist es, die natürliche nächtliche Dunkelheit und somit auch den dunklen Nachthimmel zu bewahren. Das Problem ist dabei die wachsende künstliche Lichterflut auf der Erde, der mit intelligenter und maßvoller Beleuchtung Einhalt geboten werden kann. Es sind jedoch auch am Himmel die Zeichen der menschlichen Zivilisation zu finden.

Unzählige Flugzeuge blinken am nächtlichen Firmament, und wer genau hinschaut, entdeckt in dunkler Nacht immer wieder schwach leuchtende Lichtpunkte, die gemächlich am Himmel entlangwandern. Das ist dann einer der wenigen tausend künstlichen Satelliten, die seit den 1950er Jahren in eine Erdumlaufbahn (Erdorbit) geschossen wurden.

Nun aber tauchen neue Lichter am Himmel auf, die Astronomen wie Hobbysternguckern gleichermaßen Sorgen bereiten und schon einige ratlose Bürger in der Naturparkverwaltung des Westhavellands haben anrufen lassen. Helle Lichterketten wurden am Nachthimmel gesichtet, unbekannte Flugobjekte.

Das sind die ersten Vorboten von Starlink. Ein Satellitennetzwerk der Firma SpaceX von Elon Musk, welches eine weltweite Hochgeschwindigkeits-Internetversorgung ermöglichen soll. Dazu sind etwa 12.000 Satelliten bis 2025 zu starten, die in drei unterschiedlichen Höhen operieren (in ca. 350, 550 und 1150 km Höhe) und die Welt wie ein Netz umspannen sollen. Anträge für weitere 30.000 Stück liegen vor. Auch Amazon, OneWeb und Telesat wollen am Geldsegen teilhaben und planen ebenfalls den Start mehrerer tausend Kommunikationssatelliten. Wie werden sich wohl zukünftig die Russen, die Chinesen und die Europäer aufstellen?

Viele Fragen sind noch offen: Wie viele Satelliten werden es wirklich? Wie hell werden sie sein? Wann werden sie zu sehen sein? Wie groß ist das Kollisionsrisiko bei so vielen Satelliten (eine Beinahe-Kollision gab es bereits)? Wird unser Nachthimmel noch so aussehen wie früher? Sollte sich die Welt wieder von wenigen Großkonzernen abhängig machen? Steht das Wohl der Menschheit oder wieder einmal das Profitstreben im Vordergrund? Sollte ein Milliardär über das nächtliche Erscheinungsbild des Nachthimmels der ganzen Welt entscheiden dürfen?

Meine Meinung ist: Hier bemächtigt sich ein Großkonzern eines rechtsfreien Raums, und es scheint ihm niemand Einhalt bieten zu können oder zu wollen. Vermutlich findet ein Großteil der Menschen die Idee eines weltumspannenden Satellitennetzwerks für schnelles mobiles Internet gut. Aber ist es das, was wir wirklich brauchen?

Der Anblick des dunklen Sternenhimmels könnte durch unzählige sich hintereinander bewegende Lichtpunkte verunstaltet werden, abhängig vom Breitengrad und der Jahreszeit. Besonders in den Sommermonaten würden sie durch die in unseren Breiten nur knapp unter dem Horizont stehende Sonne die ganze Nacht zu sehen sein. Auch die Hobbyastronomen werden Abstriche machen müssen, besonders bei der Fotografie.

Die Kaskade von Trümmerteilen bei möglichen Kollisionen wäre immens und könnte die Raumfahrt gefährden (sog. Kessler-Effekt). Im niedrigen Orbit würden die Trümmerteile von der Luftreibung zwar bald abgebremst und verglühen, in großer Höhe wären sie aber für Jahrtausende eine Gefahr für andere Raumfahrzeuge. Einige Bereiche der wissenschaftlichen Astronomie werden nur sehr viel schwieriger durchführbar sein, z.B. die großflächige Suche nach potenziell gefährlichen Asteroiden oder die Radioastronomie.

Übrigens, die Lichterketten kommen dadurch zustande, dass mit der Falcon 9 Rakete von SpaceX bis zu 60 Satelliten auf einmal gestartet werden können und dann einer nach dem anderen hintereinander ausgesetzt wird. Über mehrere Tage fliegen diese dann im Gänsemarsch ihrem Zielorbit an. In Zukunft könnte dafür sogar die größere Starship und Super Heavy Rakete genutzt werden, die eine deutlich höhere Nutzlast transportieren kann. Dann könnten Starts von bis zu 400 Satelliten mit einer Rakete möglich werden.

Um aber noch einmal auf die eigentliche Astronomie zurückzukommen, möchte ich noch auf ein astronomisches Ereignis im Januar hinweisen. Am Abend des 10. Januar findet eine Halbschattenmondfinsternis statt. Wie der Name schon sagt, tritt der Mond dabei nicht in den Kernschatten der Erde ein. Nur bei genauem Hinsehen fällt dem Beobachter am südlichen Mondrand gegen 20.00 Uhr eine leichte Verdunkelung auf. Wer es genauer sehen möchte, kann im Sternenblick Parey bei wolkenlosem Himmel mit dem Teleskop einen Blick auf den Vollmond werfen.

Erstes Viertel am 3. Januar, Vollmond am 10. Januar, letztes Viertel am 17. Januar und Neumond am 24. Januar;

Freitag, 10. Januar, 19.00 Uhr: "Beobachtung der Halbschattenmondfinsternis", Sternenblick, Parey - nur bei klarem Himmel, Eintritt frei, keine Anmeldung nötig;

Donnerstag, 23. Januar 18.00 Uhr: "Öffentliche Beobachtung des Sternenhimmels", zunächst ein Vortrag  im Naturparkzentrum Milow, anschließend Blick zu den Sternen, keine Anmeldung nötig.

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