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Zählung
Äpfel locken Amseln in den Garten und ans Fenster

Nadja Voigt / 11.01.2020, 06:45 Uhr
Kruge (MOZ) Drei Feldsperlinge, über 20 Haussperlinge, vier Kohlmeisen und eine Ringeltaube: Das ist das Ergebnis der Wintervogelzählung bei Susanne Altvater in Kruge. Am Freitag begrüßte sie dazu Evelyn Faust, Stadtverordnete für die Grünen in Bad Freienwalde und Naturerlebnispädagogin im Erlebniszentrum Blumberger Mühle, sowie eine kleine Gruppe Fünfjähriger aus der örtlichen Kita. Leni, Moira, Anny, Maya und Jack von den "Kruger Spatzen" staunten über die Vogel-Vielfalt im Garten von Susanne Altvater. Der naturnahe Garten der Gastgeberin, die für die Grünen im Kreistag sitzt, bietet den gefiederten Freunden jede Menge Unterschlupf. Und auch der Tisch ist reich gedeckt. Die "Unordnung" habe ihren Sinn lacht Evelyn Faust. Denn die Wildfruchtsträucher wie Hagebutten bieten jede Menge Nahrung. Auch die Wilde Karde hält noch jede Menge bereit. "Ansonsten kann man auch eine eigene Mischung herstellen", sagt Susanne Altvater. Aus Erdnusskernen, Rosinen, Mais, Mohn oder Leinsaat sowie Sonnenblumenkernen.

Die kommen auch bei den Kita-Kindern zum Einsatz: Die Fünfjährigen stechen aus einem Apfel das Gehäuse aus und fädeln ein Band hindurch. Mit den Kernen spicken sie die Äpfel und hängen sie dann in die Bäume. Noch mehr Lockmittel lassen sich zum Beispiel am Sonntag in der Blumberger Mühle basteln, verrät Evelyn Faust. "Dort werden wir aus Tontöpfen Futterglocken bauen." Dabei kommen dann auch Kokosfett oder Rindertalg zum Einsatz. In einem Topf aufgelöst und mit Kernen und Rosinen vermischt, kann die Masse auch in große Zapfen eingefüllt und dann in Bäume und Sträucher gehängt werden.

So lassen sich die gefiederten Freunde am besten zur Wintervogelzählung anlocken. Denn dazu ruft der Naturschutzbund Deutschland an diesem Wochenende wieder auf. Als "Wissenschaft der Bürger" bezeichnet Susanne Altvater die Aufzeichnungen, die dabei gemacht werden. "Sie sind enorm wichtig, um ein Gesamtbild zu bekommen." Denn: Erstaunlicherweise sind die seltenen Arten besser dokumentiert als die häufigen. "Die Zählung gibt uns Aufschluss darüber, welche Vögel in Gärten und Parks leben." Daraus ließen sich Trends ablesen. "Auch erfahren wir, wie sich die Veränderungen des Klimas auf die Zugvögel auswirken und ob Schwalben überhaupt noch wegfliegen", sagt Susanne Altvater und erklärt den Kindern: "Denn wozu der ganze Stress mit den kräftezehrenden Flügen nach Afrika, wenn es hier warm ist." Denn bislang fehlt vom Winter in der Region jede Spur. Doch wie wirkt sich das Ausbleiben des Schnees zum Beispiel auf die Vogelwelt aus? "Das hat Vor- und Nachteile", sagt Susanne Altvater. Zum einen gebe es natürlich mehr Nahrung, zum anderen sei die Gefahr größer, dass Krankheiten sich ausbreiten. Deshalb rät sie auch eher zu Futtersilos, denn zu Futterhäuschen. Dort fänden Erreger bessere Bedingungen, sich auszubreiten. Die Drahtkörbe dagegen würden weniger leicht verunreinigen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Thema Wasser. "Wasserstellen sind für Vögel sehr wichtig", unterstreicht die Fachfrau aus Kruge. Sie sollten am besten rund ums Jahr und erhöht angebracht werden, damit sie außerhalb der Reichweite von Katzen sind. Sonst werden Vögel schnell zur leichten Beute.

Wer seinen Garten also nun am Wochenende zu wissenschaftlichen Zwecken nutzen möchte, und was Wasser und Futter angeht gut aufgestellt ist, muss nur noch die richtige Zählweise der Wintervögel beachten: "Gezählt wird die höchste Anzahl, die man gleichzeitig sieht", so Evelyn Faust. Die Beobachtungen können in die dafür vom NABU vorgesehenen Faltblätter oder auch einfach auf ein Blatt Papier eingetragen werden. Übermittelt werden sie dann über die Internetseite.

www.nabu.de

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