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Altstadt
Kopfschütteln über Abriss

Da wurde der Abriss abgewendet: Am Haus Walkmühlenstraße 2 lag dem Sanierungsträger am Erhalt des "stadtbildprägenden Erkers". Das Gebäude wird ebenfalls in diesem Jahr saniert, berichtete Uwe Schieferdecker, obwohl keine Fördermittel fließen.
Da wurde der Abriss abgewendet: Am Haus Walkmühlenstraße 2 lag dem Sanierungsträger am Erhalt des "stadtbildprägenden Erkers". Das Gebäude wird ebenfalls in diesem Jahr saniert, berichtete Uwe Schieferdecker, obwohl keine Fördermittel fließen. © Foto: MOZ/Gerd Markert
Jens Sell / 15.01.2020, 21:00 Uhr
Strausberg Wenn dieser willkürliche Abriss ohne Folge bleibt, ist das ein  Zeichen an andere Eigentümer, ihre Altbauten auch so lange verfallen zu lassen, bis sie sie abreißen dürfen", schimpft Carsten Wenzel, sachkundiger Bürger für die Linken im Ausschuss für Bauen, Umwelt und Verkehr, nach dem Bericht des Sanierungsträgers über das zurückliegende Jahr. Backunternehmer Dirk Hennig hatte Mitte Dezember die Eckbebauung bis auf Mauerreste des Erdgeschosses abreißen lassen. Stadtverordneter Jens Knoblich (Zusammen für Strausberg) hatte eingangs nach den Gründen für den Abriss gefragt.

Stadt nicht beteiligt

"Die Stadt war nicht beteiligt, aber es war so, dass Dachsteine auf den Gehweg gefallen sind", erläuterte Bürgermeisterin Elke Stadeler. Und Stadtplaner Stefan Reinhardt ergänzte, es habe eine Abrissverfügung des Bauordnungsamtes unter Einbeziehung des Denkmalschutzes gegeben, weil auch Risse im Mauerwerk aufgrund der jahrzehntelangen Vernachlässigung des Gebäudes aufgetreten seien: "Es bestand die Gefahr, dass die Wände auf die Straße fallen, da war Gefahr im Verzug." Carsten Wenzel ließ das nicht gelten und kritisierte, dass nun auch noch der Teil der Mauer stehen gelassen wurde, den keiner mehr wolle. "Im Norden kämpfen wir, dass alles stehen bleibt, und unternehmen wie am Kino Argus Sicherungsmaßnahmen, und im Süden nun das!"

Uwe Schieferdecker vom Sanierungsträger Brandenburgische Stadterneuerungsgesellschaft relativierte diesen Vergleich: "Am Markt 13 ist der städtebauliche Wert des Gebäudes ungleich höher, dort wurden Mittel von Landkreis und Stadt eingesetzt, um das Gebäude zu erhalten." Das Ringen um den Erhalt und die Sanierung der Großen Straße 4/5 dauere seit 1993, da sei Dirk Hennig noch gar nicht Eigentümer gewesen, ordnet Schieferdecker ein: "Wir haben immer das Gespräch mit den Eigentümern gesucht und Fördermittel angeboten und vorgehalten für diese Ecke." Er hoffe, dass für diesen Altstadteingang eine städtebaulich schöne Lösung unter Einbeziehung des Denkmalschutzes gefunden werde. Es handele sich nicht um ein Einzeldenkmal, wohl werde aber der Denkmalschutz einbezogen. Über die Gestaltungssatzung habe der Sanierungsträger die Möglichkeit, steuernd Einfluss zu nehmen auf das, was der Investor bauen wolle. "Wir können immer nur eingreifen, wenn etwas gemacht wird", erläuterte Uwe Schieferdecker, "so zum Beispiel, wenn der Bauantrag eingereicht wird und wir beurteilen können, wie sich das geplante Gebäude in diesen Bereich einordnet. Aber wenn nichts passiert wie viele Jahre an dieser Stelle, können wir auch keinen Einfluss nehmen."

Nachfragen richteten sich auf die gegenüberliegenden Sanierungsvorhaben des Bäckermeisters Benno Klein am Beginn der Georg-Kurtze-Straße. Schieferdecker informierte darüber, dass noch im Januar das Dach des Vorderhauses eingedeckt werde. Er sei gerade dabei, mit der Denkmalpflege einen Termin zu organisieren, an dem die Fenster bemustert würden, die dort eingebaut werden sollten. "Wenn erst einmal Fenster drin sind, wird der ganze Gebäudekomplex schon mal viel besser aussehen", sagte der Sanierungsträger.

Mittel stehen bereit

Uwe Schieferdecker informierte aktuell, dass der Haushaltsansatz des Bundes für die Städtebauförderung wiederum 790 Millionen Euro betrage. Nur die Verteilung auf alte und neue Bundesländer (50:50) ändere sich jährlich um zwei Prozent zugunsten der alten Länder. "Die Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern in dieser Sache ist bereits von Innenminister Horst Seehofer abgesegnet, das ist relativ früh im Jahr und gibt uns Planungssicherheit." Damit gebe es gute Aussichten auf Fördermittel für die Sanierung von Objekten in der Strausberger Altstadt.

Zum ehemaligen Kino Argus, dem Markt 13, sagte Schieferdecker, dass im Rahmen des Interessenbekundungsverfahrens drei potenzielle Betreiber ihr Konzept schriftlich eingereicht und im Gespräch mit der Stadtverwaltung fundiert begründet hätten. Die Filmförderung Medienboard Berlin-Brandenburg werde in das Verfahren eingebunden.

Besondere Sanierungsobjekte in der Altstadt

Am Einzeldenkmal Markt 8 sind die äußeren Sanierungsarbeiten abgeschlossen. Für Markt 14 erfolgte 2019 die Schlussrechnung. Dort förderten Land und Bund mit 56 000 Euro. Begonnen haben die Arbeiten am Markt 15.

Am Einzeldenkmal Große Straße 56 mit dem Eine-Welt- und Bioladen sollen im ersten Bauabschnitt der Gemeindesaal und der Verbindungsbau zur Jungfernstraße saniert werden.

Das Gebäude Buchhorst 20 ist sehr aufwendig saniert worden. Der besonders schlechte Bauzustand drückt sich in der hohen Fördersumme von 302 000 Euro aus. Den Löwenanteil der Investition tragen aber die Eigentümer.

Das abschließende große Vorhaben der Aufwertung des öffentlichen Raums im Sanierungsgebiet ist die Neugestaltung des Bahnhofsumfelds Strausberg-Stadt mit der attraktiven Gestaltung der Verbindung  zur Altstadt.⇥js

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